Silvesterlauf-Vorschau
Duell der Marathon-Giganten in Trier
Silvester-Höhepunkt in Trier: Die Marathon-Asse Amanal Petros und Samuel Fitwi treffen aufeinander. Unsere Vorschau auf den 36. Bitburger 0,0% Silvesterlauf und weitere stark besetzte Silvesterläufe.
Gut drei Wochen nach dem Valencia-Marathon, bei dem Amanal Petros (Hannover 96) in 2:04:03 Stunden Samuel Fitwi (Silvesterlauf Trier e.V.) als deutschen Rekordler entthronte, kommt es an Silvester wieder zum Gipfeltreffen der beiden besten deutschen Marathonläufer aller Zeiten. Beim Bitburger Silvesterlauf in Trier gehen allerdings beide auf der für sie sehr kurzen Fünf-Kilometer-Distanz an den Start. Und obwohl man in der ältesten deutschen Stadt vom ersten deutschen Sieg im Männerrennen seit 2013 träumt, wissen die Akteure natürlich, dass das angesichts der Konkurrenz durch die 5000-Meter-Spezialisten und viele schnelle Mittelstreckler sehr schwer wird.
Samuel Fitwi: Amanal ist zu knacken
So wollen beide am letzten Tag des Jahres vor allem eins: Spaß haben. Aber Amanal Peros betont auch, dass er die schnellen Leute auf der kurzen Strecke ein „bisschen ärgern“ will. Und Lokalmatador Samuel Fitwi glaubt fest daran, dass Amanal zu knacken ist. Das will er vor heimischem Publikum beweisen und vor allem weiter vorn landen als 2024. Damals wurde er Zehnter.
Als Amanal Petros am Tag vor dem Rennen nach seiner Taktik und seinen Plänen gefragt wird, fallen irgendwann sogar die Worte „deutscher“ und „Rekord“. Der steht über fünf Kilometer auf der Straße bei 13:21 Minuten – aufgestellt vom Hindernisspezialisten Frederik Ruppert (LAV Stadtwerke Tübingen) Anfang Februar 2025. Aber die Schlagzeile „Amanal Petros will deutschen Rekord laufen“ will der 30-Jährige diesmal dann doch nicht verursachen, nachdem ihm das dieses Jahr im Halbmarathon und Marathon gelungen ist. Obwohl: In seinem letzten Jahr als echter Bahnläufer 2019 ist Amanal Petros die 5000 Meter schon in 13:22,52 Minuten gelaufen.
Und damit deutlich schneller als Vorjahressieger Mike Foppen aus den Niederlanden, der vor einem Jahr mit 13:42 die erste Marke auf dem von acht auf fünf Ein-Kilometer-Runden verkürzten Innenstadtkurs von Trier gesetzt hatte und 2025 als Favorit in Trier startet. Damals war Maximilian Thorwirth als Zweiter mit drei Sekunden Rückstand so nah dran an einem deutschen Sieg im Männerrennen wie lange Zeit niemand. Der Düsseldorfer geht auch 2025 wieder an den Start. Ihm fehlt aber nach einer Sehnenverletzung, die ihn im Herbst zu einer achtwöchigen Laufpause zwang, die Form, um ganz vorn mitzulaufen.
Mit Homiyu Tesfaye wird auch derjenige Deutsche in Trier laufen, dem 2013 der bislang letzte Sieg im Trier gelang. Nach einer dreijährigen Wettkampfpause kehrt der 32-Jährige in den Rennzirkus zurück. Zwölf Jahre, nachdem er in 3:31,98 Minuten den immer noch gültigen deutschen U23-Rekord über 1500 Meter aufgestellt hat.
