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Interview: Anna Hahner vor ihrem Start in Berlin

| Jörg Wenig I Foto: Norbert Wilhelmi
Anna Hahner ist zurzeit Deutschlands beste Marathonläuferin. Im Interview spricht sie über ihren Start beim Berlin-Marathon am Sonntag.

Anna Hahner ist zurzeit Deutschlands beste Marathonläuferin. Erst 25 Jahre alt, hat sie sich seit ihrer Marathon-Premiere 2012 kontinuierlich gesteigert und lief im vergangenen Jahr beim BMW Berlin-Marathon mit 2:26:44 Stunden ihre aktuelle persönliche Bestzeit. Ihr größter Erfolg gelang ihr im Frühjahr 2014. Damals gewann sie sensationell den Vienna City Marathon. Anna Hahner startet für den Verein Run2Sky und lebt mit ihrer Zwillingsschwester Lisa in Gengenbach (Schwarzwald). Im Vorfeld ihres Starts in Berlin gab Anna Hahner das folgende Interview.

Ihr Rennen könnt ihr am Sonntag in unserem Live-Ticker verfolgen!

Anna Hahner
Anna Hahner beim Interview im Vorfeld des Berlin Marathons. ©Photorun
Nach einem Ermüdungsbruch im Wadenbein wird Ihre Schwester Lisa am 25. Oktober in Frankfurt ihr Marathon-Comeback laufen. Was trauen Sie Ihr zu?Anna Hahner:Lisa ist nach ihrer Verletzung sehr gut wieder zurück ins Training gekommen. Sie konnte zunächst durch Rennradfahren eine super Grundlage legen – das war ganz so wie bei mir nach meinem Ermüdungsbruch im Frühjahr 2013. Dadurch ist es gelungen, die Belastungen beim Laufen gut zu steigern. Ich bin überzeugt davon, dass Lisa in Frankfurt unter 2:28:30 Stunden laufen kann und damit ebenfalls die Qualifikation für den Olympia-Marathon in Rio schaffen kann. Das ist natürlich ein Sprung von ihrer derzeitigen Bestzeit von 2:30:17 Stunden. Lisa konnte 2014 und nun im Frühjahr 2015 jeweils keinen Marathon laufen, hat aber jeweils die Vorbereitungen mitgemacht. Daher hatte sie eigentlich schon 2014 das Vermögen, unter 2:30 Stunden zu laufen.

Wie wichtig ist es für Sie, dass Sie beide zusammen trainieren können? Wie schwierig ist es, wenn eine von Ihnen verletzungsbedingt einige Zeit ausfällt?
Anna Hahner: Es ist natürlich ein Mega-Vorteil, wenn wir zusammen trainieren können. Aber es ist trotzdem nicht das primäre Ziel. Denn auch wenn wir beide fit sind und gleich aussehen, gibt es Unterschiede, die die Regeneration und das Training betreffen können. Es kann sein, dass wir bei einem 80-Minuten-Programm mit Tempowechseln nur 20 Minuten zusammen einlaufen, und danach rennen wir getrennte Wege. Wenn eine von uns verletzt ist, ist das kein  Nachteil für die andere. Denn die, die nicht laufen kann, zieht die andere nicht runter – im Gegenteil, wir unterstützen uns immer gegenseitig. Als Lisa noch nicht wieder rennen durfte,  hat sie zum Beispiel Gehübungen auf dem Rasen im Stadion gemacht oder ist Radgefahren während ich gelaufen bin. Lisa hat mir jetzt übrigens voraus, dass sie mit dem Mountainbike über eine Flasche springen kann – damit muss ich mich im Herbst mal beschäftigen …

Gibt es neben dem unfangreichen Training zurzeit Zeit für Hobbies oder andere Tätigkeiten?
Anna Hahner: Wir haben das Glück, dass unser Hobby ja zugleich unser Beruf ist. Das ist richtig cool! Zurzeit beschäftigen wir uns auch viel mit dem Hahnertwins Club. Es gibt viele Kontakte zu Breitensportlern, und wir schaffen es, alle Fragen individuell zu beantworten.

Sie sind im Frühjahr 2012 Ihren ersten Marathon in Düsseldorf gelaufen. Wie sehen Sie Ihre bisherige Karriere im Marathon?
Anna Hahner: Meine Marathonkarriere ist mit den Olympischen Spielen verknüpft. Ich wäre nicht so früh schon meinen ersten Marathon gelaufen, wenn es nicht die Chance gegeben hätte, die Olympia-Qualifikation zu schaffen. 60 Meter vor dem Ziel habe ich dann damals in Düsseldorf die Uhr gesehen und mir gesagt, verdammt, es reicht nicht ganz. Es war mir aber sofort klar, dass die Spiele in Rio 2016 das große Ziel sein würden. Ich hatte den Marathon entdeckt, das klassische Rennen ist seitdem meine große Leidenschaft. Olympische Spiele und Marathon – das ist das Größte überhaupt.

Sie hatten schon große Erfolge in Ihrer noch jungen Karriere, zum Beispiel der Sieg beim Wien-Marathon 2014.
Anna Hahner: Damit hatte ich zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht rechnen können. Gleiches galt für meine Bestzeit in Frankfurt im Herbst 2013, als ich mich auf 2:27:55 steigern konnte. Es gibt manchmal unerwartete Sprünge, aber das Training hat dann vorher auf eine Verbesserung hingedeutet. Es ist einfach wichtig, dass man gelassen, locker und mit einer gewissen Unbekümmertheit in einen Marathon geht – ich versuche das heute noch so zu machen wie vor meinem ersten Marathon.

Was ist in der Zukunft möglich?
Anna Hahner: Ich setze mir keine Grenzen. Ich glaube, dass ich noch sehr viel schneller rennen kann als bisher. Mit jeder Marathonvorbereitung werde ich stärker. Dabei hilft es, dass ich mit Renato Canova einen wirklich coolen Trainer habe. Er ist mit Leidenschaft dabei, und sein Ziel ist es, dass wir so schnell wie möglich laufen. Diese Zusammenarbeit macht viel Spaß. Mal sehen, wie weit wir noch kommen.

Gibt es ein Traumziel?
Anna Hahner: Es wäre toll, wenn ich 2024 bei Olympischen Spielen in Hamburg Marathon laufen könnte. Zuvor haben wir auf jeden Fall die Europameisterschaften 2018 in Berlin als ,Heimspiel’.