Emotionale Events erleben
Über die Alpen: Neue Strecke beim Trans Alpine Run

| von Christian Ermert (Text) und Andi Frank (Fotos)
In sieben Tagen zu Fuß über die Alpen. Das ist der Gore-Tex Trans Alpine Run. 2016 ist ein laufen.de-Team von Garmisch-Partenkirchen nach Brixen dabei.

In sieben Tagen auf schmalen Trampelpfaden zu Fuß über die Alpen. Das ist der Gore-Tex Trans Alpine Run, den im September 300 Zweier-Teams in Angriff nehmen werden. laufen.de-Chefredakteur Christian Ermert hat die ersten beiden Etappen der neuen Strecke von Garmisch-Partenkirchen nach Brixen im italienischen Südtirol getestet. Und vom 4. bis 10. September schicken wir Andrea Löw und Sandra Mastropietro als „Team laufen.de“ auf alle sieben Etappen.

Der Etappen-Test zum Trans Alpine Run im Video

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Auftakt an der Skisprung-Schanze von Garmisch-Partenkirchen

Die Sonne knallt auf die Skisprungschanze. 30 Grad mindestens. Die Treppen hinauf zum Pressezentrum, wo am Neujahrstag Severin Freund & Co. dick eingemummelten Journalisten Interviews geben, bringen uns schon ins Schwitzen. Wasser! Wir brauchen Wasser! Wie sollen wir bei diesen Temperaturen bloß die ersten beiden Etappen des Gore-Tex Trans Alpin Run überstehen, die sich unsere internationale Journalistengruppe für das Wochenende vorgenommen hat? Schließlich warten am nächsten Tag keine 50 Höhenmeter mit ein paar Treppenstufen auf uns, sondern 2000 – verteilt auf gut 35 Kilometer und über Stock und Stein im alpinen Gelände an der Zugspitze, dem mit 2962 Metern höchsten Berg Deutschlands .

Oben angekommen erklärt nach ein paar Gläsern Wasser Christof Schellhammer, Streckenchef des Trans Alpine Run, was uns, aber vor allem die Teilnehmer, erwartet bei der zwölften Auflage des Trailruns über die Alpen. „Es wird der beste Trans Alpine Run, den wir je hatten“, erklärt er im Brustton der Überzeugung. In den vergangenen Monaten hat sein Team eine völlig neue Strecke ausgearbeitet. Zwischen Garmisch-Partenkirchen und Brixen müssen die rund 300 Zweier-Teams in sieben Etappen 247,30 Kilometer und 14.973 Höhenmeter überwinden. Und die Trails sind noch mal spannender, aber auch anspruchsvoller geworden, wie Christof Schellhammer verrät: „Wir haben fast nur Wege ausgesucht, die man ausschließlich zu Fuß und nicht mit dem Mountainbike bewältigen kann.“

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Durch die enge und kühle Partnachklamm

Was für Wege das sind, erkunden wir schon kurz danach. Von der Schanze führt uns der Weg zunächst auf ausgetretenen Touristenpfaden die Partnach entlang. Es geht leicht bergauf, wir überholen die Pferdegespanne, mit denen Kutscher im bayerischen Trachtenlook ihre Gäste an den Eingang zur Partnachklamm bringen. Irgendwer erzählt, das sei der „deutsche Grand Canyon“. Na ja, lassen wir uns mal überraschen.

Aber plötzlich rücken die hohen Felswände am Fuß der Zugspitze wirklich immer enger zusammen. Es wird dunkel. Wir genießen die plötzliche Kühle, verursacht durch das eiskalte Wasser der Partnach, die vom Schneeferner, einem kleinen Gletscher an der Zugspitze, gespeist wird. Der Bergbach hat sich hier auf einer Länge von 700 Metern eine 80 Meter tiefe Schlucht in die Felsen gefressen. Imposant.

Wir gehen auf einem schmalen Pfad in der Felswand, an laufen ist nicht zu denken, wir müssen immer wieder den Kopf einziehen. Doch nach knapp zehn Minuten ist das kühle Zwischenspiel vorbei. Am Ende der Schlucht warten saftig grüne Bergwiesen, ein steiler Pfad und vor allem die schwüle Sommerhitze auf uns. Wir üben ein bisschen die richtige Technik fürs Bergauf- aber vor allem das Bergab-Laufen, dann ist der erste Trailrun vorbei.

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35 Kilometer und 2000 Höhenmeter auf der ersten Etappe

Am nächsten Morgen brechen wir früh auf: 35 Kilometer mit 2000 Höhenmetern stehen auf dem Programm. Die Journalisten treten zusammen mit circa 40 Trailrunnern aus der Gegend an, die auf Einladung von Gore-Tex gekommen sind. An den kommenden Wochenenden haben alle Trailrunner die Möglichkeit die neuen Etappen vorab zu testen.

In der Nacht hat es geregnet, es ist deutlich kühler. Das freut uns, denn die ersten acht Kilometer führen steil bergauf. Wir fallen vom Lauf- in einen zügigen Gehschritt. Zunächst durch den Bergwald, dann eine Skipiste hinauf. Nach gut einer Stunde ist der Weg aus dem 800 Meter hoch gelegenen Garmisch-Partenkirchen auf das 1600 Meter hohe Kreuzeck geschafft. Hart, zum Glück geht es jetzt bergab. Denken die meisten in unserer Gruppe.

