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Jan Fitschen: Mit Laufschuhen und Wohnmobil die Bretagne entdecken

| Jan Fitschen
Wie sieht eigentlich der perfekte Urlaub für Läufer aus? Jan Fitschen hat für sich die Antwort gefunden – und verrät sie in einem Reisebericht.

Wie sieht er eigentlich aus, der optimale Urlaub für alle, die es lieben, sich besonders dann aktiv sportlich zu betätigen, wenn einen nicht der Alltagsstress gefangen hält? Dieser Urlaub könnte aus einem Laufcamp bestehen: mit laufen.de und Carsten Eich auf Mallorca oder mit Jan Fitschen in Kenia. Eine Gruppenreise mit Gleichgesinnten, umfangreiches und individuell angepasstes Lauftraining und dazu etwas Urlaubsfeeling. Jan Fitschen hat mit seiner Familie dieses Jahr noch eine andere Art von Laufreise getestet: Mit dem Wohnmobil zu wundervollen Trails und Strandläufen in die Bretagne!

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Mit dem Wohnmobil direkt am Meer entlang - da kann man glatt neidisch werden.
Das Einräumen birgt bereits die ersten Überraschungen: Wo ich normalerweise bei jeder Reise überlegen muss, wie viele Laufschuhe ich denn einpacken kann, so finde ich hier im doppelten Boden so viel Stauraum, dass ich fast in Versuchung komme, meine kompletten 30 Paar einzupacken. Man weiß ja nie. Apropos Platz: Wird doch bei jedem gewöhnlichen Familienurlaub das Packen des Fahrzeugs zum Tetris-Spiel, so verschwinden in unserer Heckgarage ruckzuck die Campingstühle nebst zugehörigem Tisch, ein kleiner Grill und, was sonst immer am Schwierigsten ist, auch unser großer Babyjogger. Seit einem Jahr sind wir nämlich zu dritt und der Nachwuchs hat schließlich auch sein Recht auf Sport. Dann ist alles eingepackt und es geht los. Wohin? Wissen wir nicht genau. Wir haben einen dicken Reiseführer dabei und werden uns treiben lassen. Es geht auf Entdeckungstour.
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Als wir morgens in der Bretagne ankommen, stellt sich heraus, dass der Reiseführer nicht übertrieben hat. Diese Ecke Frankreichs ist wunderschön. Der von uns nach dem Zufallsprinzip ausgesuchte Mini-Campingplatz hat seine Wohnmobilstellplätze in erster Strandreihe. Wir stehen oben auf der Düne und dann kommt schon das Meer. Als erstes: Babyjogger ausladen und die Gegend erkunden. Nach einer kurzen Runde und beladen mit dem ersten frischen Baguette der Reise geht es zurück zu unserem Übergangsheim und die Campingstühle werden ausgepackt. Klasse. Der Blick, die Luft und, man kann es einfach nicht anders sagen: Egal was du in deinem Wohnmobilurlaub und erste recht in deinem Wohnmobilurlaub nach einer kleinen Laufrunde isst, es schmeckt fantastisch.

Uns gefällt es hier, daher bleiben wir eine weitere Nacht. Aber wir sind ja nicht mit einem Wohnmobil unterwegs, um ständig am gleichen Ort zu bleiben - und so packt uns schon am nächsten Tag das Fernweh und es zieh uns weiter ins Unbekannte.
 
Wir finden eine kleine Bucht mit einem Parkplatz auf dem schon zwei weitere Reisemobile stehen. Wieder direkt am Meer, doch diesmal auf einer kleinen Klippe. Tolle Aussicht und über eine Treppe geht es zum Strand. Hier bleiben wir. Campingplatz? Brauchen wir nicht, wir haben alles an Bord: Kühlschrank, Herd, Strom, Dusche und Toilette. Perfekt. Die Welt ist unser Zuhause und wir fühlen uns frei.
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Alles dabei, was das Herz begehrt. Entspannung und Sport wechseln sich im Urlaub ab.
Nach einer dreiviertel Stunde erreichen wir den Fischerort. Ein Kaffee direkt am Hafen lädt ein und wir haben uns das Pain au Chocolat ja nun auch redlich verdient. Und wieder schmeckt es großartig. Die Seele und die Beine baumeln lassen, den Touristen und Einheimischen zusehen und die Welt einatmen. Urlaub.

Sowas erlebt man nicht im Pauschal-Urlaub

Insgesamt drei Wochen sind wir unterwegs. Wir lassen uns treiben, wechseln zwischen Campingplätzen und „wildem“ Campen und erlaufen so manche unbekannte Strecke. Am Ende einer Mini-Straße, die direkt zu einem ehemaligen Piratenhafen führt, werden wir von einem Einheimischen eingeladen, bei ihm auf der Wiese zu übernachten. Er hat die Kenia-Aufkleber auf unserem Wohnmobil gesehen und erzählt uns von seinen Jahren in Afrika. Am nächsten Tag geht er, bewaffnet mit Neoprenanzug und Taucherbrille, für uns auf Seespinnenjagd. Mit reicher Beute kehrt er zurück und so sitzen wir am Abend mit einem bis noch vor kurzem wildfremden Bretonen zusammen beim Cidre und knacken mit einem Nussknacker diese Krebse zum Abendessen. Hätten wir eine solche Begegnung bei einem Hotelurlaub gemacht? Wohl kaum.
 
Immer wieder werden die Laufschuhe ausgepackt. Mal morgens, um auf dem Rückweg beim Bäcker vorbeizuschauen, mal abends, um noch kurz diesen Hügel dort zu erklimmen. Und hinter jeder Ecke wartet ein neuer, unerwarteter Ausblick.
 
Wie viele Kilometer wir mit dem Wohnmobil schließlich gefahren sind? Keine Ahnung. Bis in den Süden Frankreichs, wie ursprünglich geplant, sind wir auf jeden Fall nicht gekommen. Dafür hat uns die Bretagne zu gut gefallen. Wie viele Kilometer wir mit den vielen Laufschuhen schließlich gejoggt sind? Keine Ahnung. Auf jeden Fall gehörten sie zu den schönsten und eindrucksvollsten, die wir je gesehen haben. Definitiv der perfekte Läuferurlaub, egal, wohin einen das Fernweh zieht. Und mit unserem Wohnmobil waren wir immer auf alles vorbereitet und haben eine Freiheit genossen, die man sonst nur findet, wenn man, ja, genau, gerade bei seinem Dauerlauf unterwegs ist.