Emotionale Events erleben
London fiebert dem Marathon-Gipfel entgegen

| Jörg Wenig I Foto: imago
Der London-Marathon verspricht einiges: Am Sonntag treten dort zahlreiche Hochkaräter gegeneinander an. Das Männerfeld toppt sogar den Olympia-Marathon.

Der hochklassigste City-Marathon des Jahres wird am Sonntag (live bei Eurosport ab 10 Uhr) in London gestartet. Titelverteidiger Wilson Kipsang (Foto oben) trifft dabei auf seinen kenianischen Landsmann Dennis Kimetto, der ihm in Berlin im vergangenen September den Weltrekord abnahm und mit 2:02:57 Stunden die erste Zeit unter 2:03 im Marathon erreichte. Bei den Männern sind gleich acht Läufer verpflichtet worden, die Bestzeiten von unter 2:05 Stunden aufweisen. Und vier von ihnen liefen sogar schon unter 2:04 Stunden.

Bezogen auf diese Breite in der absoluten Spitze gab es ein solches Feld noch nie – auch nicht bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen. Und dies, obwohl einige Stars in den vergangenen Wochen ihre Startzusage zurückziehen mussten. So fehlt unter anderem Äthiopiens Superstar Kenenisa Bekele (Bestzeit: 2:05:04) verletzungsbedingt. Bei der WM 2013 waren zuletzt sechs Athleten am Start, die Bestzeiten von unter 2:05 Stunden hatten. Jedoch war keiner darunter, der schon unter 2:04 gerannt war. Bei den Olympischen Spielen in London 2012 war Wilson Kipsang der einzige auf der Startliste, der bereits unter 2:04 gelaufen war. Insgesamt fünf Läufer mit persönlichen Rekorden unter 2:05 liefen bei Olympia.

Nicht ganz so spektakulär aber immer noch außergewöhnlich stark besetzt ist das Frauenfeld an der Themse. Hier wurden vier Läuferinnen verpflichtet, die bereits unter 2:20 Stunden gelaufen sind – darunter die Vorjahressiegerin Edna Kiplagat und ihre kenianische Landsfrau Mary Keitany, die in London bereits zweimal gewonnen hat. Bei dem World-Marathon-Majors-Rennen, das in Greenwich beginnt und auf der Mall nahe des Buckingham Palastes endet, erwarten die Veranstalter rund 37.000 Starter.

Kimetto noch im Schatten von Kipsang

In diesem Jahr haben bisher die Äthiopier und nicht wie zuletzt die Kenianer die meisten der großen Rennen gewonnen. Dubai, Boston, Rotterdam und Wien sahen jeweils äthiopische Sieger. Doch es spricht einiges dafür, dass in London nun wieder ein Kenianer vorne sein wird. Der frühere Race-Direktor David Bedford, der das Feld für den London-Marathon zusammengestellt hat, setzt dabei auf den Titelverteidiger Wilson Kipsang, der im vergangenen Jahr mit 2:04:29 Stunden einen Streckenrekord aufstellte.

„Wilson ist der Läufer, den es zu schlagen gilt“, sagt Bedford über den Kenianer, der 2013 in Berlin mit 2:03:23 Stunden Weltrekord gelaufen war und zuvor zweimal in Frankfurt gewann. „Er könnte der beste Marathonläufer dieses Jahrzehnts sein, denn er ist ein unglaublich starker Wettkämpfer. Wilson hat kaum einmal ein schlechtes Rennen.“ Doch auch die Kenianer Emmanuel Mutai, Eliud Kipchoge und natürlich besonders Dennis Kimetto schätzt David Bedford stark ein: „Dennis steht in gewisser Weise noch etwas im Schatten von Wilson Kipsang. Er wird am Sonntag etwas beweisen wollen und versuchen, Kipsang davonzulaufen.“

Auch bei den Frauen wird in London die Streckenrekordlerin am Start sein: Vor zwölf Jahren stellte Paula Radcliffe mit 2:15:25 Stunden den nach wie vor unangetasteten Weltrekord auf. Die 41-Jährige läuft am Sonntag ihr Abschiedsrennen. Die Favoritinnen kommen währenddessen aus Kenia. Mary Keitany hat sich nach einer Babypause im vergangenen November mit einem eindrucksvollen Sieg beim New York-Marathon zurückgemeldet. „Da Mary Keitany am Start ist, glaube ich nicht, dass es ein langsames Rennen wird“, sagt David Bedford. Es war die Kenianerin, die 2012 in London den noch immer gültigen Afrika-Rekord von 2:18:37 Stunden aufstellte.

Während Vorjahressiegerin Edna Kiplagat als zweifache Weltmeisterin über enorme Erfahrung verfügt, könnte die nicht mit ihr verwandte Florence Kiplagat einen großen Durchbruch im Marathon schaffen. Sie lief zum zweiten Mal in Folge einen Weltrekord im Halbmarathon – und ihre Zeit von 65:09 Minuten deutet darauf hin, dass sie im Marathon deutlich schneller laufen kann als bisher (2:19:44). Die voraussichtlich stärkste Äthiopierin ist Aselefech Mergia. Sie hat sich nach einer Babypause im Januar mit einem Sieg beim Dubai-Marathon zurückgemeldet.

Die Favoriten und ihre Bestzeiten

Männer
Dennis Kimetto             KEN           2:02:57   1. Berlin 2014
Geoffrey Mutai              KEN           2:03:02   1. Boston 2011
Emmanuel Mutai          KEN            2:03:13   2. Berlin 2014
Wilson Kipsang            KEN            2:03:23   1. Berlin 2013
Eliud Kipchoge             KEN            2:04:05   2. Berlin 2013
Sammy Kitwara            KEN            2:04:28   2. Chicago 2014
Tsegaye Mekonnen     ETH            2:04:32    1. Dubai 2014
Stanley Biwott              KEN            2:04:55    2. London 2014
Tilahun Regassa          ETH            2:05:27    3. Chicago 2012

Frauen
Mary Keitany            KEN               2:18:37          1. London 2012
Aselefech Mergia    ETH                2:19:31          1. Dubai 2012
Florence Kiplagat    KEN               2:19:44          1. Berlin 2011
Edna Kiplagat          KEN               2:19:50          2. London 2012
Priscah Jeptoo         KEN               2:20:14          3. London 2012
Tirfi Tsegaye            ETH                2:20:18          1. Berlin 2014
Jemima Sumgong   KEN               2:20:41          4. Boston 2014
Tigist Tufa                 ETH                2:21:52          1. Shanghai 2014