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Marathon-Olympiasieger Waldemar Cierpinski wird 65

| Jörg Aberger (dpa) I Foto: imago
35 Jahre ist es her, dass Waldemar Cierpinski in Moskau sein zweites Olympia-Gold im Marathon gewann. Am Montag wird Cierpinski 65 Jahre alt.

35 Jahre ist es her, dass Waldemar Cierpinski in Moskau sein zweites Olympia-Gold im Marathon gewann und damit Sportgeschichte schrieb. DDR-Sportreporter Oertel war so begeistert, dass er seine Landsleute aufforderte, ihre Söhne Waldemar zu nennen. Jetzt wird Cierpinski 65.

Mehr als 250.000 Kilometer hat Waldemar Cierpinski nach eigenen Angaben laufend zurückgelegt. Die wohl wichtigsten 84 Kilometer davon lief er im Jahr 1976 in Montreal und vier Jahre später in Moskau. Damals holte er bei den Olympischen Spielen jeweils Marathon-Gold und zog damit mit dem Äthiopier Abebe Bikila gleich, dem dieses Kunststück 1960 in Rom und 1964 in Tokio geglückt war. Einem möglichen Triple stand dann die Politik im Weg: Wegen des Olympia-Boykotts der Sowjetunion, dem sich die DDR anschloss, durfte Cierpinski 1984 in Los Angeles nicht an den Start gehen.

Schmerzlich ist das für den Ausnahmeathleten, der am Montag (3. August) seinen 65. Geburtstag feiert, heute zwar nicht mehr, aber damals hat es ihn tief getroffen. „Der Boykott hatte sich ja abgezeichnet, und als er verkündet wurde, war es nicht so schlimm“, berichtete er. Doch als dann der Marathonlauf im Fernsehen übertragen wurde, „da habe ich auf dem Sofa gesessen und geheult“, gibt er unumwunden zu. Heute treibt er nach wie vor regelmäßig Sport, steht bis zu dreimal in der Woche beim FSV 67 Halle auf dem Fußballplatz, hat bereits mehr als 200 Spiele in der Altherren-Elf absolviert.

„Fußball und auch Eishockey habe ich früher als Training ja auch gespielt“, erzählt er. Beide Sportarten seien gut geeignet, um bei Drehungen, Sprüngen oder schnellen Stopps die sogenannten reaktiven Kräfte zu schulen. „Die braucht ein Läufer, obwohl er sich ja scheinbar nur vorwärtsbewegt.“ Doch ein 60-Kilo-Mann habe über die Marathondistanz ein Gesamtgewicht von 60 Tonnen zu tragen – „da braucht er diese Kräfte“.

Auch wenn er das Laufen nicht verlernt habe, so sei er doch jetzt lieber in einem Gruppengefüge wie beim Fußball integriert. Das mache ihm einfach mehr Spaß. Daneben spielt er auch öfter Golf oder Tennis. „Und als Trainer einer leistungsorientierten Marathongruppe begleite ich die Jungs jetzt lieber mit dem Fahrrad, sonst würden die mich stehen lassen“, sagt er lachend.

„Nennen Sie ihre Neuankömmlinge des heutigen Tages ruhig Waldemar!“

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Seinen Geburtstag will er nicht besonders begehen. „Wir feiern jeden Geburtstag, und was ist denn heute schon 65?“ Als er mit dem Laufen angefangen habe, sei es noch eine Sensation gewesen, wenn ein 60-Jähriger etwa bei Volksläufen geehrt worden sei. „Heute bereiten wir für den Mitteldeutschen Marathon Pokale für 80- bis 85-Jährige vor“, berichtet Cierpinski, der zu den Organisatoren der Veranstaltung gehört.

Als Trainer möchte er seinen Sohn Falk natürlich auch gerne bei Olympischen Spielen laufen sehen. Beim Berlin-Marathon Ende September will Falk die Qualifikationszeit für die Spiele in Brasilien knacken. Allerdings dürfte es für ihn schwer werden, so wie sein Vater gefeiert zu werden. Den bejubelte DDR-Sportreporter Heinz-Florian Oertel, indem er rief: „Liebe junge Väter oder angehende, haben Sie Mut! Nennen Sie ihre Neuankömmlinge des heutigen Tages ruhig Waldemar!“ Das war am 1. August 1980, als Cierpinski sein zweites Olympisches Gold gewann.