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Rudi Schmidt: Mit blindem Pacemaker Hamburg gerockt

| Alena Staffhorst I Foto: Andreas Schwarz
Im Interview erzählt Rudi Schmidt, wie der Hamburg-Marathon mit dem blinden Pacemaker Steffen Klitschka lief.

Den Titel "Hobbyläufer des Jahres" hat Rudi Schmidt mehr als verdient! Das hat er beim Hamburg-Marathon wieder eindrücklich bewiesen. Dort ging er mit einem ganz besonderen Pacemaker an den Start: dem blinden Steffen Klitschka. Zusammen rockten sie 14 der 42,195 Kilometer. Im Interview erzählt Rudi, warum ihn die Aktion so bewegt hat, was es für Probleme zu überwinden gab und warum er sich in seiner Vorbildrolle so wohl fühlt.

Rudi, herzlichen Glückwunsch! Du hast deine Bestzeit beim Hamburg-Marathon um neun Minuten getoppt. Nach 3:15:30 Stunden warst du im Ziel. Bist du zufrieden?
Dankeschön! Eigentlich war mein Ziel, unter 3:15 Stunden zu laufen. Das hat leider nicht ganz geklappt, aber ich bin natürlich trotzdem super zufrieden.

Du hattest in Hamburg einen ganz besonderen Pacemaker an deiner Seite. Wie ist es dazu gekommen, dass der blinde Steffen Klitschka Tempo für dich gemacht hat?
Der Kontakt kam über Klaus Stübinger zustande. Er ist seit letzten Jahr mein Trainer. Wir haben auf eine Zeit unter 3:15 hintrainiert, denn mein Ziel ist es, bis Ende 2018 unter 3:00 Stunden zu kommen. Im Dezember hat er mir dann von Steffen erzählt. Die beiden sind dicke Kumpels, kennen sich schon seit mehr als zehn Jahren. Er hat gefragt, ob mir nicht eine coole Aktion einfällt, die man mit ihm zusammen mal machen könnte.

Und wie es scheint, ist dir was eingefallen!?
Spontan erst mal nicht, aber irgendwann beim Training bin ich dann auf die Idee gekommen, dass er ja in Hamburg Tempo für mich machen könnte. Ich wusste, dass er in München kurz zuvor 3:16 Stunden gelaufen ist und es daher packen könnte. Mit der Idee habe ich mich dann an laufen.de gewandt und die waren sofort begeistert. Es folgten Interviews, Fototermine und jetzt haben wir es tatsächlich realisiert.

Wie ist es, mit einem Blinden zusammen zu laufen? Gibt es da besondere Schwierigkeiten?
Wir haben schon kurz nach dem Start gemerkt, dass wir oft überholen müssen. Wenn Leute zu zweit oder in kleinen Gruppen gelaufen sind, war das gar nicht so einfach. Da musste Klaus, der als Unterstützung für Steffen mitgelaufen ist, dann Höchstarbeit leisten. Er hat fast den schlimmsten Job von uns gehabt. Er hat die Leute nicht direkt angeschnauzt, aber er musste ihnen schon deutlich sagen, dass wir mit einem Blinden laufen und sie mal Platz machen sollen.

Habt ihr durch diese Überholmanöver Zeit verloren?
Wenn wir freie Bahn hatten, war das kein Problem, da stimmte das Tempo immer. Aber beim Überholen hat man echt gemerkt, das kostet Zeit. Wir mussten immer ein bisschen abbremsen und wieder Gas geben. Ich habe dann irgendwann gemerkt, dass es mit meiner geplanten Zeit knapp werden könnte. Wir sind dann noch bis Kilometer 14 zusammen gelaufen und haben uns dann getrennt.

Und du bist allein weiter?
Nein. Ein anderer Läufer, Markus, hat uns schon vor dem Rennen angesprochen und gesagt, dass er die Aktion total cool findet. Er meinte, er läuft auch so um die 3:15 Stunden und würde sich uns gern anschließen. Das hat er dann auch gemacht und mit ihm bin ich das komplette Rennen gelaufen. Markus und ich haben ab Kilometer 15 richtig Tempo gemacht. Wir wollten auf Biegen und Brechen unter die 3:15 Stunden kommen. Gegenseitig haben wir uns richtig geil motiviert. Das war schon eine coole Geschichte. Leider hat es dann am Ende aber ganz knapp nicht gereicht.

Hast du Steffen nach dem Rennen wieder getroffen? Wie ist es bei ihm gelaufen?
Steffen habe ich nach dem Rennen sofort angerufen. Er und Klaus haben beide mit 3:29 Stundxen gefinisht. Er hat ein schlechtes Gewissen gehabt, weil er meinte, dass er mich gebremst hätte. Ich hab ihn aber beruhig und gesagt, dass es der Wahnsinn ist, was er geleistet hat. Ich meinte: "Du siehst nichts und finisht unter 3:30. Respekt! Und du hast mich 15 Kilometer gezogen, das ist doch eine coole Geschichte."

Rudi Schmidt genießt die Stimmung in Hamburg
Rudi Schmidt genießt die Stimmung in Hamburg © Andreas Schwarz
Und dann unter 3:15 Stunden, richtig!?Das auf jeden Fall. Klaus und ich haben geplant, so auf 3:05 bis 3:10 Stunden zu trainieren.