Trailrunning in der Auvergne - Ein Fest für die Sinne

| Text: Stefan Schlett | Fotos: Veranstalter, Peignée Verticale / T.Nalet VVX 2019, Gerard Fayet, Stefan Schlett

Trailrunning durch eine mystische Landschaft. Dazu Kunst, Kultur, Musik und Haute Cuisine. Das ist der Volvic Volcanic Experience, kurz VVX.

Wer „Volvic“ hört, denkt Mineralwasser. Und wohl eher selten an das kleine Städtchen „Volvic“ mitten in Frankreichs Zentralmassiv, dem die Mineralwassermarke ihren Namen verdankt – die Volvic-Quelle liegt ganz in der Nähe. Aber zumindest in der Traillaufszene könnte „Volvic“ bald für beides stehen: Die von der Mineralwassermarke ins Leben gerufene, dreitägige Volvic Volcanic Experience hat das Zeug dazu, die Gegend rund um das kleine Städtchen zu einem echten Traillaufmekka zu machen. Die nur dünn besiedelte Region westlich von Clermont-Ferrand mit ihren 80 schlafenden Vulkankegeln und dem 1465 Meter hohen Puy de Dôme im Zentrum ist ein Paradies für Naturliebhaber und Trailläufer.

Der Puy de Dôme im Morgennebel

Es war also eine naheliegende Idee hier einen Traillauf zu veranstalten. Doch was sich Veranstalter Volvic ausgedacht hat, geht weit über ein normales Traillaufevent hinaus. Der VVX findet jedes Jahr am langen Himmelfahrtswochenende statt. Ein bewusst gewählter Termin: Donnerstag ist Anreisetag, am Freitag wird gelaufen und der Samstag gehört Musik, Kunst und Kultur. Ein buntes Gemisch an Veranstaltungen verteilt sich dann auf das Zentrum von Volvic mit seinen 4.400 Einwohnern und das Marathon Village im Eventgarten am Ortsrand. Und am Sonntag geht’s nach Hause - mit jeder Menge toller Eindrücke von einem sportlichen Kurzurlaub im Gepäck.

In diesem Jahr fand der VVX zum dritten Mal statt. Bei Kaiserwetter durften sich am Christi-Himmelfahrts-Wochenende über 2000 Trailrunner auf fünf Distanzen zwischen 15 und 220 Kilometern austoben. Diverse Walkingstrecken und Kinderläufe ergänzten das Programm, sodass für jeden Bewegungsenthusiasten etwas dabei war. Zwei künstliche Vulkane fauchten als Startsignal in die Nacht, als 460 Trailläufer, dabei auch Zweier- und Dreierstaffeln, um vier Uhr morgens auf die 110 Kilometer lange Reise geschickt wurden. Um neun Uhr folgten die Marathonläufer auf leicht verlängerter Strecke über 43 Kilometer, mit 600 Teilnehmern der stärkste Wettbewerb. Eine halbe Stunde später gingen 520 Athleten auf die 25-Kilometer-Strecke und um 10 Uhr machten sich dann auch noch 480 15-Kilometer-Läufer an ihr Tagwerk. Nur der 220-Kilometerlauf wurde bereits am Mittwoch gestartet. Er ist limitiert auf je 20 Sololäufer und Zweierteams, Mindestalter 20 Jahre. Bei nur vier Verpflegungsstationen wird per Roadbook navigiert. 7500 Höhenmeter müssen die 220-Kilometer-Läufer bei ihrer Tour durch die Vulkanlandschaft der Auvergne überwinden. Und während die Läufer der kürzeren Strecken sich gerade erst auf den Weg gemacht hatten, trudelten so langsam die Finisher des Abenteuertrails ein. Einzig der Sieger, Martin Ludovic, fiel aus der Reihe – er erreichte bereits Donnerstagnacht das Ziel.

