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Olympia-Porträt: Medaillen-Kandidatin Gesa Krause

| Text: Anja Herrlitz | Fotos: Nike
Gesa Krause ist in Rio eine Medaillen-Kandidatin über 3000 Meter Hindernis. Hier lernst du die Läuferin aus Frankfurt kennen.

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Vor einem Jahr: In Peking die Weltspitze erobert

Was ist das denn? Da stürmt ja eine Deutsche bei einer WM auf den letzten 100 Metern als Erste aufs Ziel zu! Ja, wird jetzt Gesa Krause etwa Weltmeisterin über 3000 Meter Hindernis? So was hat es ja seit Ewigkeiten nicht gegeben! Mit diesen Gedanken im Kopf haben wir am 26. August 2015 um die Mittagszeit vorm Fernseher gesessen. Es war 21:09 Uhr Ortszeit in Peking, als Gesa Krause auf den letzten Metern Richtung WM-Bronze lief. Wessen Mund nicht vor Staunen weit offen stand, hat die Frankfurterin laut angefeuert.

Die Läuferin selbst denkt wenige Meter vor dem Ziel nicht an die mögliche Medaille. Sie hat nur einen Gedanken im Kopf. „Kurze, schnelle Schritte!“ Das hört sie ihren Trainer Wolfgang Heinig brüllen. Denn sie stellt sich beim Endspurt immer vor, wie ihr Coach sie anfeuert. Das Bild in ihrem Kopf macht ihr Beine, hilft ihr, alles aus sich herauszuholen.

Am letzten Hindernis im WM-Finale von Peking ist ein Trio übrig geblieben, das um die Medaillen kämpft – und die Frankfurterin Gesa Krause gehört dazu. Plötzlich liegt sie sogar in Front. Gold scheint zum Greifen nah. Am Ende kommt sie in 9:19,25 Minuten nur wenige Hundertstel hinter Hyvin Jepkemoi aus Kenia und der Tunesierin Habiba Ghribi ins Ziel.

WM-Bronze ist der größte Erfolg ihrer noch jungen Karriere. Und es ist die erste Medaille für die deutschen Läufer bei globalen Titelkämpfen seit Nils Schumanns 800-Meter-Sieg bei Olympia 2000. Die letzte WM-Medaille hatte es 1991 mit Bronze für Hauke Fuhlbrügge über 1500 Meter gegeben.

„Als ich ins Ziel gekommen bin, war das erst einmal ein bisschen surreal. Realisiert, was ich da geschafft habe, habe ich eigentlich erst, als ich danach mit meinem Trainer geredet habe“, erzählt Gesa Krause. Dabei kam der Erfolg für sie nicht so überraschend wie für viele andere. „Ich hatte vor der WM ein paar Trainingseinheiten, die richtig gut waren. Da wusste ich: Wenn ich ein Rennen erwische, das am Anfang nicht so schnell ist und das auf den letzten Metern entschieden wird, dann ist alles möglich und ich kann um eine Medaille mitlaufen. Als es dann wirklich so war, war das schon ein Gänsehautmoment.“

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Ihre Rolle als Underdog hat Gesa Krause genutzt. Jetzt bei Olympia ist das anders. Denn schließlich ist sie als Europameisterin angereist. Den Titel gewann sie Anfang Juli in Amsterdam. Und viele machen eine ganz einfache Rechnung auf: Wer bei einer WM eine Medaille gewinnt, macht das auch bei Olympia in Rio de Janeiro. „Aber so einfach ist das nicht, da müssen schon viele Dinge zusammenpassen. So wie 2015, da lief alles perfekt“, weiß Gesa Krause.

Trotzdem sagt sie: „Natürlich träume ich von einer Olympia-Medaille.“ Die 23-Jährige misst Erfolg aber nicht nur an Podest-Plätzen. „Mein Ziel ist es vor allem, mich zu verbessern. Wenn ich in Rio mit einer Bestzeit ins Ziel komme und weiß, ich habe alles gegeben, aber Fünfte werde, dann ist das ein toller Erfolg.“ Eine Marke würde sie auf jeden Fall gerne knacken: 9:18,54 Minuten. Deutscher Rekord. 2009 von Europameisterin Antje Möldner-Schmidt aufgestellt. Im Vorlauf kratzte Gesa Krause schon daran. Die 24 Jahre alte WM-Dritte aus Frankfurt/Main kam am Samstag in Rio de Janeiro als Dritte in 9:19,70 Minuten ins Ziel. Den deutschen Rekord hält seit der WM 2009 in Berlin Antje Möldner (Potsdam) mit 9:18,54 Minuten.

