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Athen-Marathon: Teilnehmerrekord trotz Krise

| Redaktion laufen.de I Foto: Roderik van Nispen
In Athen begann 1896 die Geschichte des Marathons. Heute steht der Athen-Marathon noch für etwas anderes: eine Erfolgsgeschichte in Zeiten der Krise.

Der „Athens Marathon. The Authentic“ ist das Synonym für den Marathonlauf. Hier begann die Geschichte des Wettbewerbs über die klassische Distanz bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit 1896. Doch heute steht der Athen-Marathon noch für etwas ganz anderes: In Zeiten schwierigster wirtschaftlicher Probleme ist er eine griechische Erfolgsgeschichte. Das Rennen auf der originalen Marathonstrecke - von der Kleinstadt Marathon bis ins Athener Panathinaiko-Stadion - verzeichnet erneut einen Teilnehmerrekord: 16.000 Athleten sind am Sonntag dabei - 25 Prozent mehr als 2014. Aufgrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten musste der Veranstalter jedoch auf die Verpflichtung eines internationalen Elitefelds verzichten. Zum ersten Mal seit 15 Jahren könnte es wieder griechische Sieger beim Athen-Marathon geben.

„Es ist das erste Mal, dass wir den Marathon veranstalten und dabei unter einer staatlichen Finanzkontrolle stehen“, erklärte Kostas Panagopoulos, Präsident des griechischen Leichtathletik-Verbands SEGAS. „Dadurch hatten wir enorme Schwierigkeiten in der Vorbereitung des Rennens, besonders im Zeitraum Juni und Juli. Aber wir haben sie überwunden und haben unser Ziel erreicht, den Athen-Marathon als ein Laufsport-Event mit globaler Bedeutung zu sichern.“

Wie Kostas Panagopoulos versichert, wollen die Veranstalter im nächsten Jahr wieder ein internationales Elitefeld nach Athen holen. „Wir mussten in diesem Jahr Kürzungen vornehmen. Deswegen haben wir auf die Eliteathleten verzichtet und organisieren dafür einen Marathon, bei dem die Breitensportler im Mittelpunkt stehen - unter dem Motto ,Marathon der Solidarität für Griechenland’. Wir werden aber unseren bisherigen Weg in der Zukunft weitergehen und 2016 wieder Topathleten am Start haben“, sagte der SEGAS-Präsident, der überrascht war über den deutlichen Teilnehmerrekord. „Wir hatten die Befürchtung, dass aufgrund der Situation die internationalen Läufer ausbleiben könnten. Doch das Gegenteil ist der Fall: Das internationale Kontingent ist um 30 Prozent gestiegen.“

Dem Athen-Marathon kommt immer mehr die Bedeutung zu, die ihm aufgrund der Historie gebührt.

Die Gunst der Stunde könnten am Sonntag griechische Topläufer nutzen. Sie haben die große Chance, zum ersten Mal seit dem Jahr 2000 wieder für einen Heimsieg beim Athen-Marathon zu sorgen. Vor 15 Jahren waren Nikolaos Polias mit 2:20:50 Stunden und Yeoryia Abatzidou in 2:53:00 die Sieger. Am Sonntag gehören Dimitris Theodorakakos und Ourania Rebouli zu den Favoriten. „Marathon zu laufen, ist inspirierend. Und auch deswegen wird die Laufbewegung immer größer“, sagte der 36-jährige Dimitris Theodorakakos, der eine Bestzeit von 2:19:20 Stunden hat. Für ihn wird es am Sonntag bereits sein 14. Marathonlauf sein. Dagegen ist Ourania Rebouli noch eine Newcomerin. Vor einem Jahr lief die Griechin auf der schweren Athener Strecke ihr Debüt und kam nach 2:51:23 ins Ziel. Ende September steigerte sich die 26-Jährige in Berlin auf 2:39:52 und unterbot damit die griechische Olympianorm. „Man braucht nicht nur enorme Ausdauer, sondern auch mentale Stärke bei einem Marathon. Ich freue mich auf das Rennen in Athen. Es ist ein bedeutender Marathon“, erklärte die Läuferin. Es bleibt abzuwarten, was sie relativ kurz nach dem Berlin-Marathon am Sonntag in Athen erreichen kann.

Während am Freitagabend in Athen der internationale Straßenlaufverband AIMS im Rahmen einer Gala unter anderem die „2015 AIMS Best Marathon Runner Awards” vergeben wird, findet einen Tag später das 9. AIMS-Marathon-Symposium statt, an dem Laufveranstalter aus aller Welt teilnehmen. Das Thema ist dabei: „Die Doping-Bedrohung für den Langstreckenlauf“. Vier Referenten werden über ihre Erfahrungen berichten. Kyle Barber ist beim internationalen Leichtathletik-Verband IAAF für den Anti-Doping-Kampf zuständig, der frühere britische Weltklasseläufer Hugh Jones spricht über die Sicht der Athleten und der Race-Direktor des Berlin-Marathons, Mark Milde, über die eines großen Veranstalters. Yiannis Pitsiladis wird zudem über die sportmedizinische und wissenschaftliche Seite berichten. Im Rahmen des SUB2 Marathon-Projektes engagiert er sich für sauberen Hochleistungssport.