Silvester: Klosterhalfen gegen Krause in Trier

| Text: Jörg Wenig/Holger Teusch | Fotos: Veranstalter, Imago

Bozen, Peuerbach, Bietigheim und Trier bilden die spitzensportlichen Höhepunkte unter rund 100 Silvesterläufen im deutschsprachigen Raum. Das aus deutscher Sicht spannendste Rennen findet in Trier statt. Beim 28. Bitburger 0,0% Silvesterlauf steht der Elitelauf der Frauen über fünf Kilometer (Start 15:00 Uhr) im Mittelpunkt des Interesses. Dort treffen mit der dreifachen "Läuferin des Jahres", Gesa Krause, und Konstanze Klosterhalfen zwei der besten deutschen Läuferinnen aufeinander.

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Duell der besten deutschen Läuferinnen

Mit der für den Ausrichterverein Silvesterlauf Trier startenden deutschen 3000-Meter-Hindernislauf-Rekordlerin Gesa Felicitas Krause und Vorjahressiegerin Konstanze Klosterhalfen (TSV Bayer 04 Leverkusen) treten die beiden besten deutschen Mittel- und Langstrecklerinnen an. Erst einmal, vor knapp zwei Jahren über 1500 Meter beim Hallenmeeting in Karlsruhe, trafen Koko und Gesa aufeinander - mit knapp besserem Ende für die Leverkusenerin (4:08,38 vs. 4:08:91).

Auch beim „deutschen Sao Paulo“, wie der Trierer Silvesterlauf wegen der brasilianischen Stimmung mit Sambatrommlern und einer fünfstelligen Zuschauerzahl entlang des Ein-Kilometer-Rundkurses auch genannt wird, dürfte Klosterhalfen Vorteile haben. Nach dem Höhentrainingslager in Südafrika zeigte sich die 20-Jährige Mitte Dezember als U23-Vizeeuropameisterin im Crosslauf bereits in guter Form. Krause hat dagegen bisher viel alternativ auf Langlaufski und im Wasser die Grundlagenausdauer trainiert.

Mit Klosterhalfen, der Weißrussin Nina Savina, Olympia- und WM-Teilnehmerin Salome Nyirarukundo aus Ruanda und Silvia Mmboga Medugu sind die vier Erstplatzierten des Vorjahres angekündigt. Die Frankfurt-Marathon-Siebte Medugu kann sich bei Katharina Heinig (LG Eintracht Frankfurt) revanchieren. Die deutsche Meisterin lag Ende Oktober am Main vor der Kenianerin.

An die Stätte großer Erfolge kehrt auch Corinna Harrer (LG Telis Finanz Regensburg) zurück. Die 26-Jährige ist die bisher einzige Läuferin, die zweimal in Folge gewinnen konnte (2012/13). Mit im Feld sind unter anderem auch Jana Sussmann und Polizei-Europameisterin Tabea Themann (beide Haspa Marathon Hamburg). Beim Klang von Sambatrommeln und Trillerpfeifen liegt der elfte deutsche Frauen-Sieg also in der Luft.

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Philipp Pflieger in Trier: Erster Wettkampf seit dem Ausstieg beim Berlin-Marathon

Bei den Männer geht Philipp Pflieger über acht Kilometer ins Rennen. Die Konkurrenz des Marathon-Olympiateilnehmers von der LG Telis Finanz Regensburg wird angeführt vom 22 Jahre alten Universiade-Zweiten Zouhair Talbi aus Marokko, dem Kenianer Alfred Cherop und dem viermaligen neuseeländischen Meister Malcolm Hicks. Für Philipp Pflieger ist es der erste Wettkampf, seit er den Berlin-Marathon entkräftet vorzeitig beenden musste. Erst seit etwa fünf Wochen ist er im Training. „Die Form ist dafür derzeit trotzdem schon wieder ganz ordentlich, wie eine Leistungsdiagnostik kurz vor Weihnachten gezeigt hat. Ich freue mich darauf nun endlich auch mal wieder etwas Wettkampflust zu schnuppern“, erklärt er.

Während Pflieger am 29. April in Hamburg die Ende September verpasste Marathon-EM-Norm nachliefern möchte, hat Hendrik Pfeiffer diese als Gewinner des Köln-Marathons abgehakt. Aber auch für den 24-Jährigen Wattenscheider ist der Trierer Silvesterlauf der erste Wettkampfstart seit dem Herbstmarathon. Zwischen 13 Uhr und 18 Uhr erwarten die Trierer Silvester-Organisatoren wieder rund 2000 Läufer zwischen zwei und 78 Jahren in neun Wettbewerben und eine fünfstellige Zuschauerzahl rund um den Marktplatz der ältesten Stadt Deutschlands.

