Warschau laufend erleben

| Ilka Groenewold I Fotos: Veranstalter, privat

Gut fühlte sich Ilka Groenewold nicht vor dem Start beim Warschau-Halbmarathon. Eine GPS-Uhr nahm sie daher gar nicht mit auf die Strecke. Umso überraschender: Die Hamburgerin pulverisierte förmlich ihre Bestzeit und erlebete beim Lauf und danach eine Stadt voller Sehenswürdigkeiten und Kulturgeschichte.

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Reisen und dabei die Welt erkunden ist voll im Trend. Ob als Urlauber, Pilger oder gar als Läufer. Um  Augustinus Aurelius aufzugreifen: „Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.“ Wir möchten das Buch – Seite für Seite – lesen und für uns entdecken. Genau dieser Trend setzt sich in der Laufszene fort. Einen Tag vorher anreisen, die Startnummer abholen und am nächsten Tag an der Startlinie stehen, war gestern. Heute wird ein internationaler Wettkampf gern zum Kurzurlaub: Die Familie mit im Gepäck wird gemeinsam die Stadt erkundet, Shopping betrieben, ausgiebig geschlemmt und als krönender Abschluss gelaufen. Auch ich bin eine Hobbyläuferin, die dem Trend seit zwei Jahren folgt: Marathon in New York und Florenz und nun der Halbmarathon in Warschau.

Doch wie ist es dazu gekommen? Warschau ist nicht unbedingt eine Marathon-Stadt, die einem bei der Planung des nächsten Abenteuers sofort in den Sinn kommt. Inspiriert wurde ich von Sandra Mastropietro, die 2016 den besagten Halbmarathon gelaufen ist.  Polen – ein Land, dessen Boden ich bisher nicht unter meinen Füßen hatte. Warschau ist mit seinen 1,7 Millionen Einwohnern als kulturelles, wirtschaftliches und politisches Zentrum Polens bekannt und eine Stadt, in der man sicherlich einmal gewesen sein sollte. Gesagt, getan.

Am 25. März 2017 flog ich nach Warschau. Ganz ohne Erwartungen, denn wenn ich zuvor mit Leuten, die schon einmal dort gewesen waren, gesprochen habe, bekam ich entweder „Warschau ist eine schöne Stadt“ oder „Warschau ist hässlich“ zu hören. Schon auf der Taxifahrt vom Flughafen zum Hotel spürte ich: Diese Stadt ist eine Reise wert. Im Hotel angekommen, legte ich meine Laufkleidung zurecht und schaute noch ein wenig Fernsehen – einfach mal relaxen, um ausgeruht am nächsten Tag an der Startlinie stehen zu können.

Am nächsten Morgen klingelte um 7:30 Uhr der Wecker, Ich fühlte mich nicht fit, aber mein Verstand versuchte mich immer wieder zu motivieren: „Hey Ilka, du bist heute hier, um die Stadt joggend zu erkunden.“ Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es zum Start. Und irgendwie war meine Motivation immer noch nicht auf ihrem Höhepunkt, denn die Temperatur von 3 Grad Celsius machte mir dann doch zu schaffen. Um 10 Uhr fiel dann endlich der Startschuss. 14.000 Läuferinnen und Läufer machten sich beim 12. PZU Polmaraton Warszaski auf den Weg. Im Zentrum gestartet, geht es in Richtung Weichsel, die von den Läufern passiert wird und danach in Richtung Norden, bevor es am Weichselufer entlang in den südlichen Teil Warschaus geht. Nach zwei Dritteln der Strecke geht es erneut über die Poniatowskiego-Brücke Richtung Westufer, bevor das Ziel am Nationalstadion Kazimierz Gorski erreicht wird. Das Streckenprofil ist flach bis auf ein paar Herausforderungen wie die zweimalige berquerung der Poniatowskiego-Brücke und die letzten vier Kilometer zurück ins Zentrum, die von Kopfsteinpflaster und einem leichten Anstieg geprägt sind.

