Joshua Cheptegei läuft Weltrekord über 5000 Meter

| Text: Jörg Wenig | Fotos: imago images/von der Laage

Afrikas neuester Laufsport-Superstar heißt Joshua Cheptegei. Der 23-Jährige kommt weder aus Kenia noch aus Äthiopien sondern aus Uganda. Am Freitagabend brach Cheptegei beim Diamond League-Meeting der Leichtathleten in Monte Carlo den 5.000-m-Weltrekord von Kenenisa Bekele. Der Äthiopier, der über Jahre hinweg die Langstrecken dominierte, war im Mai 2004 in Hengelo 12:37,35 Minuten gelaufen und hatte damals die Bestmarke eines anderen äthiopischen Superstars, Haile Gebrselassie, um ziemlich genau zwei Sekunden unterboten. Nun lief Joshua Cheptegei 12:35,36.

Zunächst geführt von Tempomachern, stürmte Joshua Cheptegei nach rund der Hälfte des Rennens trotz sehr warmer Temperaturen von 26 Grad Celsius im Alleingang zum Weltrekord. In 12:35,36 Minuten war er schließlich klar vor Nicholas Kimeli (Kenia) im Ziel, der mit 12:51,78 aber auch noch eine Weltklassezeit und eine persönliche Bestzeit erreichte. Hinter Kimeli folgte dessen Landsmann Jacob Krop in 13:11,32. Vierter wurde der Holländer Mike Foppen, der mit einer Zeit von 13:13,06 Minuten das Kunststück fertig brachte, den 18 Jahre alten niederländischen Rekord auf die Hundertstelsekunde genau einzustellen.

Für Kenenisa Bekele platzt der Traum, drei Langstrecken-Weltrekorde gleichzeitig zu halten

Joshua Cheptegei ist der erste Läufer aus Uganda, der einen 5.000- oder 10.000-m-Weltrekord aufgestellt hat. Für den 23-Jährigen erfüllte sich am Freitagabend ein Traum, für den bisherigen Rekordhalter Kenenisa Bekele platzte einer: Der Äthiopier wollte als erster Athlet der Leichtathletik-Geschichte die drei Weltrekorde über 5.000 m, 10.000 m und im Marathon simultan halten. Vor knapp einem Jahr verpasste der Äthiopier die Marathon-Bestzeit von Eliud Kipchoge (Kenia/2:01:39) in Berlin haarscharf um nur zwei Sekunden. Jetzt ist diese einmalige Chance für Kenenisa Bekele verpasst.

„Es war psychologisch in diesem Jahr nicht so einfach, motiviert zu bleiben während so viele Menschen zu Hause blieben. Ich habe mich dazu gezwungen. Ich hatte aber auch die richtigen Betreuer und den richtigen Trainer. Normalerweise trainiere ich in Europa, aber jetzt war ich in Uganda bei meiner Familie, und das war gut so“, erklärte Joshua Cheptegei gegenüber der Webseite des internationalen Leichtathletik-Verbandes World Athletics. Der Läufer gehört zum NN-Team des holländischen Managers Jos Hermens, zu dem auch Eliud Kipchoge und Kenenisa Bekele gehören.

Trotz der Coronavirus-Pandemie und den entsprechenden Einschränkungen ist Joshua Cheptegei nun in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal einen Weltrekord gelaufen - und beide Male startete er dabei in Monaco. Im Februar war er bei einem 5-km-Straßenrennen dort 12:51 Minuten gerannt.

Es ist nun durchaus möglich, dass Kenenisa Bekele bald auch seinen 10.000-m-Weltrekord verliert, wenn Joshua Cheptegei auch diese Marke angreifen sollte. 2005 war Kenenisa Bekele in Brüssel 26:17,54 Minuten gelaufen. Dass er sein Potenzial auch auf die längeren Strecken übertragen kann, hat Cheptegei bereits mehrfach bewiesen. Im vergangenen Jahr gewann er über 10.000 m den WM-Titel, zudem triumphierte er bei den Crosslauf-Weltmeisterschaften. 2018 hatte Joshua Cheptegei bereits eine Weltbestzeit über 15 km aufgestellt (41:05 Minuten). Im vergangenen Dezember lief er einen Weltrekord über 10 km (26:38), der aber inzwischen wieder unterboten wurde.

Weltklassezeiten gab es in Monaco, wo immerhin ein paar tausend Zuschauer ins Stadion kommen durften, auch bei zwei Lauf-Wettbewerben der Frauen: Über die selten gelaufene 1.000-m-Distanz erzielte Faith Kipyegon mit 2:29,15 Minuten die zweitschnellste je erzielte Zeit. Den Weltrekord der Russin Swetlana Masterkowa verpasste die Kenianerin um lediglich 17 Hundertstelsekunden. Neben dem kenianischen fielen in diesem Rennen unter anderem auch der britische und der irische Rekord: Laura Muir (Großbritannien) wurde in 2:30,82 Zweite, Ciara Mageean (Irland) folgte als Dritte mit 2:31,06.

Während Deutschlands Top-Läuferin Konstanze Klosterhalfen (Bayer Leverkusen) ihren geplanten Saisoneinstieg noch einmal verschob, gewann Hellen Obiri (Kenia) das 5.000-m-Rennen in hochklassigen 14:22,12 Minuten vor Letesenbet Gidey (Äthiopien/14:26,57) und Laura Weightman (Großbritannien/14:35,44).

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