New York: Mary Keitany gewinnt zum dritten Mal

| Text: Jörg Wenig | Fotos: Imago, photorun.net

Mary Keitany hat zum dritten Mal in Folge den New York-Marathon gewonnen. Über 50.000 Läufer waren beim größten Marathon der Welt am Start.

Mary Keitany hat zum dritten Mal in Folge den New York-Marathon gewonnen. Die 34-jährige Kenianerin dominierte das Spektakel über die 42,195-km-Distanz und war nach 2:24:26 Stunden mit großem Vorsprung im Ziel. Mary Keitany ist erst die zweite Frau, der in der Geschichte des New York-Marathons ein Hattrick gelang. Die neunmalige Siegerin Grete Waitz (Norwegen), die  vor fünf Jahren einem Krebsleiden erlag, siegte zwischen 1978 und 1980 sowie zwischen 1982 und 1986 als auch 1988. Auf den Rängen zwei und drei folgten am Sonntag jeweils Debütantinnen: Sally Kipyego (Kenia) wurde bei insgesamt guten aber teilweise windigen Wetterbedingungen Zweite mit 2:28:01, Rang drei belegte die US-Amerikanerin Molly Huddle in 2:28:13.

Überraschend stark präsentierte sich im Männerrennen Ghirmay Ghebreslassie. Nur zweieinhalb Monate nach seinem vierten Platz beim Olympia-Marathon in Rio gewann der erst 20-jährige Läufer aus Eritrea mit 2:07:51 Stunden. Der Sensations-Weltmeister von 2015 war deutlich vor Lucas Rotich (Kenia/2:08:53) im Ziel im Central Park und sicherte sich damit ebenso wie Mary Keitany die Siegprämie von 100.000 Dollar. Beide Gewinner erhalten zudem eine Zeitprämie von jeweils 25.000 Dollar. Wie bei den Frauen ging auch im Männerrennen Rang drei an einen US-Athleten: Abdi Abdirahman lief nach 2:11:23 ins Ziel. Mit Ghirmay Ghebreslassie gewann zum ersten Mal ein Läufer aus Eritrea das größte Marathonrennen der Welt, bei dem rund 50.000 Läufer an den Start gingen. Ghebreslassie ist zudem der jüngste Sieger in der Geschichte des New York-Marathons, der zum 46. Mal stattfand und zu den World Marathon Majors gehört. Titelverteidiger Stanley Biwott (Kenia) ging aufgrund einer Wadenverletzung vorzeitig aus dem Rennen. Deutsche Topläufer waren in New York nicht am Start.

Das Frauen-Rennen: Mary Keitany setzt sich frühzeitig ab

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Mit der verletzungsbedingten Absage von Gladys Cherono (Kenia) fehlte die große Herausforderin für Titelverteidigerin Mary Keitany. Hinzu kam, dass die Zweitplatzierte des vergangenen Jahres, Meselech Mergia, dieses Mal nicht so stark war. Die Äthiopierin führte zwar die Spitzengruppe durch die 10-km-Marke (35:50 Minuten) und setzte sich dann nach rund 15 km gemeinsam mit Mary Keitany und der später viertplatzierten Joyce Chepkirui (Kenia) ab, doch sie fiel dann bereits vor der 20-km-Marke zurück. Am Ende musste sich Mergia mit Rang sechs zufrieden geben.

Keitany (Bestzeit: 2:18:37), Mergia (2:19:31) und Buzunesh Deba (2:19:59) waren jene drei Läuferinnen, die mit persönlichen Rekorden von unter 2:20 Stunden ins Rennen gegangen waren. Für die in New York lebende Äthiopierin Deba lief es jedoch auch nicht am Sonntag. Sie ging nach der 25-km-Marke aus dem Rennen. Zu diesem Zeitpunkt war eine Vorentscheidung bereits gefallen. Nach einer Halbmarathon-Durchgangszeit von 72:37 Minuten begann sich Mary Keitany von Joyce Chepkirui zu lösen.  Nach 25 km (1:25:34 Stunden) hatte die Weltrekordlerin über diese Distanz (1:19:53 in Berlin 2010) bereits einen Vorsprung von einer halben Minute auf ihre Landsfrau, an der 30-km-Marke (1:41:34) lag Chepkirui bereits über eineinhalb Minuten zurück.

Auf den Spuren von Grete Waitz

Derart konkurrenzlos war Mary Keitany noch nie im letzten Drittel des New York-Marathons. „Da ich nicht in Rio war, hatte ich genug Zeit, mich auf New York vorzubereiten. Das Training lief sehr gut und ich bin froh, dass ich zum dritten Mal in Folge gewinnen konnte“, sagte Mary Keitany, die überraschend nicht vom kenianischen Verband für den Olympia-Marathon nominiert worden war. Ob sie sich vorstellen könne, wie Grete Waitz sogar fünfmal in Folge in New York zu gewinnen, wurde Mary Keitany gefragt. „Ja, vielleicht“, antwortete die Kenianerin.