Galerie: Mystisches Licht, grandiose Blicke

Schattige Trails durch dunke Wälder dominieren die Laufstrecken im „Parc naturel régional des Volcans d'Auvergne“, dem größten regionalen Naturpark Frankreichs, der seit Juli 2018 UNESCO-Welterbestätte ist. Und wenn es aus dem Wald hinausgeht, eröffnen steile Abhänge an den Kraterrändern immer wieder grandiose Ausblicke auf die Terra Volcana, wie die Vulkankette der Chaine des Puys auch genannt wird. Der Puy de Dôme, berühmtester der schlafenden Riesen, 1465 Meter hoch, dominiert die Skyline. Bis in die 1980er Jahre machte die Tour de France hier regelmäßig Station. Die schnellsten 110-Kilometer-Läufer durften auf seinem Gipfel am frühen Morgen einen berauschenden Sonnenaufgang feiern. Leckeres aus lokaler Produktion verwöhnt die Trailläufer an den Verpflegungsständen: luftgetrockneter Schinken, Blauschimmelkäse, Hartwürste, Körnerbrot, aber auch Obst, Kuchen und aromatisierte Mineralwässer.

Musik, Kultur und Haute Cuisine

Im Marathon Village befinden sich nicht nur Start und Ziel des VVX. Kinder und Angehörige können sich dort im Klettergarten, dem Museum und bei einem Dutzend anderer Outdoorsportarten vergnügen. Ein Konzept, das viele Sportbegeisterte zu einem mehrtägigen Besuch der Region mit ihren Familien animierte. Während bereits den ganzen Nachmittag Straßenkünstler für Stimmung bei den zahlreich erschienenen Zuschauern sorgten, ging es nach der Siegerehrung weiter mit einem „diner spectacle“, einem Abendessen mit Entertainment-Programm. Für das Spektakel sorgten die regionalen Musikbands Zic Zac und Wazoo. Das Konzept des VVX ist einmalig: Mit seinen unzähligen Veranstaltungen bringt er Läufer und Besucher aller Altersschichten drei Tage lang in Kontakt mit der Natur, den Menschen, ihrer Küche und ihrem kulturellen Erbe. Mit dem VVX ist den Organisatoren und Sponsoren eine perfekte Werbung für diese wunderbare Region im Herzen Frankreichs gelungen. Der 4. Volvic Volcanic Experience findet vom 21. bis 23.5.2020 statt. Weitere Informationen findest du auf Website der Veranstaltung.

Perfekter Botschafter

Kilian Jornet (links) ist seit Kurzem Markenbotschafter von Volvic. Hier ist er beim VVX mit Emmanuel Faber zu sehen, dem CEO von Danone. Die Mineralwassermarke Volvic gehört zum Danone-Konzern.

Kilian Jornet ist zwar erst 31 Jahre alt – aber schon eine Legende. Er dominiert nicht nur die Traillaufszene, sondern auch die der Skibergsteiger. Er wuchs in den Pyrenäen auf, stand bereits im Alter von sechs Jahren auf einem Viertausender, durchquerte mit zehn die Pyrenäen der Länge nach und hat ein halbes Dutzend Speedrekorde an den höchsten Bergen der Welt aufgestellt. Und seit zwei Jahren ist der beste Trailrunner der Welt Markenbotschafter für Volvic. Jornet steht hinter der Philosophie des seit 1965 operierenden Traditionsunternehmens: „Große Unternehmen, die ökologisch und nachhaltig wirtschaften, sind Vorbilder und können in den nächsten zehn Jahren einen großen Unterschied bewirken.“ Und als Markenbotschafter durfte der Katalane beim VVX natürlich nicht fehlen. Er lief zwar nicht mit, feuerte aber die Startpistole ab. Und obwohl er derzeit viel im Flachen trainiert, ist und bleibt er ein Trailrunner: „Durch das Training im flachen Gelände will ich noch schneller werden. Das heißt allerdings nicht, dass ich Ambitionen auf ordinäre Marathon- oder Straßenläufe habe. Meine Kernkompetenz liegt in der Bergen der Welt, der rauen, archaischen Wildnis und dem Trailrunning, der ältesten und natürlichsten Fortbewegungsart der Menschheit.“

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