Samuel Fitwi im Interview
„Ich will mir den deutschen Rekord wiederholen“
Jacob Kiplimo hat in Lissabon den Halbmarathon-Weltrekord auf 57:20 Minuten verbessert. Im selben Rennen hat sich Samuel Fitwi auf 61:13 gesteigert. Was das für die Saison bedeutet, verrät er hier.
Ein ereignisreiches Laufwochenende liegt hinter uns: In Uelzen ging es in stark besetzten Rennen um die Deutschen Meisterschaften über zehn Kilometer. Dabei purzelten zahlreiche Bestzeiten: Bei den Männern setzte sich Nils Voigt (TV Wattenscheid 01) in der persönlichen Bestzeit von 27:56 Minuten gegen Florian Bremm (Franconia Athletics/28:05 min) und Hendrik Pfeiffer/28:08 min) durch.
Deutsche Meisterin wurde Eva Dieterich (LAV Stadtwerke Tübingen) in 31:54 Minuten im Spurt mit einer Sekunden Vorsprung vor Elena Burkard (LG farbtex Nordschwarzwald) durch. Bis zur letzten Kurve war auch Esther Pfeiffer (Düsseldorf Athletics) im Rennen um Gold dabei. Doch sie konnte auf den finalen Metern nicht zusetzen und lief am Ende mit 32:01 Minuten wie ihr Ehemann Hendrik bei den Männern auf den Bronzerang. Hindernisspezialistin Gesa Felicitas Krause (Silvesterlauf Trier) lief mit 32:08 Minuten auf Rang vier.
Im Weltrekordlauf von Jacob Kiplimo zum Hausrekord gerannt
Unterdessen hat Samuel Fitwi am Sonntag in Lissabon beim Halbmarathon-Weltrekordlauf von Jacob Kiplimo (Uganda/57:20 Minuten) seine persönliche Bestzeit gesteigert. Nach 61:13 Minuten erreichte der 30-Jährige vom Verein Silvesterlauf Trier als 19. im schnellsten Halbmarathonrennen der Leichtathletik-Geschichte das Ziel vier Sekunden schneller als 2024, als er in Rom gemeinsam mit Amanal Petros und Richard Ringer EM-Bronze gewonnen hatte. Wir haben nach dem Rennen mit Samuel Fitwi gesprochen und er verrät, dass er dieses Jahr in Hamburg auch über die Marathon-Distanz in die Nähe seiner Bestleistung von 2:04:56 Stunden laufen will.
Samuel, du hattest dir eventuell sogar ein wenig mehr erhofft, aber Glückwunsch zum Halbmarathon-Hausrekord!
Samuel Fitwi: Danke sehr, hintenraus war es ein hartes Rennen.
Wie hast du dir deinen Lauf eingeteilt?
Samuel Fitwi: Ich bin in der dritten Gruppe mit der Pace für eine 60er-Zeit angegangen. Die Durchgangszeiten waren 14:13 Minuten nach fünf und 28:25 Minuten nach zehn Kilometern. Das war echt ein Brett. Auf der zweiten Hälfte des Rennens habe ich dann leider etwas Zeit verloren, ab Kilometer 18 musste ich abreißen lassen und allein laufen.
Wegen der durch den Iran-Krieg verursachten Probleme im Luftverkehr war deine Anreise nach Lissabon aus dem Höhentrainingslager in Addis Abeba nicht unproblematisch.
Samuel Fitwi: Das stimmt. Der Platz, den ich für Donnerstag in der Maschine nach Frankfurt gebucht hatte, wurde mir kurzfristig am Flughafen in Addis gestrichen. Über London kam ich dann nach Köln, dort konnte ich immerhin noch einen Check bei meinem Orthopäden Dr. Jens Enneper vornehmen lassen. Erst am Freitag ging es dann weiter nach Lissabon.
Wie ordnest du dein Resultat von Lissabon mit Blick auf die weitere Saison ein?
Samuel Fitwi: Das Rennen war wichtig für mein Selbstvertrauen, nachdem ich im letzten Dezember in Valencia den deutschen Marathon-Rekord an Amanal Petros hatte abgeben müssen. Jetzt rückt der Hamburg-Marathon am 26. April in meinen Fokus.
Willst du dir dort die nationale Rekordmarke zurückholen?
Samuel Fitwi: Hamburg wird für mich ein wichtiges Rennen. Es ist mein erster Start dort, es ist eine tolle Strecke und über die Atmosphäre habe ich bisher sehr viel Positives gehört. Mal schauen, was die Strecke hergibt. Auf jeden Fall peile ich einen Platz auf dem Podium an – und eine Topzeit.
Das heißt konkreter?
Samuel Fitwi: Eine 2:05 sollte es schon sein.
Hast du den Rekord von Amanal Petros (2:04:03) im Fokus?
Samuel Fitwi: Klar will ich den zurückhaben. Das könnte dann das Ziel für 2027 sein. Auch dem deutschen Rekord im Halbmarathon von Amanal (59:31 Minuten) möchte ich mich dann so dicht wie möglich nähern.
Wie geht es 2026 für dich nach dem Haspa Marathon Hamburg weiter?
Samuel Fitwi: Eine Medaille im EM-Marathon von Birmingham im August ist mein großes Saisonziel. Besonders freue ich mich, dass ich mich auf dem Weg dorthin meinem Heimpublikum in Trier zeigen kann. Der Hafen-Trier-Halbmarathon am 28. Juni passt terminlich perfekt in die Vorbereitung. Es ist schön, dass mein Verein Silvesterlauf Trier neben dem Silvesterlauf nun auch den traditionellen Stadtlauf im Sommer organisiert.
Die optimierte Trierer Halbmarathon-Strecke soll schnell sein…
Samuel Fitwi: … das Event in der nicht nur ältesten, sondern auch schönsten Stadt Deutschlands ist im nationalen Laufkalender aktuell unterbewertet und ich würde gerne dazu beitragen, ihm wieder größere Bedeutung zu geben. Herbert Steffny lief dort 1986 in 63:39 Minuten Streckenrekord und wurde EM-Dritter. Ich hoffe, das ist ein gutes Omen für mein EM-Jahr.