Hinter Mary Keitany lag Joyce Chepkirui lange Zeit auf Rang zwei. Erst bei Kilometer 39 wurde die Kenianerin von ihrer Landsfrau Sally Kipyego, der 10.000-m-Olympiazweiten von 2012, überholt. Und auf der letzten Meile ging dann auch noch die US-Amerikanerin Molly Huddle an ihr vorbei und verdrängte sie von Rang drei. „Ich bin begeistert von meinem ersten Marathonrennen. Es war ein großer Schritt, und ich habe viel gelernt“, sagte die drittplatzierte Huddle nach ihrem Debüt.

Das Männer-Rennen: Drittschnellste Siegzeit in New York

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Alles andere als eine erfolgreiche Titelverteidigung gab es im Rennen der Männer für Stanley Biwott. Der Kenianer, der schon beim Olympia-Marathon aufgeben musste, litt an einer Wadenverletzung und ging nach der Halbmarathonmarke aus dem Rennen. „Ich bin sehr enttäuscht. Ich hatte vor drei Wochen ein Wadenproblem, fühlte mich aber nach den Behandlungen bereit für den Marathon. Doch nach 15 km wusste ich, dass ich nicht ins Ziel kommen würde“, erklärte Stanley Biwott, der kurz vor der 10-km-Marke den Kontakt zur Spitzengruppe verloren hatte.

Auch bei den Männern setzte sich eine kleine Gruppe relativ frühzeitig - kurz vor der Halbmarathonmarke - aus einer neunköpfigen Führungsgruppe ab: Neben Ghirmay Ghebreslassie und Lucas Rotich lief noch der zweifache Boston-Marathon-Sieger Lelisa Desisa (Äthiopien) an der Spitze. Das Trio hatte nach einer Halbmarathon-Durchgangszeit von 64:22 Minuten an der 25-km-Marke (1:15:54) bereits einen Vorsprung von 43 Sekunden auf die Verfolger. Ohne Tempomacher, die in New York nicht zugelassen sind, war das Tempo aber ebenso wie bei den Frauen nicht besonders hoch.

Entscheidung in der Bronx

Es war dann Ghirmay Ghebreslassie, der gut 10 km vor dem Ziel für eine Vorentscheidung sorgte. An einer Brücke, die die Läufer in die Bronx führt, löste er sich beim Anstieg von seinen beiden Konkurrenten. Während Lelisa Desisa sofort deutlich zurückfiel und das Rennen einige Kilometer später sogar aufgab, hielt Lucas Rotich den Abstand zunächst noch im Bereich von rund zehn Sekunden. Doch nach 35 km war klar, dass der Kenianer den ersten Sieg eines Läufers aus Eritrea in New York nicht mehr verhindern konnte.

Am Ende siegte Ghirmay Ghebreslassie mit gut einer Minute Vorsprung in 2:07:51 Stunden. Damit hatte er die drittschnellste Siegzeit und die fünftschnellste je in New York gelaufene Zeit erreicht. Durch die Aufgabe von Lelisa Desisa wurde Abdi Abdirahman noch Dritter. „Im vergangenen Jahr wurde ich der erste Weltmeister aus Eritrea, jetzt habe ich als erster Läufer meines Landes einen der großen Marathonläufe gewonnen. Beides hat für mich eine gleich hohe Bedeutung - ich bin sehr stolz“, erklärte Ghirmay Ghebreslassie.

Die Ergebnisse

Männer

1. Ghirmay Ghebreslassie (ERI) 2:07:51
2. Lucas Rotich (KEN) 2:08:53
3. Abdi Abdirahman (USA) 2:11:23
4. Hiroyuki Yamamoto (JPN) 2:11:49
5. Shadrack Biwott (USA) 2:12:01
6. Tadesse Yae Dabi (ETH) 2:13:06
7. Moses Kipsiro (UGA) 2:14:18
8. Tyler Pennel (USA) 2:15:09

Frauen

1. Mary Keitany (KEN) 2:24:26
2. Sally Kipyego (KEN) 2:28:01
3. Molly Huddle (USA) 2:28:13
4. Joyce Chepkirui (KEN) 2:29:08
5. Diane Nukuri (BDI) 2:33:04
6. Aselefech Mergia (ETH) 2:33:28
7. Lanni Merchant (CAN) 2:33:50
8. Neely Gracey (USA) 2:34:55

 

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