Trier: Klosterhalfen verteidigt ihren Titel

| Text: Christian Ermert | Fotos: Sebastian J. Schwarz

Was für ein Lauffest! Trier erlebte am letzten Tag des Jahres wieder einmal einen emotionalen Bitburger 0,0 Silvesterlauf. Bei der 28. Auflage des Traditionsrennens rund um den historischen Marktplatz der ältesten Stadt Deutschlands sorgte vor allem das Rennen der Frauen über fünf Kilometer für Spannung unter den circa 10.000 Zuschauern entlang des ein Kilometer langen Rundkurses. Am Ende setzte sich mit Titelverteidigerin Konstanze Klosterhalfen vom TSV Bayer Leverkusen die am höchsten eingeschätzte Läuferin durch. Die 20-Jährige sicherte sich bei frühlingshaften Temperaturen und böigem Wind in 15:34 Minuten den Sieg. Damit hatte sie einen klaren Vorsprung auf Salome Nyirarukundo (Ruanda/15:50) und Melat Yisak Kejeta (Äthiopien/15:51). Es war erst das zweite Mal in der 28-jährigen Geschichte des bestbesetzten deutschen Silvesterlaufes, dass einer Frau die Titelverteidigung gelang.

Hier liest du alles zum Silvesterlauf in Trier und findest die schönsten Bilder. Berichte und Bilder von den übrigen großen Silvesterläufen folgen am Neujahrstag.

Gesa Krause trotz Platz 13 glücklich in Trier

„Es ist immer wieder schön am Ende eines Jahres und zu Beginn einer neuen Saison nach Trier zu kommen. Ich glaube, es war diesmal noch lauter als letztes Jahr“, freute sich Konstanze Klosterhalfen, der es 2017 gelungen war, auf gleich drei Strecken magische Marken zu unterbieten. Sie war über 800 Meter unter zwei, über 1500 Meter unter vier und über 5000 Meter unter 15 Minuten geblieben.

Gegen Ende der vierten Runde hatte „Koko“ den Turbo eingeschaltet und sich entscheidend von der starken Konkurrenz absetzen können. „Anfangs war es locker. Dann habe ich mir gesagt `lauf mal los´. Insgesamt hat es hier super Spaß gemacht“, bilanzierte die aktuelle Hallen-Vize-Europameisterin über 3000 Meter und U23- Europameisterin über die 1500 Meter.

Für Gesa Krause setzte sich mit ihrem 13. Platz in 16:39 Minuten eine Serie fort. „Ich war hier in Trier noch nie so richtig gut.“ Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass sie 2017 zum ersten Mal als Lokalmatadorin antrat. Seit diesem Jahr startet sie für den ausrichtenden Verein Silvesterlauf Trier e.V., aber an ihrer Saisonplanung hat sie deshalb nichts verändert.

Zusammen mit ihrem Coach Wolfgang Heinig bereitet sie sich langfristig auf den Sommer vor, in dem sie bei den Europameisterschaften 2018 ihren 2016 in Amsterdam gewonnen Titel über 3000 Meter Hindernis verteidigen will. Und so hat sie erst ein Trainingslager hinter sich, in dem vor allem mit alternativen Trainingsmethoden wie Skilanglauf an der Grundlagen- und Kraftausdauer gefeilt wurde. „Es war zu erwarten, dass mir die Wettkampfhärte noch fehlt, aber zehn bis 15 Sekunden schneller wäre ich schon gern gewesen“, sagte Deutschlands „Läuferin des Jahres“, die am 9. Januar zum nächsten Höhentrainingslager in Kenia aufbrechen wird. Konstanze Klosterhalfen dagegen hatte bereits Mitte Dezember ihre Tempohärte nachgewiesen, als sie im slowakischen Samorin U23-Silber bei den Cross-Europameisterschaften gewonnen hatte.

Gesa Krause nahm den Silvesterlauf dann aber zum Anlass, um zu unterstreichen, wie gut es ihr bei ihrem neuen Verein gefällt. „Ich fühle mich pudelwohl hier und bin froh einen Vertrag abgeschlossen zu haben, der mich durch den kompletten Olympiazyklus bis 2020 unterstützt“, sagte sie in Trier. Zum Dank hat sie dem Verein dann auch mal gleich 10.000 Euro von jenen 40.000 abgegeben, die sie bei der Wahl der „Sportler des Jahres“ kurz vor Weihnachten erhalten hat. Mit dieser Summe ist der „Sparkassen-Preis für Vorbilder im Sport“ dotiert, der Gesa Krause für ihre großartige und faire Reaktion nach einem unverschuldeten Sturz im WM-Finale über 3000 Meter Hindernis von London zugesprochen wurde. Das Geld soll in die Jugendarbeit beim Silvesterlauf Trier e.V. eingesetzt werden.

Katharina Heinig (LG Eintracht Frankfurt; 16:21 min), Jana Sussmann (LT Haspa Marathon Hamburg; 16:22 min) und Corinna Harrer (LG Telis Finanz Regensburg; 16:35 min) waren als weitere Deutsche noch ein wenig schneller als die Hindernis-Spezialistin.

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Doppel-Olympiasieger von Rio landet auf Platz 209

Den Acht-Kilometer-Wettkampf der Männer entschied der Marokkaner Zouhair Talbi (auf dem Foto in der Mitte) in 23:09 Minuten klar vor James Sugira (Ruanda; 23:11 min) und Alfred Cherop (Kenia; 23:13 min) für sich. Bester deutscher Läufer war Martin Sperlich (VfB LC Friedrichshafen), der als Fünfter 23:44 Minuten lief. „Ich bin schon einige tolle Silvesterläufe, wie zum Beispiel in Bozen gerannt, aber Trier setzt da noch mal eins drauf“, sagte der EM-Zehnte über 5000 Meter begeistert.

Diese Stimmung mit Sambatrommeln, Konfetti, Tänzerinnen und Zuschauern in Zwei- bis Dreierreihen an fast jedem Meter der Strecke genossen nicht nur die Spitzenläufer, sondern auch die fast 2000 Läufer in den Volkläufen von den dreijährigen Bambinis bis zu den über 80 Jahre alten Senioren-Sportlern. Und unter die hatte sich in Trier sogar ein Doppel-Olympiasieger gemischt: Max Rendschmidt (Foto rechts) hatte in Rio 2016 Gold im Kajak-Zweier und -Vierer gewonnen. In Trier musste er sich allerdings mit Platz 209 im Männer-Volkslauf begnügen. Aber während der 38:41 Minuten, die er für die acht Kilometer brauchte, konnte der gebürtige Bonner die Stimmung beim Laufen so richtig genießen. „So etwas erleben wir ja auf den Kanu-Rennstrecken eher selten“ sagte er im Ziel.

Es gab am letzten Tage des Jahres aber auch einen Moment der Trauer und des Innehaltens: In einer Schweigeminute gedachten die Aktiven und Besucher den im abgelaufenen Jahr verstorbenen  Christoph Güntzer – über viele Jahre hinweg einer der Silvesterlauf-Macher – und Volkhart Rosch, Trainerlegende des PST Trier.

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