Das Neueste aus der Szene
Mona Stockhecke: „Ich habe den Marathon durchlebt“

| Silke Bernhart I Foto: Mainova Frankfurt Marathon
Hinter der Deutschen Meisterin Fate Tola (LG Braunschweig) hat Mona Stockhecke am vergangenen Sonntag beim Frankfurt Marathon als Deutsche Vizemeisterin ei

Hinter der Deutschen Meisterin Fate Tola (LG Braunschweig) hat Mona Stockhecke am vergangenen Sonntag beim Frankfurt Marathon als Deutsche Vizemeisterin ein starkes Rennen abgeliefert. In 2:31:30 Stunden blieb sie mehr als zwei Minuten unter ihrer alten Bestmarke und bewies, dass sie den nächsten Leistungsschritt vollzogen hat. Von „Monster-Kerlen“ an ihrer Seite, einem Leben mit drei Identitäten und vielen kleinen Stellschrauben, an denen weiter gedreht werden soll, berichtete die Athletin vom LT Haspa Marathon Hamburg anschließend im Interview. Ein Interview mit dem Deutschen Marathon-Meister Marcus Schöfisch liest du hier.

Mona Stockhecke, du hast in Frankfurt deine Bestzeit um mehr als zwei Minuten gesteigert. Wie fällt dein Fazit aus?
Die 2:31:30 Stunden zeigen Möglichkeiten auf. Die Geduld hat sich gelohnt. Es war eine tolle Bühne hier in Frankfurt. Ich hatte absolute Monster-Kerle an meiner Seite, die Pacemaker haben einen guten Job gemacht, das Wetter war super, ich habe alles gegeben, was heute drin war. Hinten raus musste ich richtig kämpfen. Ich habe den Marathon durchlebt. Und mit 2:31:30 bin ich jetzt eigentlich super glücklich.

Kann man sagen, dass dein Plan voll aufgegangen ist? Oder hättest du gedacht, es steckt sogar noch mehr in dir?
2:30 Stunden hätte ich mir vorstellen können. Die habe ich vor mir gesehen. Aber ich bin absolut nicht enttäuscht! Wir konnten das Tempo auf die 2:30 recht lange halten, bis 30 Kilometer auf jeden Fall. Die Bestzeit um mehr als zwei Minuten gesteigert – das passt alles. Und ich wollte auch endlich mal die 75 Minuten über Halbmarathon angehen. Ich bin sonst immer zu konservativ angelaufen. Das funktionierte diesmal gut, das nehme ich so mit. Und jetzt heißt es für die Zukunft, das Tempo nach hinten raus zu halten.

Vorher hattest du Zeiten um 2:33 Stunden abonniert. Was fehlte da zum nächsten Schritt?
Die letzten Marathons hatten alle unterschiedliche Vorzeichen. Ich habe aber mit jedem Marathon gemerkt, dass mir die 2:33 Stunden immer leichterfallen. Außerdem haben sich ja bei mir in den vergangenen Jahren alle Variablen geändert – und die einzige Konstante war die 2:33…

„Die neue Bestzeit war fällig“

Du bist Klima-Geologin und von deinem Wohnort Zürich im Frühjahr 2015 zu Forschungszwecken in die USA nach Minnesota gegangen …
… da war Remote Coaching angesagt. Und ich hatte meine gewohnte Trainingsgruppe nicht mehr um mich. Im Frühjahr ging es mir damals gar nicht gut, ich hatte große Probleme mit den Eisenwerten und musste mich erstmal berappeln. Daher war ich letztes Jahr in Frankfurt einfach nur happy, dass ich überhaupt wieder so in Fahrt gekommen bin. In diesem Frühjahr habe ich mich auf die Halbmarathon-Norm für die EM konzentriert. Das hat leider nicht geklappt, das war sehr, sehr schade. Da bin ich dann in Hamburg den Marathon aus der Halbmarathon-Vorbereitung heraus gelaufen. Ich habe mir gesagt: Ich schaue mal, was drin ist – obwohl mir die langen Läufe fehlten. Trotzdem fielen mir die 2:33 Stunden da schon wieder leichter als in Frankfurt. Und jetzt war die neue Bestzeit einfach fällig!

