Superschnell und top gedämpft

| Text: Christian Ermert | Fotos: Adidas, Beautiful Sports/Axel Kohring

Auch wenn derzeit das Ende der Corona-Krise mit all ihren Einschränkungen für sportliche Wettbewerbe noch nicht wirklich abzusehen ist, bringt Adidas jetzt einen neuen Schuh für schnelle Rennen auf den Markt. Mit dem Adizero Adios Pro will Adidas ein Jahr vor Olympia in Tokio die Lücke schließen, die in den vergangenen Jahren zwischen dem deutschen Hersteller und dem US-amerikanischen Unternehmen Nike im Bereich der schnellen Laufschuhe mit Carbon entstanden ist, als mit den top gedämpften Schuhen von Nike die Marathonweltrekorde pulverisiert und die großen Rennen in Serie gewonnen wurden.

Nike hatte in den vergangenen Jahren mit den Vaporfly-Modellen einen deutlichen Vorsprung. Bei den sieben Rennen in Tokio, London, Boston, Berlin, Doha, Chicago und New York, die 2019 zur World Marathon Majors-Serie zählten, trugen alle sieben Männer-Sieger die Schuhe des US-Konzerns. Unter den 21 Top-Drei-Platzierten bei diesen Rennen waren nur zwei Läufer, die Schuhe einer anderen Marke trugen. Bei den Frauen war es ähnlich: Vier der 21 Podiums-Platzierungen wurden mit einem Adidas-Modell erzielt, die anderen jeweils mit einem Schuh der US-Firma.

2018 lief der kenianische Olympiasieger Eliud Kipchoge bereits in Berlin mit 2:01:39 Stunden einen Marathon-Weltrekord, der nur noch 100 Sekunden von einer regulären Zeit von unter zwei Stunden entfernt war. Er trug dabei einen Nike Vaporfly. Ein gutes Jahr später durchbrach der Kenianer die Zwei-Stunden-Barriere in einem allerdings irregulären Rennen in Wien mit 1:59:40,2. Dabei hatte Kipchoge eine Variante des aktuellen Alphafly von Nike am Fuß.

Am selben Oktober-Wochenende stürmte seine Landsfrau Brigid Kosgei in Chicago in einem Vaporfly zu einem sensationellen Marathon-Weltrekord von 2:14:04 Stunden. Und unter den schnellsten Marathonläufern waren weltweit einige, die nicht bei Nike unter Vertrag standen und dennoch die Vaporfly-Modelle im Wettkampf trugen. Da wurden Markenzeichen überklebt oder sogar das komplette Obermaterial von anderen Markenschuhen auf Nike-Sohlen geschustert.

Kann der Adidas Adizero Adios Pro mit Nike mithalten?

Adidas lieferte jüngst die ersten Modelle des Adidas Adizero Adios Pro aus. Und der kostet mit 200 Euro deutlich weniger als der Alphafly von Nike (300 Euro). Den Adidas-Schuh gibt es zunächst in limitierter Auflage auf Bestellung in der Adidas-App.

Adidas hat das neue Carbon-Modell, dessen Zwischensohle an der Ferse 39,5 Millimeter dick ist, zusammen mit Eliteläufern entwickelt. Herausgekommen ist ein Schuh, der Maßstäbe setzt in Sachen Flexibilität, Energierückführung, Gewichtsreduzierung und Design. Die Mittelsohle des Adizero Adios Pro verfügt über zwei Carbonelemente: Eins im Fersenbereich, das dafür sorgt, dass im Sprunggelenk nicht zu viel Energie verloren geht.

Klick dich durch: Der Adizero Adios Pro im Detail

Ganz besonders bei dem Schuh ist allerdings das blaue Carbonelement unter dem Vorderfuß. Dort kommt keine geschlossene Platte zum Einsatz, sondern ein fünfstrahliges Element, das quasi wie eine Verlängerung der fünf Metatarsalköpfchen im Mittelfuß wirkt. Adidas hat dieses Element „EnergyRods“ genannt. Es besteht aus fünf miteinander verbundenen und von Carbon durchzogenen Stäben, welche die Form der Mittelfußknochen imitieren. Diese Bauweise hilft den Athleten, ihre Laufökonomie zu optimieren.

Top-Läufer wie Marathon-Star Melat Kejeta sind begeistert

Läufer, die den Schuh bereits testen konnten, sind begeistert. Melat Kejeta ist mit 2:23:57 Stunden (gelaufen in Berlin 2019) derzeit Deutschlands beste Marathonläuferin und sagt: „Das ist der schnellste Adidas-Schuh, den ich je getragen habe. Ich kann über längere Strecken volles Tempo laufen, ohne dass meine Beine müde werden. Die Konstruktion ist sehr stabil und das geringe Gewicht ausbalanciert. Ich freue mich schon, bei meinen nächsten Rennen mit dem Adizero Adios Pro an den Start zu gehen.“ Jonas Koller, EM-Teilnehmer im Marathon von 2018 mit einer Bestzeit von 2:16:03 Stunden, meint: „Der Schuh geht extrem nach vorn. Damit ist dank der Carbon-Technologie einiges möglich. Man rennt und hat dabei das Gefühl, fürs gleiche Tempo weniger Energie aufwenden zu müssen. Ich freue mich darauf, in dem Schuh hoffentlich bald meine Marathonbestzeit angreifen zu können.“

Und auch der Fachhandel freut sich darauf, den Schuh demnächst anbieten zu können. „Die Nachfrage nach solchen Schuhen wächst. Ich finde den Preis von 200 Euro gut, da gibt es teurere Carbon-Modelle“, erklärt Marc Böhme, der seit 23 Jahren Laufsport Bunert in Essen führt und selbst ambitionierter Marathonläufer ist.

Neben den von Carbon durchzogenen „EnergyRods“ kommt bei der innovativen Zwischensohle des Adizero Adios Pro ein neues Dämpfungsmaterial zum Einsatz. Die Carbon-Elemente sind in zwei Schichten „LightstrikePRO“ eingebettet. Es ist das bisher leichteste und reaktionsfreudigste Schaumstoffmaterial von Adidas. Es bietet maximale Dämpfung und noch mehr Energierückführung. Das Obermaterial aus „Celermesh“ sorgt für Flexibilität und Atmungsaktivität. Die Außensohle ist aus einem leichten Gummi gefertigt. Sie bietet Dämpfung und Griffigkeit und ist gleichzeitig superleicht. Die Sprengung des adizero adios Pro liegt bei zehn Millimetern, das Gewicht in der Größe 42 2/3 beträgt 246 Gramm.

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