Köln-Marathon: Alina Reh testet sich im Halbmarathon

| Text: Jörg Wenig | Fotos: Imago

Köln ist dieses Wochenende fest in der Hand der Läufer: Insgesamt 27.000 haben sich für den RheinEnergie-Marathon Köln in den unterschiedlichen Wettbewerben angemeldet, darunter 6200 Marathonläufer. Die meisten Teilnehmer starten über die Halbmarathon-Distanz: Mit 15.400 Anmeldungen ist das Rennen ausgebucht. Über die 21,1 Kilometer startet auch Alina Reh. Die 21-jährige Läuferin des SSV Ulm, die bei den Europameisterschaften in Berlin Anfang August über 10.000 m einen starken vierten Platz belegte, ist die einzige international namhafte Athleten, die Köln antritt. Im Marathon startet Tobias Blum vom LC Rehlingen bei seinem Debüt als Favorit. Der 23-Jährige peilt eine Zeit unter 2:17 Stunden an. Er hatte im vergangenen Jahr den Halbmarathon in Köln in 1:05:39 Stunden gewonnen und sich danach im Frühjahr in Hamburg auf 1:04:32 Stunden gesteigert. Den Köln-Marathon kannst du dir hier am Sonntagmorgen ab 8:25 Uhr im Livestream anschauen. Kommentiert von Tobias Ufer mit fachkundigen Co-Kommentatoren wie Sabrina Mockenhaupt, Hendrik Pfeiffer und Laura Hottenrott.

Alina Reh im Interview: „Ich möchte locker ins Rennen gehen“

Für Alina Reh wäre im Halbmarathon wohl eine Zeit von unter 70 Minuten möglich. Allerdings lief es zuletzt nicht wie geplant für die große deutsche Langstrecken-Hoffnung. Denn bei einem Zehn-Kilometer-Rennen in Ulm musste sie aufgrund von Magenproblemen zwei Zwangspausen einlegen und kam schließlich erst nach 34:05 Minuten ins Ziel. Zum Vergleich: ihre Bestzeit über diese Distanz steht bei starken 31:38. Im Halbmarathon hat sie bisher 71:23 Minuten erreicht und hält damit den deutschen Rekord der unter 23-Jährigen. Im Interview spricht sie über ihre Ziele für Köln.

Traust du dir in Köln eine weitere Steigerung über die Halbmarathondistanz zu?

Alina Reh: „Vor dem Rennen in Ulm hätte ich gesagt: Auf jeden Fall! Vielleicht sogar eine Zeit unter 71 Minuten. Nun muss ich erst mal sehen, wie ich die kleine Niederlage wegstecke. Ich möchte mir keinen Druck machen, sondern locker ins Rennen gehen.“

Was hat den Ausschlag für deinen Start in Köln gegeben?

Alina Reh: „Hendrik Pfeiffer ist 2015 in Köln deutschen Rekord in der Altersklasse der unter 23-Jährigen gelaufen. Das zeigt: Die Strecke ist schnell. Außerdem soll die Stimmung in Köln klasse sein, darauf freue ich mich. Klar hätte ich auch die Chance gehabt, bei international stark besetzten Rennen zu starten. Doch für mich geht es zunächst darum, stabiler zu werden. Ist das erreicht, kann ich den nächsten Schritt machen.“

Aufgrund von Verletzungen wurdest du in dieser Saison ziemlich ausgebremst. Trotzdem bist du EM-Vierte über 10.000 Meter geworden. Denkst du oft an das Rennen im Berliner Olympiastadion zurück?

Alina Reh: „Ja, sehr oft. Vor allem bei schweren Trainingseinheiten. Da kann ich mir die ganzen Fans und die Stimmung wieder ins Gedächtnis rufen. Die ganze Woche in Berlin war für mich einmalig.“

Erst Bahn jetzt Straße: Planst du auch mit einer Cross-Saison und einem möglichen EM-Start am 9. Dezember in Tilburg?

Alina Reh: „Nein, dieses Jahr werde ich keine Crossrennen bestreiten. Bahn, Straße, Cross war einfach zu viel. Das hat man ja auch 2017 gesehen. Über die lange Saison konnte ich das Niveau nicht halten und wurde im Training unkonzentriert. Das Resultat war ein Bänderriss im Knöchel und eine längere Laufpause. Ich musste mich zwischen Cross und Straße entscheiden und habe den Straßenrennen den Vorzug gegeben.“

Das kommende Jahr ist ein spezielles für die Top-Leichtathleten, da der Saisonhöhepunkt mit der WM in Katar Ende September, Anfang Oktober sehr spät ist. Welchen Plan hast du und dein Trainer Jürgen Austin-Kerl für das WM-Jahr?

Alina Reh: „Bis ins letzte Detail haben wir natürlich noch nicht geplant. Zunächst geht es für mich im November, Dezember in ein längeres Höhentrainingslager nach Kenia. Dort will ich gute Grundlagen für 2019 legen. Nach Kenia werden wir entscheiden, ob ich eine Hallensaison bestreite oder nicht. Man darf nicht vergessen: Im Sommer ist eigentlich die EM der unter 23-Jährigen im Juli in Schweden mein Saisonhöhepunkt. In der Folge muss man sehen, wie man einen möglichen WM-Start elf Wochen später in Angriff nimmt.“

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