Frauen in Trier: Gesa Krause im Mittelpunkt, Vanessa Mikitenko kämpferisch
Bei den Frauen steht in Trier immer Gesa Krause im Mittelpunkt, die seit Jahren das Trikot des Silvesterlauf-Vereins trägt. Nach ihrem abgebrochenen Marathon-Debüt von Valencia hat sich die zweimalige Europameisterin über 3000 Meter Hindernis und Zweite von 2024 allerdings erstmal drei Wochen Urlaub mit der Familie gegönnt und weiß nicht genau, wo sie steht. „Die Pause war nötig“, sagte sie in Trier. Im Prinzip habe sie zweieinhalb Jahre durchtrainiert, seit ihre Tochter Lola zur Welt gekommen ist. „Die Form wird nicht ganz weg sein, auch wenn ich erst seit Weihnachten wieder im Trainingsrhythmus bin. Ich will mich von meiner besten Seite zeigen.“
Am kämpferischsten zeigte sich in Trier am Vortag des Rennens eine, die am letzten Tag des Jahres ihr letztes Rennen im Trikot des SSC Hanau-Rodenbach bestreiten wird, bevor sie dann ab dem 1. Januar in das des Silvesterlaufs Trier e.V. schlüpft: Vanessa Mikitenko U23-EM-Zeite über 5000 Meter von Bergen 2025. Nachdem sie 2024 bei ihrem ersten Start im Frauenlauf von Trier noch viel Respekt vor den Assen gezeigt hatte und dennoch als beste Deutsche auf Rang sechs gelaufen war, will sie diesmal mehr: „Ich bin sehr fit, das Trainingslager in Südafrika war sehr gut. Ich werde vorn mitgehen und alles geben.“ Mit einer ähnlichen Taktik will auch ihre zukünftige Vereinskollegin Olivia Gürth starten: „Ich habe im Trainingslager in Kenia gut trainiert, mir dann aber eine Erkältung eingefangen. Das ist aber schon wieder drei Wochen her, ich will mitlaufen und auf meine Stärke am Ende hoffen“, sagte die WM-Starterin von Tokio über 3000 Meter Hindernis.
Als Favoritin starten in Trier allerdings andere: Vorjahressiegerin Emeline „Emmi“ Imanizabayo aus Ruanda will ihren Titel verteidigen und den 25 Jahre alten Streckenrekord angreifen, den Lornah Kiplagat aus Kenia im Jahr 2000 mit 15:15 Minuten aufstellte.
Was alle Asse vereint, ist die Vorfreude auf das Trierer Rennen, das mit 2700 Teilnehmenden in insgesamt 13 Rennen aller Altersklassen (davon 1000 allein bei Kindern und Jugendlichen) ausgebucht ist. Gesa Krause drückt es so aus: „In Trier bis du so nah Publikum, es ist eine richtige Laufparty.“ Und Amanal Petros schwärmt: „Die Stimmung ist unglaublich. Ich liebe das. Eigentlich wollte ich nach Valencia dieses Jahr gar nicht mehr laufen, aber jetzt habe ich richtig Bock. Wir wollen uns gegenseitig pushen und schnell laufen.“
Bietigheim: Eva Dieterich und Simon Boch favorisiert
Das wollen weitere deutsche Asse auch andernorts. Beim 43. Bietigheimer Silvesterlauf ist Eva Dieterich die prominenteste Starterin. Sie gewann im April Silber bei der Straßenlauf-EM und will das Jahr mit einem Erfolgserlebnis zu Ende bringen, nachdem sie bei der Cross-EM aufgab. Erste Herausforderin ist vermutlich ihre Vereinskameradin Lisa Merkel, die bei der Cross-EM als Vierte ihren Teil zu U23-Silber beitrug. Auch die Vorjahreszweite Melina Wolf (LG Region Karlsruhe) reist erneut mit Podiumsambitionen nach Bietigheim. Mit Deborah Schöneborn (SCC Berlin) ist zudem eine der schnellsten deutschen Marathonläuferinnen am Start. Rabea Schöneborn (Marathon-Team Berlin) muss verletzungsbedingt auf einen Start beim Silvesterlauf verzichten, betreut aber ihre Zwillingsschwester in Bietigheim.
Bei den Männern ist Simon Boch (LG Telis Finanz Regensburg) favorisiert. Der 31-Jährige hat schon sechsmal in Bietigheim gewonnen und reist mit dem Rückenwind seiner neuen Marathon-Bestzeit von 2:08:55 Stunden an, die er in Valencia (Spanien) erzielt hat.
Peuerbach: Florian Bremm will das Triple
Im österreichischen Peuerbach peilt Florian Bremm (LSC Höchstadt/Aisch) das Triple an, nachdem er in den beiden Vorjahren bereits gegen starke internationale Konkurrenz gewinnen konnte. „Ich freue mich auf den krönenden Abschluss in Peuerbach. Die Stimmung auf der Zielgerade ist sensationell“, so Florian Bremm.
Ebenfalls am Start ist sein Teamkollege Niklas Buchholz, im Vorjahr Dritter in Peuerbach. Der Spezialist über die 3000 Meter Hindernis erreichte bei der WM 2025 in Tokio das Finale und belegte dort den 15. Platz. Seine Bestzeit über 3000m Hindernis stellte er im August mit 8:14,05 Minuten auf.