 

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Bozen mit dem stärksten internationalen Teilnehmerfeld

Das international hochklassigste Rennen findet allerdings auch 2017 im italienischen Südtirol statt: Nach Bozen kehrt Titelverteidiger Muktar Edris als Weltmeister zurück. Der Äthiopier gewann bei den Weltmeisterschaften im vergangenen Sommer in London das 5000-Meter-Finale und stoppte damit die Gold-Serie des britischen Superstars Mo Farah. Muktar Edris will den stimmungsvollen Bozener Silvesterlauf am Sonntag zum dritten Mal nach 2014 und 2016 gewinnen.

Stärkster Konkurrent von Muktar Edris könnte in Bozen über die 10-Kilometer-Strecke ein ehemaliger Kenianer sein: Kaan Kigen Özbilen startet inzwischen für die Türkei und bewies vor kurzem bei seinem Cross-EM-Sieg Topform. Europas Marathon-Shooting-Star Sondre Moen wird ebenfalls in Südtirol starten. Für den Norweger, der Anfang Dezember den Fukuoka-Marathon mit einem sensationellen Europarekord von 2:05:48 Stunden gewonnen hatte, dürfte es nur vier Wochen nach dem Marathon allerdings schwierig werden gegen die starke afrikanische Konkurrenz.

Auch der Start eines deutschen Topläufers wurde von den Veranstaltern vermeldet: Mittelstrecken-Spezialist Homiyu Tesfaye (LG Eintracht Frankfurt) hat schon mehrmals über längere Straßenläufe überzeugt und könnte in Bozen eine gute Rolle spielen, sofern er schon wieder in entsprechender Form ist.

Im Fünf-Kilometer-Lauf der Frauen kommen die Favoritinnen aus Kenia: Agnes Tirop hatte im 5.000-m-WM-Finale von London Bronze gewonnen, ihre Landsfrau Margaret Chelimo belegte in diesem Rennen Platz fünf. Die beiden Kenianerinnen treffen unter anderen auf die US-Läuferin Desiree Linden, die beim Olympia-Marathon 2016 Rang sieben belegt hatte.

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Gabius und Reh müssen geplante Starts in Bietigheim absagen

Alina Reh (SSV Ulm 1846) und Arne Gabius (TherapieReha Botwartal), die beiden Favoriten für den 37. Silvesterlauf in Bietigheim, haben kurzfristig ihren Start abgesagt. Ein grippaler Infekt verhindert den Start des deutschen Marathon-Rekordhalter Arne Gabius. „Ich habe eine starke Erkältung, da muss man als Vorbild vorausgehen und sagen, da läuft man nicht“, begründete Gabius seine Absage.

Alina Reh wird durch eine Knöchelverletzung daran gehindert, in Bietigheim ihren fünften Sieg in Folge einzufahren. Reh war am Donnerstag im Training umgeknickt. „Wir wollen kein Risiko eingehen und haben Alina aus dem Wettkampfgeschehen herausgenommen“, erläuterte Trainer Jürgen Austin-Kerl. Die frischgebackene U23-Cross-Europameisterin wird jetzt zur Regeneration verstärkt ins Aquajogging und aufs Fahrradergometer umsteigen, um so die Verletzung rasch auszuheilen. „Die Hallensaison mit der Hallen-WM und die EM in Berlin im Sommer haben Priorität“, sagt Trainer Austin–Kerl. Nach dem Ausfall von Gabius und Reh rücken der deutsche 10000 Meter-Meister Simon Boch (LG  Telis Finanz Regensburg), zweimaliger Bietigheim-Sieger (1915, 1916) sowie Halb-Marathon-EM-Teilnehmerin Franzi Reng (Regensburg) in die Favoritenrolle.     

Die zurzeit stärkste deutsche Marathonläuferin, Fate Tola (LG Braunschweig), läuft zum Jahresabschluss den Silvesterlauf in Hannover. Das Rennen führt über eine Streckenlänge von 5,8 Kilometer.

 

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Richard Ringer wieder in Peuerbach am Start

Richard Ringer (VfB LC Friedrichshafen) ist im österreichischen Peuerbach Stammgast. In den letzten beiden Jahren war er bei diesem Silvesterlauf jeweils Zweiter, davor zeitgleich sogar Sieger. Am Sonntag wartet ein sehr starker Gegner auf Richard Ringer: Über die 6,8-Kilometer-Strecke trifft er unter anderen auf Abraham Cheroben. Der ehemalige Kenianer, der inzwischen für Bahrain startet, lief in diesem Jahr die weltweit schnellste Zeit im Halbmarathon mit 58:40 Minuten.

Bei den Frauen geht zum ersten Mal eine Olympiasiegerin im Eliterennen über 5,1 km an den Start: Ruth Jebet, ebenso wie Cheroben aus Kenia stammend und nun für Bahrain laufend, gewann bei den Spielen in Rio 2016 die 3000 Meter Hindernis. Sie ist über diese Strecke auch Weltrekordlerin und damit die große Favoritin in Peuerbach.

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