Philipp Pflieger und Anna Hahner wollen's wissen

| Text: Jörg Wenig | Fotos: imago images/Jan Hübner, SCC Events/Camera4

Vier deutsche Topläufer, die auf die Olympia-Qualifikation für die Spiele in Tokio 2020 hoffen, werden beim BMW Berlin-Marathon am 29. September an den Start gehen: Philipp Pflieger, Philipp Baar, Anna Hahner und Melat Kejeta. Um eine gute Startchance bei den Olympischen Spielen zu haben, müssten die deutschen Läufer die internationalen Normen von 2:11:30 Stunden (Männer) beziehungsweise 2:29:30 (Frauen) unterbieten. Eine Platzierung unter den ersten Zehn bei einem Rennen der Abbott World Marathon Majors (WMM) bewertet der internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) ebenfalls als Erfüllung der Norm.

Ob dies allerdings am Ende wirklich für einen Startplatz reicht, bleibt bei dem deutlich komplizierteren Qualifikationssystem abzuwarten. Bisher hat kein deutscher Läufer im Qualifikationszeitraum, der seit Anfang des Jahres läuft, eine Norm erreicht. „Ich freue mich auf den Start der starken deutschen Athleten. Wir wollen sie auf dem Weg zur Qualifikation für die Olympischen Spiele bestmöglich unterstützen“, sagt Race-Direktor Mark Milde.

Lisa muss verzichten: Kein Aufeinandertreffen der Hahner-Zwillinge

Es kommt in Berlin nicht zum erwarteten Aufeinandertreffen der Hahner-Zwillinge. Lisa Hahner, die ebenso wie ihre Schwester inzwischen für das Berliner SCC-Events Pro-Team startet, muss ein weiteres Mal passen. Im Frühjahr hatte eine Weisheitszahn-Operation den Start beim Hannover-Marathon verhindert. Zurzeit hat die 29-Jährige Belastungsprobleme bei intensiveren Trainingsläufen. Ob Lisa Hahner im Herbst zu einem späteren Termin noch einen Marathon laufen kann, steht noch nicht fest.

Für Anna Hahner ist es bereits der fünfte Start beim BMW Berlin-Marathon. Hier stellte sie 2014 mit 2:26:44 Stunden auch ihre Bestzeit auf. „So sehr wie dieses Jahr hatte ich noch nie das Gefühl, dass es mein Heimrennen ist. Seit diesem Jahr starte ich für das SCC-Events Pro-Team und verbringe auch viel Trainingszeit in Berlin“, sagt Anna Hahner, die in München lebt, aber ungefähr die Hälfte der Vorbereitung auf den Marathon in Berlin absolviert. „Nach vielen Veränderungen in meinem Umfeld und dem Einstieg beim Düsseldorf-Marathon im April dieses Jahres, möchte ich den nächsten Schritt machen.“ Anna Hahner wird versuchen, die Olympia-Norm zu unterbieten. Sie lief bereits bei den Spielen in Rio 2016 im Marathon und belegte dort Rang 81.

Melat Kejeta (Laufteam Kassel), die im März die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt, wird in Berlin ihr Marathon-Debüt laufen. Vor einem Jahr hatte sie noch als Äthiopierin den Berliner Halbmarathon in 69:04 Minuten gewonnen. Über die „halbe Distanz“ weist sie eine Bestzeit von 68:41 Minuten auf. Sie hat somit das Potenzial, die Olympia-Norm klar zu unterbieten.

Philipp Pflieger hat seine vier Jahre alte Bestzeit im Blick

Philipp Pfliegers Bestzeit von 2:12:50 Stunden ist genau 80 Sekunden von der Olympia-Norm entfernt. Diesen persönlichen Rekord lief der Athlet der LG Telis Finanz Regensburg 2015 in Berlin. Dadurch erhielt er damals den Startplatz bei den Spielen in Rio, wo er Platz 55 erreichte. „Nach vier Jahren ist es höchste Zeit für eine neue persönliche Bestzeit im Marathon“, sagt Philipp Pflieger. „Die Olympia-Norm von 2:11:30 Stunden ist sicherlich ambitioniert, aber man wächst bekanntlich an seinen Herausforderungen.“

Für Philipp Baar dürfte der Schritt zur Norm Ende September in Berlin voraussichtlich noch zu groß sein. Seit rund einem Jahr trainiert er unter seinem neuen Coach Dieter Hogen im SCC-Events Pro-Team. Für ihn geht es nach einem schwierigen Frühjahrs-Marathon in Wien (2:18:45) zunächst darum, seine Bestzeit von 2:16:17 möglichst deutlich zu unterbieten. Darauf aufbauend, könnte er dann 2020 die Norm angreifen.

Zurück