Der neue Nike Mind
Das kann der erste Nike-Schuh fürs Gehirn
Perfekt trainiert und auch mental optimal vorbereitet: So willst du an der Startlinie stehen? Dabei soll der Nike Mind helfen. Der Neuroschuh wirkt mittels Fußsohlenstimulation aufs Gehirn.
Das Gefühl kennen alle, die es sich vorgenommen haben, am Tag X ihre beste Leistung abzurufen: Kurz vor dem Start wollen sie jenen mentalen Zustand erreichen, der es ihnen ermöglicht, im Wettkampf voll da zu sein. Die einen hören dazu Musik. Die anderen visualisieren vor ihrem geistigen Auge immer wieder wichtige Situationen. Oft werden sensorische Reize genutzt: Auf die Brust oder gegen die Oberschenkel schlagen – vieles von dem, was wir bei den besten Athlet*innen in großen Wettkämpfen sehen, sind Routinen und mentale Rituale, die helfen, die optimale Konzentration auf die bevorstehende Aufgabe zu erzielen und in jenen Flow zu kommen, der die größten Leistungen ermöglicht. Jetzt gibt es einen Schuh, der dabei helfen soll: Der Nike Mind.
Vanessa Mikitenko: Mit dem Nike Mind die Ruhe vor dem Rennen finden
Vanessa Mikitenko, eine der größten deutschen Laufhoffnungen, beispielsweise sucht vor ihren Rennen die Stille: „Ich muss die Stimmen in meinem Kopf hören. Das gibt mir Selbstvertrauen“, sagt die 20-Jährige, die 2025 Silber bei den U23-Europameisterschaften über 5000 Meter gewonnen hat. In 15:59 Minuten zeigte sie im norwegischen Bergen, dass sie bereit ist, auf lange Sicht in die großen Fußstapfen ihrer Mutter zu treten: Irina Mikitenko stellte 2008 beim Berlin-Marathon in 2:19:19 Stunden den bis heute gültigen deutschen Rekord über 42,295 Kilometer auf.
Damit wurde die Deutsche auch zur Ikone für ihren Ausrüster Nike. Und der hat jetzt ein Tool auf den Markt gebracht, das ihrer Tochter und allen, die Bestleistungen jagen, helfen soll, die optimale mentale Wettkampfverfassung zu erreichen: Mind 001 und Mind 002 heißen die Schuhe, die durch eine gezielte Stimulation der Fußsohle jene sensorischen Bereiche des Gehirns aktivieren sollen, in denen die perfekte mentale Einstellung auf ein Rennen und jede andere Art von Wettkampf entsteht. „So erreichen Athlet:innen ein vertieftes Bewusstsein und ein besseres Körpergefühl, was sie in den aktuellen Moment zurückholt“, verspricht Nike mit seinem ersten neurowissenschaftlich basierten Schuh, der ein Gefühl von Ruhe, Fokus und Präsenz unterstützt.
Als Schlappen oder Sneaker? Das Gefühl entscheidet über die passende Variante
Den Mind gibt es als hinten offene Schlappen- oder Mules, wenn man sich modischer ausdrücken will – dann heißt er Mind 001. Und als Sneaker, genannt Mind 002. In beiden Varianten verfügt der Mind in der Sohle über 22 feste Schaumstoffnoppen, die mit einem weicheren, flexiblen, wasserfesten Material verklebt sind. Dadurch können sie sich entsprechend der Bewegung der Athlet*innen verhalten. Beim Stehen und Gehen wirken sie Druck auf die Fußsohle aus und vermitteln auch die Struktur des Untergrunds an die sensorischen Nerven im Fuß.
Du wirst dich jetzt vielleicht fragen, was das mit deinem Gehirn zu tun hat? Die Wissenschaft weiß schon länger, dass die Sensoren in den Füßen viel mehr können, als dem Gehirn alle Informationen zur Körperhaltung und dem Zusammenspiel mit der Umwelt zu übermitteln, die essenziell für Balance, Haltung, Bewegung und Reaktionen sind. Ihre Reizung löst weitere Aktivitäten im Gehirn aus. Und die das Nike-Team im Forschungslabor im US-amerikanischen Portland mit der EEG- und MRT-Technologie erforscht. Dort trainieren pro Jahr mehr als 4000 der weltbesten Athlet*innen, von denen einige auch in das Mind-Projekt eingebunden sind.
