Der Wochen(end)-Rückblick
Zwei deutsche Rekorde in nur ein paar Stunden und Esther Pfeiffer hat den nächsten im Blick
Mohamed Abdilaahi entthront Dieter Baumann. Amanal Petros verbessert die eigene Halbmarathon-Bestmarke. Esther Pfeiffer kündigt nach einer Top-Leistung in Berlin Großes an. Mehr zu allem hier.
Was war das bitte schön für ein Wochenende für Deutschlands beste Läuferinnen und Läufer? Während über 40.000 in ihren Betten lagen und Schlaf vor dem Generali Berliner Halbmarathon suchten, rannte fast 10.000 Kilometer weiter westlich Mohamed Abdilaahi von Cologne Athletics die 10.000 Meter auf der Bahn als erster Deutscher in weniger als 27 Minuten. In 26:56,58 Minuten löschte der der 27-Jährige einen Rekord aus den Listen, der aufgestellt worden war, als er noch gar nicht geboren war.
5000-Meter-Olympiasieger Dieter Dieter Baumann war am 5. April 1997 im spanischen Barakaldo die 25 Runden auf der Bahn in 27:21,53 Minuten gelaufen. 29 Jahre später war Mohamed Abdilaahi beim Läufermeeting „The Ten“ in San Juan Capistrano im Großraum Los Angeles fast 25 Sekunden schneller als Dieter Baumann. Dem Kölner fehlten bei seinem Sieg über den Australier Ky Robinson nur zehn Sekunden zum Europarekord, den der britische Doppelolympiasieger Mo Farah mit 26:46,57 Minuten hält und der auch bereits 15 Jahre alt ist.
Und dann war da auch noch Frederik Ruppert (LAV Stadtwerke Tübingen): Der deutsche Rekordler über 3000 Meter Hindernis lief bei seinem ersten 10.000-Meter-Rennen auf der Bahn gleich auf Rang drei der ewigen deutschen Bestenliste: Nur Mohamed Abdilaahi und Dieter Baumann waren schneller als seine 27:24,53 Minuten, mit denen er Achter wurde. Für die Pace in der Verfolgergruppe hatte übrigens das deutsche 5000-Meter-Ass Maximilian Thorwirth gesorgt. Der dritte deutsche Teilnehmer Aaron Bienenfeld (Düsseldorf Athletics) war nach 28:11,23 Minuten im Ziel.
Den ausführlichen Bericht zum Rekordrennen von Mohamed Abdilaahi liest du hier auf leichtathletik.de
Amanal Petros glänzt mit Aufholjagd und bedankt sich bei seinem „Hasen“, der in Berlin fast gewonnen hätte
Mit diesen Nachrichten auf dem Handy gingen dann nur wenige Stunden später in Berlin die deutschen Halbmarathonasse zum Frühstück und vor allem Amanal Petros wollte es vielleicht sogar noch ein bisschen besser machen als Mohamed Abdilaahi und nicht nur seinen eigenen deutschen Rekord von 59:31 Minuten, sondern gleich die Europäische Bestmarke in Visier nehmen, die der Schwede Andreas Almgren im vergangenen Jahr auf 58:41 Minuten verbessert hatte. Über einen entsprechenden Rennplan wurde wohl am Abend vorher gesprochen.
Als es in Berlin hell wurde, deutete viel auf sehr gute Bedingungen hin. Die Straßen waren zwar noch nass vom Regen der Nacht, aber die Sonne schien und bis zum Start um zehn Uhr trockneten sie ab. Aber dann kam doch etwas Wind auf und die vier bis fünf Grad zur Startzeit fühlten sich kühler an. Zu kühl für Amanal Petros, schien es. Kurz nach der Fünf-Kilometer-Marke sah es bereits fast so aus, als sei das Rennen gelaufen für den deutschen Marathonrekordler und WM-Zeiten 2025. Binnen Sekunden hatte er den Anschluss an die Spitzengruppe um den Favoriten Michael Temoi verloren. „Es war kalt und windig, so dass ich das Tempo reduzierte, bis der Körper warm war“, erklärte Amanal Petros.