Nach ein paar Kilometern war mir auf einmal gar nicht mehr so kalt und so langsam kam die Sonne durch die Wolken. Optimale Voraussetzungen für eine Hamburgerin wie mich. Und so konnte ich gleich zu Beginn eine gute Pace von etwa 4:40 Minuten pro Kilometer laufen und habe diese bis zum Ziel gehalten. Wie ich das geschafft habe, ist mir ein Rätsel, zumal ich ohne Uhr gelaufen bin. Ich bin einfach der Masse hinterhergelaufen. Trotz der Sonne blieb die Temperatur unter 15 Grad - was natürlich optimale Laufbedingungen sind. Ich hängte mich immer mal wieder an Läufer ran, sichtete bei Kilometer acht die Tempomacher für 1:40 Stunden und wusste somit, dass ich recht flott unterwegs gewesen sein musste.

Gleichzeitig steig der Adrenalinpegel und Gedanken schossen mir durch den Kopf wie „Ilka, wenn du jetzt dranbleibst, kannst du Bestzeit laufen!“ In Ordnung, ich versuchte die Geschwindigkeit konstant zu halten. Gefühlt gelang mir dies auf den letzten fünf Kilometern nicht, aber die Ergebnisliste sagt etwas anderes! Herausforderungen sind doch das, was wir Läuferinnen und Läufer lieben. Also, Zähne zusammenbeißen und weiterlaufen auch wenn's hart wird!

Bestzeit!

ilka_warschau

Wie gewohnt spurtete ich die letzten 200 Meter ins Ziel, sah die Zeit von 1:44 Stunden (ich bin im zweiten Startblock zeitversetzt gestartet) – und war einfach nur glücklich. Glücklich gekämpft zu haben, glücklich mein Ziel unter 1:50 Stunden zu bleiben, erreicht zu haben. Im Umkleidezelt angekommen, sprach ich mit einer Polin und fragte, ob sie in ihrem Handy nachschauen könnte, welche Zeit ich gelaufen bin. Freundlicherweise checkte sie die Ergebnisliste und sagte mir eine Zeit von 1:39:22 Stunden. Freudenstrahlen erhellten mein Gesicht. Ich hatte meine Bestzeit gleich um fünf Minuten gesteigert. Wahnsinn! Ganz nebenbei hat mir der Warschau-Halbmarathon einiges gelehrt – man braucht keine Pulsuhr, um Bestzeiten zu laufen....auch, wenn man morgens demotiviert aufwacht, kann man hoch motiviert den Lauf finishen. Mental innerhalb des Rennens „fit zu sein“ ist das Wichtigste, um die Pace zu halten.

Ja, und weil ich am Vorabend zu wenig Zeit hatte, ging's nach dem Rennen zur Sightseeing-Tour. Der Veranstalter hatte extra eine Führung durch die Stadt organisiert. Die Laufstrecke verläuft zwar durch das Zentrum und vorbei an den wichtigsten kulturellen Sehenswürdigkeiten der Stadt – allerdings führte uns die Strecke nicht „überall“ entlang. Und so sah ich bei strahlendem Sonnenschein und einem wolkenlosen Himmel über Warschau das jüdische Viertel, den Lazienki Park Palast, Kathedralen, Kirchen und die Hochschule des Komponisten Frederic Chopin, der seine Lebenszeit in Warschau verbrachte und dem Denkmähler und Gebäude gewidmet sind.

Unser Stadtführer offenbarte sich als wahres Lexikon und so fragte ich ihn rund um Kultur und Geschichte zu Warschau aus. Und natürlich auch zum Marathon, der im September in Warschau stattfindet. Er sagte mir, dass die Strecke nicht einladend sei, da die zusätzlichen 21 Kilometer durch Bezirke verlaufen, in denen man als Tourist nicht unbedingt gehen möchte, um es vorsichtig auszudrücken. Der Halbmarathon sei da schon die bessere Wahl. Ich bin froh, ihn unter die Füße genommen zu haben. Denn: „Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

Mehr zum Warschau Halbmarathon erfährst du hier!

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