PEAK LAKE GARDA 42
Laufen am Gardasee: Mit Dolce Vita in einer der schönsten Landschaften der Alpen
Laufgenuss, Sightseeing, Outdoor-Aktivitäten mit viel Dolce Vita und Geschichte hautnah – das hat unser Autor beim PEAK LAKE GARDA 42 am größten italienischen See erlebt.
Was für ein Blick. Tief unter uns liegt der blaue Gardasee. Mit dem schönen Riva, dem etwas weiter nördlich gelegenen Arco und mit Torbole direkt am Seeufer. Von der fast 1000 Meter hohen Cima Capi hat man den besten Blick auf die drei Orte, die zusammen das italienische Zentrum für fast alle Outdoor-Sportarten bilden. Windsurfen, Segeln, Klettern, Wandern, Trailrunning. Hier lässt sich alles in Perfektion vereinen. Und natürlich Laufen.
So wie beim LAKE GARDA 42. Marathon oder Halbmarathon. Fast immer direkt am Ufer des größten Sees in Italien, dessen Nordteil von hohen Bergen umgeben ist. Die steilen Wände fallen fast direkt in den See ab, während der Südteil des Gardasees schon in der Po-Ebene liegt. Bei unserer Rast auf dem felsigen Gipfel der Cima Capi können wir die komplette Strecke von oben anschauen, die wir tags zuvor gelaufen sind. Ein paar aus unserer Gruppe haben die kompletten 42,195 Kilometer absolviert. Von Limone sul Garda bis nach Malcesine. Einmal um den Nordteil des Gardasees. Die meisten haben es bei 21,0975 Kilometer belassen, sind lediglich die zweite Hälfte der Strecke ab Arco gelaufen.
Mehr als 60 Prozent Frauenanteil beim Halbmarathon
Die insgesamt mehr als 5000 Teilnehmenden teilten sich allerdings gleichmäßig auf den halben und ganzen Marathon auf. Über 21,0975 Kilometer waren über 60 Prozent der Teilnehmenden Frauen. Dementsprechend glücklich sind die Organisatoren mit dem „kleinen Jubiläum“ – immerhin fand der LAKE GARDA 42 dieses Jahr schon zum fünften Mal statt. „Mit so vielen Läuferinnen und Läufern aus 72 Nationen haben wir einen Meilenstein erreicht“, sagt Patrizia Pederzolli von der Agentur Communico aus Trient, die das Event verantwortet, bei dem der Marathon und Halbmarathon bereits frühzeitig ausgebucht war. Mehr als 5000 können an den engen Ufern des Gardasees nicht mitlaufen.
„Der LAKE GARDA 42 ist bei Läufer*innen aus aller Welt immer beliebter geworden“, blickt Patrizia Pederzolli auf die vergangenen fünf Jahre zurück, „wir sind äußerst stolz auf diesen Erfolg, denn LAKE GARDA 42 ist für uns nicht nur Sport – es geht auch um ein Gefühl der Zugehörigkeit, das Teilen einer Leidenschaft sowie um eine tiefe Verbundenheit mit der wunderschönen Region, in der wir zu Hause sind.“
Trailrun am Freitag, Morning Run und Kids Run am Samstag
In unserer Gruppe hatten alle am Tag nach dem halben oder ganzen Marathon noch die Kraft, die gut 600 Höhenmeter vom Bergdörfchen Biacesa auf die Cima Capi zu erklimmen. Auf steilen Wanderwegen mit einigen drahtseilgesicherten Passagen über Felswände, bei denen man die entsprechende Klettersteigausrüstung benötigt. Beeindruckend: Die im Ersten Weltkrieg von Soldaten gesprengten Tunnel, Gänge und Stellungen. Hier verlief von 1915 bis 1918 die Front im Gebirgskrieg zwischen Österreich-Ungarn, zu dessen Staatsgebiet damals das nördliche Gardasee-Ufer gehörte, und Italien, dem nach dem Ersten Weltkrieg Südtirol und der komplette Gardasee zugeschlagen wurde.
Die Klettertour in diesen historischen Bergen ist machbar, auch mit müden Beinen. Denn einige von uns haben sich zum Auftakt des Laufwochenendes am Gardasee schon am Freitag den Oxyburn Trail Run über zehn Kilometer mit 470 Höhenmetern bergauf und bergab gegönnt. Alle sind am Samstag, dem Tag vor dem halben oder ganzen Marathon, beim Peak Morning Run über acht Kilometer mitgelaufen. Damit haben es die Veranstalter des LAKE GARDA 42 allen ermöglicht, den faszinierenden ersten Teil der kompletten Marathonstrecke zu erleben, auch wenn sie am Sonntag „nur“ Halbmarathon laufen.
