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Wochen(end)-Rückblick
Yomif Kejelcha holt sich den Weltrekord zurück – Episches Duell beim UTMB?

| von Christian Ermert und Finn Lenzen

Der Mann, der als Zweiter den Unter-Zwei-Stunden-Marathon gelaufen ist, pulverisiert den Halbmarathon-Weltrekord. In Chamonix startet Freitag das UTMB-Duell zwischen Courtney Dauwalter und Ruth Croft.

Ein Weltrekord in Buenos Aires, ein spektakuläres 800-Meter-Duell in Lausanne und zwei deutsche Hindernisläuferinnen, die gerade einmal eine Hundertstel trennte: Die vergangene Lauf-Woche hatte einiges zu bieten. Im Mittelpunkt stand Yomif Kejelcha, der über die Halbmarathon-Distanz einmal mehr Laufgeschichte schrieb. Und in Chamonix steigt dann dieses Woche mit den UTMB-Rennen das wichtigste Trailrunning-Event des Jahres, bei dem der Deutsche Hannes Namberger über die 100-Meilen-Distanz weit nach vorn laufen kann.

Was für ein Ausrufezeichen von Yomif Kejelcha: Der Äthiopier hat am Sonntag beim Halbmarathon in Buenos Aires den Weltrekord gebrochen. Nach unglaublichen 56:51 Minuten erreichte der 29-Jährige das Ziel – praktisch im Alleingang und ohne Tempomacher. Damit unterbot Kejelcha die bisherige Bestmarke von Jacob Kiplimo um 29 Sekunden. Der Ugander war im Frühjahr in Lissabon 57:20 Minuten gelaufen.

Für Kejelcha ist es bereits der zweite Halbmarathon-Weltrekord seiner Karriere. 2024 hatte er in Valencia mit 57:30 Minuten ebenfalls Kiplimo als Rekordhalter abgelöst. Nun holte er sich die zwischenzeitlich verlorene Bestmarke zurück – und sorgte gleichzeitig für eine Premiere: Noch nie zuvor war bei einem Rennen in Südamerika ein Halbmarathon-Weltrekord gefallen.

Dabei begann Kejelcha vergleichsweise zurückhaltend. Nach fünf Kilometern in 13:44 Minuten lag er noch außerhalb des Weltrekordtempos. Die Zehn-Kilometer-Marke passierte er nach 27:18 Minuten, anschließend wurde der Äthiopier immer schneller. Den Abschnitt zwischen Kilometer zehn und 15 absolvierte er in 13:21 Minuten. Spätestens jetzt war klar: Der Weltrekord wackelt. Auf den letzten Kilometern spielte Kejelcha, der zweimal Hallen-Weltmeister über 3.000 Meter war, seine enorme Grundschnelligkeit aus. Die abschließenden 1,0975 Kilometer rannte er in 2:48 Minuten.

Es ist der nächste spektakuläre Auftritt Kejelchas in diesem Jahr. Erst im April hatte er beim London-Marathon ein sensationelles Debüt gefeiert und war in 1:59:41 Stunden Zweiter geworden. Wenig beachtet von der großen Öffentlichkeit, weil im selben Rennen Sabastian Sawe noch ein bisschen schneller war und in 1:59:30 zum ersten Menschen wurde, der einen regulären Marathon in weniger als zwei Stunden finishte. Yomif Kejelcha hat am 6. Dezember beim Valencia-Marathon aber die Chance, sich auch den Weltrekord über die volle Distanz zu holen.

Auch bei den Frauen gab es in Buenos Aires eine Weltklassezeit. Fotyen Tesfay dominierte das Rennen ähnlich deutlich wie Kejelcha. Die Äthiopierin gewann in 63:57 Minuten, verbesserte den Streckenrekord um rund zwei Minuten und lief damit Weltjahresbestzeit sowie die achtschnellste Halbmarathon-Zeit der Geschichte.

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Werro gewinnt 800-Meter-Krimi in Lausanne

Hochklassig ging es auch beim Diamond League-Meeting in Lausanne zu. Über 800 Meter sorgte Europameisterin Audrey Werro für den erhofften Schweizer Heimsieg – musste auf der Zielgeraden aber noch einmal kräftig zittern.

Werro hatte das Rennen offensiv gestaltet und die erste Runde in etwa 55 Sekunden absolviert. Doch auf den letzten Metern kam Femke Broeders-Bol immer näher. Die Niederländerin, die erst in dieser Saison von den 400 Meter Hürden auf die 800 Meter gewechselt ist, erreichte nach 1:55,41 Minuten das Ziel und verbesserte ihren eigenen Landesrekord.

