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Olympia-Marathon: DLV wird Normen nicht ändern

| von Christian Ermert | Bilder: Norbert Wilhelmi, Imago
Trotz anhaltender Kritik aus dem Lager der Straßenläufer wird der DLV die Olympianormen für Rio 2016 nicht ändern. Warum? Das liest du hier.

Deutschlands Marathonläufer sind stark wie lange nicht mehr. Und dennoch ist bisher nur Arne Gabius mit seinem deutschen Rekord von Frankfurt (2:08:33 h) für die Olympischen Spiele 2016 qualifiziert. Lisa Hahner, die sich in Frankfurt auf 2:28:39 Stunden verbesserte und Philipp Pflieger, der in Berlin starke 2:12:50 Stunden ablieferte, können noch nicht fest mit Rio planen. Das verstehen viele Läufer nicht, und manche Trainer, Spitzenathleten aber auch Lauf-Veranstalter fordern angesichts der immer neuen Doping-Enthüllungen in der Leichtathletik, die deutschen Olympianormen zu senken. Warum der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) aber an ihren Qualifikationszeiten und Nominierungsrichtlinien zum jetzigen Zeitpunkt festhalten, liest du hier.

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In gut neun Monaten laufen die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Für die Marathon-Entscheidungen am 14. (Frauen) und 21. August (Männer) hat sich bis jetzt als einziger deutscher Läufer Arne Gabius (LT Haspa-Marathon Hamburg) mit seinem deutschen Rekord (2:08:33 h) von Frankfurt qualifiziert. Dass Philipp Pflieger (LG Telis Finanz Regensburg) mit seinen starken 2:12:50 Stunden von Berlin ebenso wenig schon das Ticket nach Rio gelöst hat wie Lisa Hahner (RUN2SKY.com), die beim Frankfurt-Marathon ihre Bestzeit auf 2:28:39 Stunden verbessert hat, verstehen viele Läufer nicht. Sie wollen ihre Idole in Rio Marathon laufen sehen, auch wenn sie die Normen noch nicht erreicht haben, die DLV und DOSB mit 2:12:15 Stunden (Männer) und 2:28:30 Stunden (Frauen) verlangen.

Doping-Enthüllungen: Robin Schembera fordert Aufweichen der Qualifikationsstandards

Und nach dem schockierenden WADA-Report über ein korruptes Dopingsystem beim Leichtathletik-Weltverband (IAAF) und vor allem in der russischen Leichtathletik sind die Olympianormen noch mal verstärkt unter Beschuss geraten. Mit Robin Schembera fordert Deutschlands bester 800-Meter-Läufer auf Facebook die „Aufweichung der deutschen Qualifikationsstandards“. Begründung: Die Normen orientierten sich an Weltspitzenleistungen, die offensichtlich zu einem großen Teil von dopenden Athleten erreicht werden.

Prokop: Bei Normänderungen drohen gerichtliche Niederlagen

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Dennoch ist es für DOSB und DLV derzeit kein Thema, die Nominierungsrichtlinien für Rio zu ändern oder gar zum jetzigen Zeitpunkt schon Marathonläufer dem DOSB zur Nominierung vorzuschlagen, wie DLV-Präsident Clemens Prokop gegenüber laufen.de erklärt. „Auch wenn der WADA-Bericht erschütternd ist, er betrifft ja längst nicht alle Leistungen, an denen sich unsere Olympia-Normen orientieren. Die Anforderungen jetzt herunterzuschrauben, käme der Annahme gleich, dass fast alle Spitzenleistungen in der Vergangenheit durch Betrug zustande gekommen sind. Auf einer solchen Unterstellung lässt sich aber selbstverständlich kein Qualifikationssystem für unsere Athleten aufbauen“, erklärt Prokop.

Sein Verband müsse sich grundsätzlich an die mit dem DOSB vereinbarten und veröffentlichten Nominierungsrichtlinien halten. „Sonst drohen gerichtliche Niederlagen im Streit mit Athleten, die sich benachteiligt fühlen. Der Nominierungszeitraum für den Marathon endet erst am 1. Mai. Und es gibt noch einige Marathonläufer, die bis dahin noch einen Marathon laufen und die Norm sowie die Zeiten von Lisa Hahner und Philipp Pflieger unterbieten können.“

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Olympia-Starts von Philipp Pflieger und Lisa Hahner schließt DLV-Präsident Prokop zum jetzigen Zeitpunkt aber auch gar nicht aus: „Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen, dass wir Athleten mit Perspektive über Härtefallregelungen auch dann für internationale Höhepunkte nominieren, wenn sie unsere Normen knapp verpasst haben.“
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Seine Argumentation findet Zustimmung bei Deutschlands bestem Läufer. „Deutschland muss die drei Olympia-Startplätze bei den Männern und Frauen besetzen“, forderte Arne Gabius nach dem Frankfurt-Marathon, „wenn wir uns das nicht leisten können, wer dann?“ Ähnlich argumentierten unmittelbar nach dem Berlin-Marathon die Veranstalter der fünf größten Marathonläufe in Deutschland (Berlin, Hamburg, Frankfurt, Köln und München), die einen Olympiastart von Philipp Pflieger forderten.
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Das weiß auch Horst Milde, wie er im Gespräch mit laufen.de einräumt: „Mir ist ja auch klar, dass es unmöglich ist, den Spitzensport am DLV vorbei neu aufzustellen“, sagt er. „Und ich war ja immer einer, der zur Vereins- und Verbands-Leichtathletik gestanden hat. Aber zuletzt höre ich von vielen Seiten, wie unzufrieden die Laufszene mit dem DLV ist. Ich will mich für die Interessen aller Läufer und Laufveranstalter einsetzen.“ Ob ihm das mit solchen Vorstößen gelingt? Wir haben Zweifel.