Schuh-Diskussion
Alles legal: Nike präsentiert den neuen Alphafly Next%

| Text: Jörg Wenig/Natascha Marakovits | Fotos: Nike

Der Leichtathletik-Weltverband World Athletics hat auf die Kritik an der Bevorteilung von Athleten, die mit dem Nike Vaporfly Next% an Straßenrennen teilnehmen, reagiert und neue Regeln für Laufschuhe festgelegt. Fast zeitgleich stellte Nike in New York seinen neuen Next%-Laufschuh vor, der den Regeln entspricht.

Der Leichtathletik-Weltverband World Athletics hat auf die Kritik an der Bevorteilung von Athleten, die mit dem Nike Vaporfly Next% an Straßenrennen teilnehmen, reagiert und neue Regeln für Laufschuhe festgelegt. Fast zeitgleich stellte Nike in New York seinen neuen Next%-Laufschuh vor, der den Regeln entspricht.

Ein besseres Marketing für die neue Nike Next%-Produktlinie hätte es nicht geben können: Monatelang wurde diskutiert, ob die Schuhe des US-Sportartikelriesen nun legal sind oder nicht. Eine von World Athletics eingesetzte Kommission sollte Klarheit schaffen und nun steht fest: Der Nike Vaporfly Next%, mit dem ein Großteil der jüngsten Top-Leistungen im Marathonlauf erzielt wurden, wird nicht verboten, denn er entspricht den vom Verband festgelegten Regeln. Damit nicht genug: Nach Bekanntgabe der Entscheidung wurde von Nike in New York eine neue Produktlinie präsentiert. Die Rede ist vom Nike Air Zoom Alphafly Next% - der Weiterentwicklung des umstrittenen Vaporfly Next%.

Der Verband legte fest, dass die Sohle eines Laufschuhs nicht dicker als 40 Millimeter sein darf und sich maximal eine Carbonplatte darin befinden darf. Diese kann in mehrere Stücke aufgeteilt sein, darf aber zum Beispiel nicht übereinander liegen oder überlappen. Legal sind damit die Schuhe, in denen Eliud Kipchoge und Brigid Kosgei ihre Marathon-Weltrekorde in Berlin und Chicago liefen. Nicht regelkonform ist dagegen jenes Modell, das Kipchoge in Wien bei seinem ohnehin nicht legalen Rennen nutzte, bei dem er erstmals in Wien den Marathon unter zwei Stunden lief.

Der neue Nike Air Zoom Alphafly Next%, der neueste Wettkampfschuh von Nike, entspricht den aufgestellten Regeln. Er verfügt über zwei sogenannte Nike Zoom Air-Pods, mehr ZoomX-Schaum und eine einzige Carbonfaserplatte sowie ultraatmungsaktives, leichtes Flyknit-Obermaterial. Außerdem kommt mit dem Tempo Next% ein speziell auf das Training abgestimmter Schuh auf den Markt und auch Spikes wird es von der Next%-Linie geben.

Die neuen Produkte wurden jetzt präsentiert, weil eine weitere Regel von World Athletics besagt, dass neue Modelle zukünftig mindestens vier Monate lang im Handel angeboten worden sein müssen, bevor sie von Elite-Athleten im Wettkampf getragen werden dürfen. Da die olympischen Marathonläufe in Tokio am 8. und 9. August stattfinden, müssten also neue Schuhe spätestens Anfang April auf dem Markt sein.

Nike dominiert bei den Bestzeiten

Dass schon bald die Schuhe einen größeren Anteil an den Leistungen der Top-Athleten haben würden, hatte Mark Milde schon vor fast vier Jahren geahnt. Der Race-Direktor des Berlin-Marathons sagte im Rahmen einer im Sommer 2016 veröffentlichten Umfrage bezüglich der Zwei-Stunden-Barriere im Marathonlauf: „Ich denke, dass die Zwei-Stunden-Barriere eines Tages durchbrochen wird … Ich kann mir vorstellen, dass Weiterentwicklungen im Laufschuhbereich eine Rolle spielen können …“ Genau das bewahrheitete sich, und in den letzten Monaten standen die Schuhe von Langstreckenläufern so sehr im Mittelpunkt wie noch nie.

Bei den sieben Rennen, die 2019 zu der World Marathon Majors-Serie zählten, trugen alle sieben Männer-Sieger die Schuhe des US-Konzerns. Von den 21 Top-3-Platzierungen bei diesen Rennen hatten nur zwei Läufer Schuhe einer anderen Marke. Bei den Frauen war es ähnlich: Vier der 21 Podiums-Platzierungen wurden mit einem deutschen Modell erzielt, die anderen jeweils mit einem Schuh der US-Firma.

Bereits 2018 lief der kenianische Olympiasieger Eliud Kipchoge in Berlin mit 2:01:39 Stunden einen Marathon-Weltrekord, der nur noch 100 Sekunden von einer regulären Zeit von unter zwei Stunden entfernt ist. Ein gutes Jahr später durchbrach der Kenianer diese Barriere in einem allerdings illegalen Rennen in Wien mit 1:59:40,2. Dabei hatte Kipchoge eine Weiterentwicklung des Vaporfly Next% an den Füßen. Einen Tag später stürmte seine Landsfrau Brigid Kosgei in Chicago zu einem sensationellen Marathon-Weltrekord von 2:14:04.

Eine Reihe von ehemaligen Weltklasse-Langstreckenläufern haben sich kritisch geäußert bezüglich der neuen Schuh-Modelle. „Dies Schuhe müssen verboten werden“, wird der frühere 5.000-Meter-Läufer Tim Hutchings im Leichtathletik-Newsletter „Athletics International“ zitiert. „Diese Technologie hat dazu geführt, dass es derart dramatische Leistungssteigerungen gibt, dass der Sport beschädigt wird. Es fallen persönliche Bestzeiten, nationale Rekorde, Streckenrekorde und sogar Weltrekorde - das ist lächerlich“, erklärte der heute als TV-Kommentator arbeitende Tim Hutchings.

Ein Verbot ist also vom Tisch. Bleibt offen, inwieweit andere Laufschuhhersteller mit neuen Produkten Nike Konkurrenz machen können.