Da starten, wo schon Goethe von der Schönheit des Ortes schwärmte: Limone
Mit dem Start im wunderschönen Örtchen Limone sul Garda, dessen Geschichte vom Zitronenanbau geprägt ist. Die Menschen hier haben jahrhundertelang die sauren Früchte an den sonnenverwöhnten Hängen des Gardasee-Westufers angebaut und so eine romantische Mischung aus Gärten und gepflegten Häusern erschaffen. Das hat im Jahr 1786 auch die deutsche Dichterlegende Goethe auf seiner Reise durch Italien beeindruckt, der an einem schönen Septembertag von Torbole aus mit dem Ruderboot über den Gardasee fuhr. „Wir fuhren bei Limone vorbei, dessen Berggärten, terrassenweise angelegt und mit Zitronenbäumen bepflanzt, ein reiches und reinliches Ansehen geben“, schrieb er über den Ort, der damals nur auf Bergpfaden oder per Boot zu erreichen war. Die Straße am extrem steilen Nordwestufer des Gardasees wurde zwischen 1928 und 1931 gebaut. Noch heute sind die Tunnel so eng, dass Busse und PKW mühsam rangieren müssen, wenn sie sich darin oder davor begegnen. Da kann eine Fahrt am Westufer des Sees schon mal viel länger werden als geplant.
Beim Peak Morning Run und auf dem ersten Teil des Marathons ist uns das egal. Die ersten vier Kilometer der Strecke lassen die Straße links liegen. Start ist direkt auf der Uferpromenade von Limone, von dort geht es durch die engen und stellenweise steilen Gassen des Örtchens, bevor eine spektakuläre Stegkonstruktion mit Holzplanken erreicht wird, die direkt an die Steilwand montiert ist. Man läuft quasi über dem See mit dem schönsten Blick aufs Wasser mit den vielen Surfern und Segelbooten. Und auf der anderen Seite des Sees thront das bis zu 2218 Meter hohe Massiv des Monte Baldo, dessen Gipfel im April noch schneebedeckt sind.
Im Frühjahr herrschen auch am nur 65 Meter hoch gelegenen Gardasee oft perfekte Lauftemperaturen, während es im Sommer brütend heiß sein kann. Dazu kommt die zuverlässig wehende kühle Brise des „Pelèr“, der vormittags von Norden über den Gardasee weht, bevor er nachmittags vom „Ora“ genannten Südwind abgelöst wird. Die Winde treiben Surfer und Segler zuverlässig an, sind aber am Ufer nicht so stark, dass sie beim Laufen maßgeblich bremsen würden.
Die schnellste Deutsche lobt das Erlebnis Gardasee: Linda Bühner
Laufen am Gardasee wird so zu einem einzigen Genuss. Was beim LAKE GARDA 42 auch für die schnellsten Marathon-Asse gilt. „Die Landschaft ist so schön. Ich liebe es hier. Die Natur und diese Ausblicke, das ist eben etwas ganz anderes als bei den Marathons in den großen Städten“, schwärmte im Ziel Linda Bühner aus München, nachdem sie in 3:01:50 Stunden auf den zweiten Platz hinter der Italienerin Sofia Toniolo (3:00:17 h) gelaufen war.
Besonders genossen hat die Deutsche allerdings, dass sie lange als führende Frau unterwegs war. „Ich war bis Kilometer 35 Erste, da bekommt man natürlich besonders viel Applaus“, sagt die 30-Jährige, die eine Ausbildung zur Physiotherapeutin macht. Sie hat alle fünf Ausgaben des PEAK LAKE GARDA 42 mitgemacht. Platz zwei war ihr bestes Ergebnis, das sie anschließend zusammen mit ihrer Mama feierte. Die beiden haben den Lauf mit einem Kurzurlaub am Gardasee verbunden, wie die meisten der 1591 Deutschen, die das größte Kontingent der insgesamt 72 teilnehmenden Nationen stellten.
Patrick Spaun aus Ulm wird Dritter und findet den Lauf „genial“
Bei den Männern ging der Marathon-Sieg ebenfalls an einen Italiener: Matteo Vecchietti setzte sich in 2:36:20 Stunden durch und war damit über drei Minuten schneller als der beste Deutsche. Patrick Spaun lief in 2:39:35 Stunden auf Rang drei. Der Polizist aus Ulm fand die Stimmung an der Strecke „genial“. Was ihm geholfen hat, das hohe Tempo auf der welligen Strecke zu halten. Denn so ganz einfach ist der Kurs nicht, zumindest dann nicht, wenn man schnell laufen will. Solange es aber vor allem um den Genuss geht, merkt man das kaum. Auf der Strecke am Gardasee verfliegt die Zeit.
Es ist einfach großartig, am Tag nach dem Rennen das Ganze mit dem Kursblick aus der Vogelperspektive noch einmal erleben zu können. Und abends dann nach dem Wiederauffüllen aller Speicher mit der besten italienischen Pasta oder Pizza das Ganze mit einem wunderbar nach Zitrone schmeckenden Limoncello abzurunden und in Gedanken wieder an den Start im schönen Limone sul Garda zurückzukehren. Dessen Name übrigens gar nichts vom italienischen Wort für Zitronen herrühren soll, sondern entweder von dem lateinischen „Limes“ für Grenze oder von „Lima“ für Fluss. Aber das ist eine Geschichte für Sprachwissenschaftler und nicht für Läufer*innen. Für die ist wichtiger, dass der nächste Peak Lake Garda 42 im April 2027 stattfindet. Wer dabei sein will, sollte sich frühzeitig anmelden. Die 2026er-Auflage war bereits vor Weihnachten 2025 ausgebucht.