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Karriere-Ende: Jan Fitschen verabschiedet sich vom Leistungssport

| Redaktion laufen.de | Fotos; Imago, Norbert Wilhelmi
Jan Fitschen, 10.000-Meter-Europameister von 2006, hat seinen Rücktritt vom Leistungssport erklärt.

Als Hochleistungs-Athlet wird Jan Fitschen nicht mehr in Erscheinung treten, als laufen.de-Experte bleibt er uns aber erhalten. Der 10.000-Meter-Europameister von 2006 (Foto) hat heute offiziell seinen Rücktritt vom Leistungssport erklärt.

Der Diplom-Physiker hatte bei der EM 2006 in Göteborg mit seinem Titelgewinn über 10.000 Meter für eine Überraschung gesorgt. Über 5000 und 10.000 Meter wurde er jeweils viermal deutscher Meister. In der Halle wurde er siebenmal in Serie nationaler Meister über 3000 Meter. Insgesamt sammelte er in seiner 20-jährigen Laufbahn 28 Titel.

Als Marathonläufer unvollendet

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Vor vier Jahren wechselte Fitschen auf die Straße. Bei seinem Marathon-Debüt 2012 in Düsseldorf musste er sich bei einem Hitzerennen mit der Zeit von 2:20:15 Stunden begnügen. Im Herbst 2012 erreichte er beim Berlin-Marathon 2:13:10 Stunden, die er in der Folgezeit nicht mehr unterbieten konnte.

Den Lauf seines Lebens aber zauberte er am Abend des 8. August 2006 im Göteborger Ullevi-Stadion auf die Bahn, als er völlig überraschend den EM-Titel über 10.000 Meter gewann. Bei der Europameisterschaft vier Jahre zuvor in München hatte Fitschen wegen einer Magen-Darm-Geschichte nur zuschauen können, diesmal nutzte er die Gunst der Stunde. In Göteborg erwischte der Wattenscheider ein perfektes Rennen, bei dem er sich in persönlicher Bestzeit mit einem unwiderstehlichen Endspurt vor den favorisierten Spaniern durchsetzen konnte.

„Göteborg ist für mich nach wie vor unbegreiflich, weil es so völlig unerwartet kam“, sagt Jan Fitschen heute. Und er fügt hinzu: „Dieser eine Lauf hat mein Leben total umgeschmissen. Wäre ich nur Vierter geworden, hätte man mich völlig anders wahrgenommen. Ohne Titel wäre ich wahrscheinlich nie nach Kenia gekommen.“

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Jeder unserer achtzehn Millionen Freizeitläufer in Deutschland möchte besser werden und schneller und leichter laufen können. Jan Fitschen als Profi-Läufer auch. In „Wunderläuferland Kenia“ entschlüsselt er auf humorvolle Art die 42,195 Erfolgsrezepte der Kenianer, während um ihn herum der ganz normale Trainingslagerwahnsinn tobt. Denn das wollen wir alle wissen: „Warum verdammt sind die so schnell?!“, und vor allem: „Was können wir, vom Laufanfänger bis zum Profi, uns davon abgucken?”

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Hier kannst du ins Buch reinlesen

Nun hat er sogar ein Buch über die Läufer-Szene in Kenia geschrieben. „Wunderläuferland Kenia“ ist seit einigen Wochen auf dem Markt, und im nächsten Jahr unternimmt Fitschen mit begeisterten Lesern eine gemeinsame Reise nach Kenia.

Hier kannst du ein Kapitel aus dem Buch lesen, in dem du erfährst, was für Hochgefühle es deutschen Spitzenläufern im Trainingslager bereitet, wenn sie beim Joggen eine Gruppe ruhig daher trabende Kenia-Athleten überholt.

 

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Den Sprung ins Berufsleben nach der Läufer-Karriere hat der studierte Physiker längst gepackt – wobei sein Studienfach dann doch eher keine Rolle spielt. Jan Fitschen hält Motivationsvorträge, er arbeitet als Coach für NIKE, er schreibt für laufen.de.

Nun ist er zurückgetreten, und Fitschen sagt: „Ich bin erleichtert, es war allerhöchste Zeit. Ich wusste schon gar nicht mehr, was ich bei Interviews sagen sollte – wenn man mich gefragt hat, wie es denn wohl weitergeht.“ Seit praktisch drei Jahren plagt sich der Schützling von Tono Kirschbaum mit Problemen an der linken Ferse herum.

Zwar wurde er 2013 noch einmal Deutscher Halbmarathon-Meister, doch da hatte das Karriere-Ende auf Raten bereits begonnen. Vor vier Monaten hat Jan Fitschen sich noch einmal einer Operation unterzogen, der zweiten schon. „Es ist nicht schlecht gelaufen, sagt er, „aber schmerzfrei bin ich nicht. Ich bin jetzt zwei Jahre ohne richtiges Lauftraining, das ist in meinem Alter einfach zu viel.“ 38 Jahre ist Fitschen jetzt alt, da kann man schon mal die Füße hochlegen. Aber niemanden wird überraschen, wenn er erklärt: „Vielleicht mache ich noch mal den einen oder anderen Wettkampf.“ Als Freizeitläufer, wie viele andere auch.

Auch wenn Fitschen sicher häufiger als andere mit Rückschlägen zu kämpfen hatte, bereut er kein bisschen, dass er so lange Leistungssport betrieben hat: „Es gab viele schöne Erfolge. Als ich das erste Mal Niedersachsen-Meister war, das erste Mal Deutscher Meister. Der Berlin-Marathon 2012! Als wir mit dem Verein mal mit ganz knappem Vorsprung einen Staffel-Titel geholt haben. Im Team hat’s immer besonders viel Spaß gemacht.“ Entbehrungen hat es natürlich auch gegeben. Aber Jan Fitschen nimmt’s locker: „Verzicht und Konsequenz gehören einfach dazu. Ich würde alles sofort wieder genauso machen!“

Jan Fitschens größter Triumph im Video: Göteborg 2006

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