Und als sein Körper warm war, startete er eine phänomenale Aufholjagd, die auf Platz drei in deutscher Rekordzeit endete. Er war genau neun Sekunden schneller als vor einem Jahr in Berlin, als er als erster Deutscher die 21,0975 Kilometer in weniger als einer Stunde gelaufen war. In der Liste der schnellsten europäischen Läufer aller Zeiten rückte Amanal Petros auf Rang vier nach vorne. Und der Europarekord dürfte demnächst in Reichweite sein, wenn er bei wärmeren Temperaturen einen Halbmarathon läuft: „ Es war für mich einfach zu kalt, so dass ich leider nicht noch schneller laufen konnte. Ich habe in den letzten zwei, drei Monaten in Kenia bei ungefähr 20 Grad Celsius trainiert. Das ist dann nicht so leicht, wenn man in die Kälte kommt. Ich bin da recht empfindlich und habe Schwierigkeiten mit der Muskulatur.“
Den großen Bericht aus Berlin und die schönsten Fotos findest du hier auf laufen.de.
Gesa Krause will wohl erst 2028 ganz auf die Straße wechseln
Im Frauenrennen feierte Esther Pfeiffer als schnellste Deutsche (und Europäerin) den größten Erfolg ihrer Karriere. Auf einem hervorragenden fünften Platz erzielte sie mit 67:25 Minuten eine persönliche Bestzeit sowie eine deutsche Jahresbestzeit. Ein starkes Rennen lief Eva Dieterich (LAV Stadtwerke Tübingen), die sich an ihrem 27. Geburtstag als Siebte auf 67:56 Minuten verbesserte. Auf Platz neun folgte Domenika Mayer (LG Telis Finanz Regensburg) in 68:35. Eine deutliche Bestzeit lief Hindernis-Spezialistin Gesa Krause (Silvesterlauf Trier) auf Rang 13 in 68:59, womit sie „ganz happy“ war.
Ein endgültiger Wechsel auf die Straße deutet sich aber bei der zweimaligen Europameisterin über 3000 Meter Hindernis nicht an. Im Sommer konzentriert sie sich auf die EM in Birmingham. „Ich will nicht ausschließen, dass ich die nächsten zwei Jahre auf meiner Paradestrecke bleiben will. Aber das Halbmarathon -Training hilft mir in der Vorbereitung auf die Bahnsaison. Ein ganzer Marathon ist aber noch mal etwas ganz anderes“, sagte die 33-Jährige, die vergangenen Herbst einen ersten Versuch über 42,195 Kilometer nach zwei Dritteln der Strecke abbrechen musste. „Vor 2028 werde ich wahrscheinlich nicht komplett auf die Straße wechseln.“
Esther Pfeiffer nimmt deutschen Rekord über zehn Kilometer ins Visier
Viel früher vollzog dagegen Esther Pfeiffer den Sprung von der Bahn auf der Straße – und entwickelte sich in kürzester Zeit von einer 1500-Meter-Läuferin, die um den Einzug in ein Finale bei Deutschen Meisterschaften kämpfen musste zu einer Straßenläuferin, die sogar an deutsche Rekorde denkt. Am 18. April startet sie im spanischen Laredo über zehn Kilometer. Dort, wo Konstanze Klosterhalfen im Mai 2025 deutschen Rekord in 30:46 Minuten gelaufen ist. Und nach dem Generali Berliner Halbmarathon ist Esther Pfeiffer überzeugt, dass sie ihre Bestleistung von 31:39 Minuten auch in diese Richtung steigern kann: „Ich traue mir alles zu“, sagte sie im Ziel am Brandenburger Tor. Und vielleicht warten ja dieses Jahr noch mehr solcher Rekordwochenenden auf uns.