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Kenenisa Bekele: Der Bahnköning regiert nun auch auf der Straße

| Jörg Wenig I Foto: imago, Bildergalerie: Norbert Wilhelmi
Auf den Bahn-Langstrecken hat Kenenisa Bekele alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Mit dem Umstieg auf den Marathon wollte es für den Äthiopier aller

Auf den Bahn-Langstrecken hat Kenenisa Bekele alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Mit dem Umstieg auf den Marathon wollte es für den Äthiopier allerdings nicht so recht klappen. Bis zum Berlin-Marathon am Sonntag. Nach seinem Sieg in 2:03:03 Stunden traut Manager Jos Hermens dem 34-Jährigen sogar den Olympiasieg 2020 zu.

Mit einem Sieg nach einem der besten und hochklassigsten Marathon-Zweikämpfe aller Zeiten hat sich Kenenisa Bekele doch noch als Weltklasseläufer über die klassische Distanz etabliert. Der 34-jährige Äthiopier gewann am Sonntag den BMW Berlin-Marathon in 2:03:03 Stunden. Damit erzielte er die zweitbeste je auf einem rekordkonformen Kurs gelaufene Zeit, brach den äthiopischen Rekord von Haile Gebrselassie (2:03:59 in Berlin 2008) und stellte eine Jahresweltbestzeit auf. Den Weltrekord des Kenianers Dennis Kimetto, der 2014 in Berlin 2:02:57 gelaufen war, verpasste Kenenisa Bekele um lediglich sechs Sekunden.

Eine derartig starke Leistung hatte man Kenenisa Bekele nicht mehr unbedingt zugetraut, nachdem seine bisherige Marathonkarriere einer Achterbahnfahrt glich, bei der es mehr ab- als aufwärts ging. In Paris hatte er 2014 sein Debüt mit flotten 2:05:04 Stunden gewonnen - „eine langsame Zeit“, sagte Bekele jetzt -, in Chicago folgte ein halbes Jahr später ein enttäuschender vierter Rang mit 2:05:51, beim Dubai-Marathon 2015 kam er nicht ins Ziel. Nach über einjähriger Verletzungspause meldete sich der 5000- und 10.000-Meter-Weltrekordler dann mit Rang im April drei in London zurück, doch die äthiopischen Funktionäre übergingen ihn bei der Nominierung für Olympia in Rio.

Dreimal hatte am Sonntag Wilson Kipsang, der am Ende mit der viertschnellsten je gelaufenen Zeit von 2:03:13 Zweiter wurde, einen Vorsprung zwischen rund 5 und 25 Metern herausgelaufen, doch  Kenenisa Bekele kam jedes Mal zurück. Hat ihn seine Leistung selbst überrascht? „Nein, denn ich weiß, was ich trainiert habe und was ich laufen kann. Ich hatte zwischen Kilometer 25 und 35 ein paar Schwierigkeiten, aber ich kenne meine Stärke“, antwortete Kenenisa Bekele.