Werro rettete gerade einmal acht Hundertstelsekunden Vorsprung: 1:55,33 Minuten bedeuteten den Heimsieg. Schon am Donnerstag in Zürich kommt es zum nächsten hochkarätigen Duell. Dann will auch Olympiasiegerin Keely Hodgkinson eingreifen. Den ausführliche Bericht zur Diamond League in Lausanne liest du auf leichtathletik.de.

Eine Hundertstel zwischen Gürth und Meyer

Über 3.000 Meter Hindernis setzte sich in Lausanne Olympiasiegerin Winfred Yavi durch. Die Läuferin aus Bahrain gewann in 9:00,04 Minuten vor Weltmeisterin Faith Cherotich aus Kenia (9:01,90).

Aus deutscher Sicht entwickelte sich dahinter ein extrem knappes Duell: Die EM-Dritte Olivia Gürth lief in 9:22,47 Minuten auf Rang neun. Direkt hinter ihr folgte EM-Vierte Lea Meyer – in 9:22,48 Minuten. Gerade einmal eine Hundertstelsekunde trennte die beiden. Europameisterin Gesa Felicitas Krause hatte sich zunächst an die schnelle Spitzengruppe gehängt, verlor später jedoch den Anschluss und beendete das Rennen vorzeitig.

Nach einer ohnehin schon ereignisreichen Leichtathletik-Saison geht es damit Schlag auf Schlag weiter. Bereits am Donnerstag wartet beim Diamond-League-Meeting in Zürich das nächste große Kräftemessen der internationalen Lauf-Elite.

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UTMB in Chamonix: Vorjahressieger Evans startet nicht, Ruth Croft will den Titel verteidigen

Und dann ist da ja auch noch der UTMB in Chamonix, bei dem die ganze Woche über die hohe Messe des Trailrunnings mit zahlreichen Rennen über verschiedene Distanzen am Mont Blanc gefeiert wird. Nachdem im ganz langen Männerrennen über 176 Kilometer mit mehr als 10.000 Höhenmetern Titelverteidiger Tom Evans fehlen wird und zuletzt die Traillegenden Kilian Jornet und Jim Walmsley ihre Starts abgesagt haben, dürfte das Frauenrennen zum Highlight werden.

Nach ihrem ersten UTMB-Sieg im vergangenen Jahr ist die Neuseeländerin Ruth Croft die Gejagte. Die größte Herausforderin dürfte erneut Courtney Dauwalter sein. Die dreifache UTMB-Siegerin erlebte im vergangenen Jahr einen Einbruch im zweiten Streckenabschnitt und kam schließlich auf Rang zehn ins Ziel. In diesem Jahr geht sie mit dem Rückenwind ihres Sieges beim Hardrock 100 im Juli an den Start. Croft gegen Dauwalter – es ist die Neuauflage eines Duells, das die Spitze des Frauen-Ultratrails seit Jahren prägt. Ein Interview mit Ruth Croft liest du jetzt hier auf laufen.de.

Wie weit nach vorn kann Hannes Namberger laufen?

Bei den Männern rückt nach den Absagen der internationalen Stars Hannes Namberger noch stärker in den Blickpunkt. Der viermaliger Sieger des Lavaredo Ultra Trails war schon Achter und Vierte beim UTMB, am Freitag und Samstag könnte noch mehr drin sein für den wohl besten deutschen Ultratrailrunner. Auch wenn er sagt: „Mir ist die Zeit wichtiger, was für eine Platzierung rauskommt, wird man am Ende sehen.“

Sieganwärter sind Ben Dhiman, im vergangenen Jahr Zweiter hinter Evans, und Vincent Bouillard. Der Franzose gewann den UTMB 2024 und kommt nach seinem Streckenrekord beim Western States im Juni mit viel Selbstvertrauen nach Chamonix. Auch Caleb Olson, der im vergangenen Jahr den Western States gewann, und Baptiste Chassagne, Sieger der Diagonale des Fous 2025, zählen zu den Athleten, die im Kampf um die Spitzenplätze eine Rolle spielen dürften. Der Startschuss fällt am Freitag, 28. August, in Chamonix um 17:45 Uhr. Am frühen Samstagnachmittag werden die ersten dann nach gut 19 Stunden im Ziel erwartet.