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Thomas Dreißigacker: Der neue Lauf-Bundestrainer im Porträt

| Martin Neumann I Foto: privat
Junge, aufstrebende Trainer verstärken das erfahrene DLV-Trainerteam. Einer von ihnen ist Thomas Dreißigacker. Der 29-Jährige folgt auf Wolfgang Heinig

Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hat mit Beginn des Olympiazyklus 2020 den personellen Generationswechsel fortgeführt und insgesamt 31 Bundestrainer-Posten im Spitzen- und Nachwuchsbereich verändert. Junge, aufstrebende Trainer verstärken das erfahrene DLV-Trainerteam. Einer von ihnen ist Thomas Dreißigacker. Der 29-Jährige folgt auf Wolfgang Heinig als Leitender Bundestrainer Lauf.

Zieht man den Vergleich zum Fußball, ist Thomas Dreißigacker (Foto, rechts) der Julian Nagelsmann der Leichtathletik. Der Trainer des Bundesligisten TSG Hoffenheim ist 29 Jahre alt und damit jüngster Bundesliga-Cheftrainer aller Zeiten. Thomas Dreißigacker zählt ebenfalls 29 Jahre und ist der jüngste Leitende Bundestrainer beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). Seit dem 1. Januar ist der gebürtige Hildesheimer für die Läufer und Geher des DLV verantwortlich. Zuvor war Thomas Dreißigacker zwei Jahre lang Nachwuchsbundestrainer der Mittelstrecklerinnen sowie vier Jahre DLV-Leistungsdiagnostiker. Als Wissenschaftler forschte er am Institut für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) in Leipzig, wo er ein viel beachtetes Projekt zur Talentsichtung betreute.

Der Aufstieg kommt auf den ersten Blick ziemlich überraschend. Schließlich ist der neue Leitende Bundestrainer nicht nur ziemlich jung, sondern er trainierte bisher auch keinen Top-Athleten. Schaut man genauer hin, passt die Neubesetzung jedoch ins DLV-Konzept des eingeleiteten Generationswechsels im Trainerbereich nach den Olympischen Spielen 2016. Überrascht war Thomas Dreißigacker trotzdem, als er vergangenes Jahr von DLV-Cheftrainer Idriss Gonschinska bezüglich der neuen Position angesprochen wurde.

Nervosität vor seiner neuen Aufgabe verspürt er allerdings nicht. „Ich weiß, dass ich mich auf mein Team verlassen kann“, sagt Thomas Dreißigacker. Denn mit vielen Trainern arbeitet er schon seit Jahren zusammen. Beispielsweise mit dem neuen Bundestrainer der Mittelstreckenläufer, Georg Schmidt, dem neuen Co-Bundestrainer der Mittelstreckenläuferinnen, Sebastian Weiß, oder Enrico Aßmus, dem neuen Bundestrainer der Hindernisläufer. Zu den erfahrenen Trainern im Team zählt der langjährige Frauen-Bundestrainer Henning von Papen (Foto, links). Einen ersten Austausch gab’s schon vor Weihnachten bei einem Team-Meeting.

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Ziel: Mehr Läufer in die Weltspitze bringen

Anders als sein Vorgänger Wolfgang Heinig wird Thomas Dreißigacker weniger in der direkten Betreuung von Spitzenläufern selbst stehen. Seiner Leipziger Gruppe, zu der die B-Kader-Athleten Robert Farken (800 m), Nic Ihlow (beide SC DHfK Leipzig; Straßenlauf) und Jannik Seelhöfer (SC Melle; Hindernislauf) zählen, wird er aber weiter beratend zur Seite stehen. Seine Hauptaufgabe bestehe darin, das Trainerteam weiterzuentwickeln und den Praktikern den Rücken freizuhalten. „Ferner zählt die Wissenschaftskoordination zu meinen Aufgaben“, sagt Thomas Dreißigacker. Da er vom IAT kommt, wo auch die meisten Leistungsdiagnostiken der deutschen Eliteläufer durchgeführt werden, ist das der logische Schritt. Außerdem liegt seine Promotion am IAT zum Thema „Schnelligkeitsentwicklung im Mittelstreckenlauf“ in den letzten Zügen.

Der Vertrag des 29-Jährigen orientiert sich am gerade begonnenen Olympiazyklus, läuft also bis Ende 2020. Doch Thomas Dreißigacker denkt sogar schon weiter. „Einzelne Athleten wie Gesa Krause und Christopher Linke haben gezeigt, dass auch deutsche Läufer und Geher mit der absoluten Weltspitze mithalten können. Nun geht es bis 2020 und 2024 darum, mehr Athleten dorthin zu bringen und die Weltklasse-Leistungen über mehrere Jahre stabil verfügbar zu machen. Dann gibt’s reelle Chancen auf Medaillenplatzierungen bei großen Meisterschaften“, schaut er voraus.

Wie es um die aktuelle Form der deutschen Läufer bestellt ist, beobachtet Thomas Dreißigacker aktuell im Trainingslager in Südafrika, zuvor besuchte er schon Läufergruppen in Portugal und suchte den Austausch mit Trainerkollegen und Athleten. Auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio hat der neue Leitende Bundestrainer zwei wichtige Zwischenziele definiert: die U23-Europameisterschaften diesen Sommer in Bydgoszcz (Polen) und die Heim-EM 2018 in Berlin: „Wir haben momentan sehr viele starke U23-Läufer. Allen voran Konstanze Klosterhalfen, Alina Reh, Sarah Schmidt oder Tanja Spill bei den Frauen. Patrick Karl, Marc Reuther, Marius Probst oder Robert Farken bei den Männern. Für sie geht es bei der U23-EM um Top-Sechs-Platzierungen. Diesen Schwung sollen sie dann mitnehmen Richtung EM 2018.“

Als Jugendlicher selbst Läufer und Triathlet

Thomas Dreißigacker sieht eine seiner Hauptaufgaben darin, die Leistungen im U23-Bereich zu stabilisieren und auszubauen. „Wir haben gerade in diesem Alter häufig mit Leistungsstagnationen zu kämpfen. Doch die Entwicklung in der U23 entscheidet, welche Richtung eine Karriere nimmt“, weiß er aus der Praxis. Damit die deutschen Läufer das Optimum erreichen können, will er den Hebel bei der Trainingsgestaltung ansetzen: „Ein Kernelement soll das gemeinsame Training in der Gruppe werden. Ob im Trainingslager oder vor Ort. Eine starke Gruppe sichert eine hohe Qualität im Training, davon profitieren am Ende alle Läufer.“
Diese Erfahrung hat der Trainer in seiner knapp zehnjährigen Arbeit schon häufig gemacht. Seine Karriere auf der Laufbahn hatte der Sportwissenschaftler mit Beginn seines Studiums in Leipzig und zugunsten der Trainertätigkeit beendet. „Ich war in der Leichtathletik und im Triathlon bei Deutschen Jugendmeisterschaften am Start. Gewonnen haben aber andere“, blickt Thomas Dreißigacker zurück.

Womit wir wieder bei Julian Nagelsmann wären. Auch der jetzige Hoffenheimer Coach schlug nach einer schweren Knieverletzung mit gerade einmal 20 Jahren die Trainerkarriere ein. Seine TSG-Kicker mischen in der aktuellen Saison die Bundesliga auf und sind nach 16 Spieltagen noch ungeschlagen. Vielleicht gelingt Thomas Dreißigacker im Zusammenspiel mit den Heim- und Disziplintrainern in den kommenden Jahren ja ein ähnliches Meisterstück?

Mehr: DLV leitet für Olympiazyklus 2020 personellen Generationswechsel ein