Im Oktober 2015 hat Gesa Krause mit ihrem Trainer Wolfgang Heinig das Training für Olympia aufgenommen. Grundsätzlich ist die Trainingsgestaltung Aufgabe von Wolfgang Heinig. „Wenn wir im Training neue Dinge machen, frage ich aber auch, welchen Sinn und Zweck das hat. Einfach weil es mich interessiert.“

Und auch sonst redet sie im Training mit. „Mein Trainer kann zwar einen Plan vorgeben. Wenn ich mich aber nicht gut fühle, sieht er mir das einerseits oft an, andererseits fragt er mich aber auch, ob ich die Vorgaben voll durchziehen will und kann.“ Gesa Krause kann ihren Körper und ihre Leistungsfähigkeit mittlerweile sehr gut einschätzen. Und obwohl sie gerne trainiert, weiß sie auch: „Zu viel Training ist nicht gut. Genauso wie zu wenig.“

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Bis zu drei Mal Training am Tag

Bis zu dreimal trainiert sie täglich. „An zwei Tagen in der Woche habe ich nur eine Einheit. Da freue ich mich dann auch, dass ich mal in die Stadt gehen oder abends Freunde treffen kann“, sagt sie. Jede Woche stehen meist zwei intensivere Einheiten auf der Bahn an, ein- bis zweimal geht Gesa Krause in den Kraftraum, der Rest derzeit: viele Dauerläufe. „Die mache ich meist mit einem Trainingspartner. Das ist dann quasi der Kaffeeklatsch laufenderweise“, sagt sie schmunzelnd.

Genug starke Trainingspartner hat sie auf jeden Fall. Zu ihrer Frankfurter Trainingsgruppe zählen unter anderen Homiyu Tesfaye, der deutsche Hallen-Rekordler über 1500 Meter, der ebenfalls in Rio am Start ist, Katharina Heinig, die den Marathon schon unter 2:34 Stunden gelaufen ist, sowie die Zwillinge Elina und Diana Sujew, beide können die 1500 Meter unter 4:08 Minuten rennen.

Wenn Gesa Krause nicht auf der Bahn zu finden ist, oder durch den Frankfurter Wald oder entlang des Mains ihre Runden dreht, genießt sie es, auch einfach mal daheim zu sein. Im Herbst hat sie mit ihrem Freund Marc eine Wohnung im Frankfurter Stadtteil Niederrad bezogen. Oft sehen sich die beiden im Moment allerdings nicht. Ihr Freund ist Offizier bei der Bundeswehr und in Bielefeld stationiert. Nur am Wochenende ist er in Frankfurt. Dort hat Gesa Krause Trainingsgelände, Olympia-Stützpunkt und den Wald in der Nähe. Optimale Bedingungen.

Am heimischen Schreibtisch lernt sie auch für ihr Fernstudium an der SRH Riedlingen, wo sie Wirtschaftspsychologie studiert. Das passt für die 24-Jährige optimal, weil sie keine Präsenzzeiten an der Uni hat und das Studium auf unbegrenzte Zeit strecken kann. So bleibt genug Zeit für den Sport. Und der steht schon lange im Mittelpunkt von Gesa Krauses Leben. Ihre Eltern schickten sie einst in Dillenburg in Mittelhessen ins Leichtathletik-Training. Nachdem sich Gesa Krause zunächst in allen Disziplinen versuchte, kristallisierte sich schnell ihre Stärke im Laufen heraus. Mit 16 zog sie daher nach Frankfurt, ging dort auf das Sportinternat und trainierte fortan bei Wolfgang Heinig, der zuvor schon ihr Trainer des Hessen-Kaders gewesen war.