Heimat in Hamburg, Wahlheimat in Zürich, Arbeit in den USA – gar nicht so leicht, da zur Ruhe zu kommen und sich konzentriert auf die Ziele vorzubereiten?
Ich habe sozusagen drei Identitäten. Drei Telefonnummern. Drei Konten. Alles dreimal. Das ist ein Privileg, aber es kostet Energie. Das ist das Thema mit den vielen Variablen, wenn man drei Monate woanders ist. Aber in der Forschung geht es nicht anders. Man braucht die Auslandserfahrung.

Wann fliegst du wieder zurück in die USA und wie sehen da deine weiteren Pläne aus?
Ich fliege morgen [Anm. d. Red: Montag nach dem Marathon] direkt wieder von Frankfurt zurück in die USA. Da bin ich dann drei Wochen voll im Labor. Aber ich habe schon einen ganz guten Plan für den Winter. Erstmal werden wir in Tuscon, Arizona sein, und dann in Albuquerque in New Mexico, und dort zwei Blöcke einbauen. Wahrscheinlich werde ich wieder mit der Gruppe von Lindsay Flanagan unterwegs sein [Frankfurt-Marathon in 2:29:28 h], wir haben im vergangenen Jahr zusammen gewohnt, daher kennen wir uns gut.

Und wann geht’s langfristig wieder zurück nach Europa?
Ein gutes Jahr bin ich jetzt noch in den USA. Aber im nächsten Sommer würde ich ganz gerne mal wieder in St. Moritz trainieren. Das konnte ich in diesem und im letzten Sommer gar nicht. Das wäre schon toll. Ab Februar 2018 bin ich dann wieder komplett in der Schweiz.

„Ich muss mein Tempo verbessern“

Der Kontakt zur Hamburger Heimat scheint aber weiterhin gut – zumindest in den sozialen Netzwerken liest man von viel Unterstützung deiner Mitstreiter vom Hamburger Laufteam.
Wir haben einen regen Austausch. Bei den Deutschen 10-Kilometer-Meisterschaften in Hamburg kam ich an und war sofort Teil des Teams. Ich fühle mich nicht außen vor, ich fühle mich in Hamburg zuhause. Da habe ich das Laufteam, das mich unterstützt, da bin ich sehr dankbar, das macht viel Spaß. Da habe ich die Familie. Und in Zürich sind die meisten meiner Freunde – und mein Trainingsteam…

... mit deinem Trainer Beat Ammann. Woran sollst du in den nächsten Wochen und Monaten besonders feilen?
Es gibt bei mir noch sehr viele Schrauben zu drehen, aber das muss vorsichtig gemacht werden. Ich bin lange nicht bei den Umfängen wie andere Marathonläufer. 140 bis 160 Kilometer verträgt mein Körper regelmäßig pro Woche. Da kann man im Frühjahr vielleicht noch etwas höher gehen. Ich habe Fortschritte in der Rumpfstabilität gemacht, das will ich weiter verfolgen. Und wir arbeiten natürlich ganz stark an den Unterdistanzen, an meinen 10-Kilometer- und Halbmarathon-Zeiten. Ich komme nicht von den kurzen Bahnstrecken, ich muss das andersrum lernen. Meine maximale Marathon-Vorbereitung waren bisher 35-Kilometer-Läufe. Irgendwann werde ich auch mal einen 40er laufen. Aber momentan liegt der Fokus auf dem Tempo. Denn ich möchte mich langfristig verbessern.

Die WM-Norm für London 2017 von 2:29:30 Stunden ist nicht mehr weit von deiner neuen Bestzeit entfernt. Ist diese Marke dein nächstes Ziel?
Sicher, die Norm ist in die Nähe gerückt. Ich habe mich jetzt um gute zwei Minuten gesteigert und jetzt geht es im Frühjahr weiter. Die Zeit ist ein tolles Ziel. Ich plane step by step, aber sie ist auf jeden Fall in meinem Kopf.