Die richtigen Hirnareale werden stimuliert
„Wenn man die Sensorik unter der Fußsohle verändert – beispielsweise durch Reize, wie sie der Nike Mind auslöst, – beeinflusst dies das Gehirn“, erklärt Matthew Nurse, Chief Science Officer aus dem Nike Sports Research Lab. Und weil die Anatomie des Gehirns relativ gut erforscht ist, wusste man bei Nike, welchen Bereich der neue Schuh aktivieren sollte: Den somatosensorischen Kortex, einen Bereich der Großhirnrinde, der für die Verarbeitung von Körperempfindungen wie Tasten, Schmerz, Temperatur und Körperposition zuständig ist.
„Unsere Vergleichsstudien mit dem Nike Mind und ähnlichen Schuhen, aber ohne die Noppen, haben gezeigt, dass das Tragen des Mind genau diesen Bereich aktiviert“, so Matthew Nurse. Aber das ist noch nicht alles. Die Forschenden bei Nike haben herausgefunden, dass der Mind nicht nur das im Hinblick auf Wettkampffokus richtige Hirnareal stimuliert, sondern auch hilft, dass die dortigen Neuronen mit der richtigen Frequenz arbeiten.
Matthew Nurse hat zehn Jahre für das Projekt geforscht
Der Hintergrund: In unserem Gehirn gibt es elektrische Ströme, die aus der Aktivität der Nervenzellen resultieren. Diese Wellen unterscheiden sich in der Frequenz. Für die Konzentration auf sportliche Herausforderungen sind besonders die sogenannten Alphawellen bedeutend. Sie befinden sich im Frequenzbereich zwischen 8 und 12 Hertz und dominieren das Spektrum der Gehirnwellen, wenn wir wach und entspannt sind. In der wissenschaftlichen Literatur ist beispielsweise durch Untersuchungen mit Mönchen oder zur Meditation gut belegt, dass sich im Gehirn bei unterschiedlichen Zuständen bestimmte Frequenzen messen lassen. Sie stehen für Tiefschlaf, für entspannte Meditation, fokussierte Aufmerksamkeit, Tagträume bis hin zu intensiven „Kämpfen-oder-Fliehen“-Zuständen.
Die Stimulation der Fußsohlen mit den Mind-Schuhen scheint die Nervenzellen-Aktivität im Gehirn so zu triggern, dass vor allem Alphawellen entstehen. Was sehr hilft, in den mentalen Wettkampfmodus zu kommen. Allerdings räumt Matthew Nurse ein, dass die Forschung hier noch am Anfang steht: „Wir haben das Phänomen zwar beobachtet, aber noch keinen kausalen Zusammenhang bewiesen.“
Aber: Nach zehn Jahren Entwicklungsarbeit hat es Nike jetzt geschafft, zwei Modelle zur Marktreife zu bringen, die Athlet*innen bei der mentalen Wettkampfvorbereitung unterstützen. Die verwendeten Noppen sind bei beiden gleich. Der Mind 001 und der 002 unterscheiden sich vor allem durchs Obermaterial. Der Mind 002 ist ein Sneaker mit Schnürung. Außerdem ist der in der Sohle verwendete Dämpfungsschaum etwas fester. Die Noppen üben mehr Druck auf die Fußsohle aus. Der sensorische Reiz ist dort also intensiver.
„Die erzielten Effekte sind aber bei beiden Modellen sehr ähnlich“, sagt Matthew Nurse. Für welches man sich entscheidet, ist Geschmackssache und hängt vom persönlichen Komfortempfinden ab. Der offene Schuh ist an alle gerichtet, die es gewohnt sind auf dem Weg zum Sport Schlappen zu tragen. Der Mind 002 kann getragen werden wie jeder Sneaker. Wichtig ist bloß, sie vor dem Start durch Laufschuhe auszutauschen. Denn zum Laufen ist der Mind nicht gemacht.