Aber es folgen 700 Höhenmeter im Abstieg, die noch steiler sind als der Aufstieg. Durch den Regen der Nacht ist der Pfad durch den Bergwald extrem rutschig. Die Kombination aus nassen Steinen und Schlamm macht vor allem den Flachländern zu schaffen. Die Muskeln brennen, der Puls ist fast genauso hoch wie bergauf. Alle sind froh, als mit dem Eibsee die erste Zwischenstation erreicht ist.

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Die Ausblicke lassen alle Schmerzen vergessen

„Das gibt einen guten Muskelkater“, kommentiert später Andrea Löw unsere Trail-Erlebnisse. Die Münchnerin wird im Team mit ihrer Freundin Sandra Mastropietro vom 4. bis 10. September den ganzen Gore Tex Trans Alpine Run für laufen.de bestreiten. Sie hat bereits einen Versuch hinter sich, musste aber vor zwei Jahren auf der sechsten Etappe wegen einer Verletzung aufgeben.

Dennoch schwärmt sie von dem Etappenlauf über die Alpen. „In der einen Woche wächst da eine richtige Familie zusammen. Ich habe so tolle Menschen kennengelernt, Freundschaften sind entstanden. Es ist ganz einfach eine Wahnsinns-Atmosphäre.“ Und obwohl sie damals auf den sechs Etappen richtig gelitten hat, blieben vor allem die Menschen, aber auch die fantastischen Alpen-Landschaften in Erinnerung.

Andrea Löw und Sandra Mastropietro

Für laufen.de beim Gore-Tex Trans Alpine Run am Start:

Andrea Löw und Sandra Mastropietro

Im Sommer 2015 waren Andrea Löw (rechts) und Sandra Mastropietro für laufen.de beim Tierra Arctic Ultra am Start. Die beiden liefen 125 Kilometer durch Lappland und erlebten das bisher größte Abenteuer ihres Lebens. Vom 4. bis 10. September 2016 wartet ein vielleicht noch größeres Abenteuer auf sie: Beim Gore-Tex Trans Alpine Run wollen sie in sieben Etappen die 247,30 Kilometern und 14.973 Höhenmeter auf dem Weg von Garmisch-Partenkirchen nach Brixen überwinden. Ab sofort berichten die beiden regelmäßig auf laufen.de über ihre Vorbereitungen und Erlebnisse. Näher kennenlernen kannst du beide auf Facebook:

Hier geht's zum Profil von Andrea.

Und hier triffst du Sandra.

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Sportive Läufer schaffen den Trans Alpine Run

Damit das Leiden nicht ganz so groß wird, wurden bei der neuen Streckenführung die Etappen etwas verkürzt. Als Andrea Löw das erste Mal dabei war, musste sie teilweise knapp 50 Kilometer an einem Tag laufen. So lange Etappen wird es beim Trans Alpine Run 2016 nicht mehr geben. „Wir wollen dieses Erlebnis nicht nur Extremläufern ermöglichen, sondern allen sportiven Läufern, die sich fit genug fühlen, um sieben Tage in Folge bis zu acht Stunden lang zu Fuß in alpinem Gelände unterwegs zu sein“, erklärt Jürgen Kurapkat, der bei Sponsor Gore-Tex nicht nur für das Event zuständig ist, sondern auch selbst mitläuft.

Doch auch nach 35 Kilometern Laufen durch alpines Gelände mit 2000 Höhenmetern ist die Herausforderung groß genug, am nächsten Morgen wieder zu einem genau so langen Lauf aufzubrechen. Aus unserer Journalistengruppe schaffen es die meisten nicht. Und der Autor dieser Zeilen ist auch nur noch einmal dabei, weil er auf der ersten Etappe auf die letzten 16 Kilometer verzichtet hat. Erstaunlich ist allerdings, dass der Muskelkater nach den ersten Höhenmetern im Aufstieg fast verschwindet. Und die Ausblicke auf der zweiten Etappe der Alpenüberquerung 2016 lassen die Schmerzen dann ganz vergessen. Und sicher ist: Irgendwer von laufen.de wird auch 2017 die Alpen überqueren.

Alle Infos rund um den Gore-Tex Trans Alpine Run 2016 findest du hier: transalpine-run.com

Unser Autor: laufen.de-Chefredakteur Christian Ermert
Unser Autor: laufen.de-Chefredakteur Christian Ermert

Der ehemalige 800-Meter-Läufer (Jahrgang 1969) läuft heute nicht mehr ganz so schnell wie bei seiner Bestzeit (1:47,20 Minuten), dafür länger. 10 Kilometer und Halbmarathon sind die liebsten Strecken des Diplom-Sportlehrers, aber er genießt auch Trail-Abenteuer. Christian Ermert blieb dem Laufen auch als Journalist verbunden. Er ist von Anfang an bei laufen.de dabei und leitet die Redaktion des Online-Portals und des Print-Magazins.