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BMW Berlin-Marathon
Bis zu 35.000 sollen am 26. September in Berlin laufen

| von Christian Ermert & Jörg Wenig

Beim 47. BMW Berlin-Marathon sollen am 26. September wieder bis zu 35.000 Menschen durch die Hauptstadt laufen. Hier liest du, wie das in diesen Corona-Zeiten möglich werden soll.

Die Aufbruchsstimmung, die derzeit in ganz Deutschland zu spüren ist, erfasst auch die Laufszene. In Berlin wurde gestern auf einer Pressekonferenz das Konzept vorgestellt, mit dem beim BMW Berlin-Marathon am 26. September zwischen 30.000 und 35.000 Läuferinnen einen fast normalen Marathon erleben sollen. Auf den berühmten 42,195 Kilometern vorbei an allen wichtigen Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt, aber mit umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen, um eine Ausbreitung des Corona-Virus bei dem Event zu verhindern. „Entscheidend sind für uns die drei Gs: Geimpft, genesen, getestet“, erklärte Geschäftsführer Jürgen Lock bei einer Pressekonferenz der veranstaltenden SCC Events GmbH, bevor er das Sicherheitskonzept im Detail vorstellte, mit dem auch Teilnehmer*innen aus dem Ausland sicher in Berlin starten sollen.

Auch in Hamburg, Köln, München und Frankfurt sind für den Herbst wieder große Marathonläufe geplant. Was die Veranstalter dort vorhaben, liest du hier.

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Wer in Berlin am 26. September laufen will, muss von Covid 19 genesen, dagegen geimpft oder frisch negativ getestet sein. Das sind die Regeln. Am einfachsten wird der Start für alle sein, die Ende September vollständig gegen Covid 19 geimpft oder nach einer nachgewiesenen Erkrankung genesen sind. Sie müssen dann beim Check-in vor der Startunterlagenabholung auf der Marathonmesse ihren Immunitätsstatus nachweisen, erhalten ein individuelles Armband, mit dem sie sich fortan auf dem Veranstaltungsgelände bewegen können.

Etwas komplizierter wird es für diejenigen, die keine vollständige Impfung nachweisen können und auch nicht von Covid-19 genesen sind: Für sie ist ein PCR-Test Pflicht, der bis nach dem Zieleinlauf gültig ist. Aber die Macher des Berlin-Marathons lassen im Rahmen ihres Konzeptes die Menschen nicht allein. „Die Teilnehmenden können während der gesamten Eventphasen unentwegt Support einfordern, sodass sie wenig Aufwand haben und fast normale Veranstaltungen erwarten dürfen“, sagt Jürgen Lock.

Damit das auch funktioniert, hat das Team von SCC Events unter Federführung seines Medical Directors, dem Lungenfacharztes PD Dr. med. Matthias Krüll, ein umfangreiches Hygienekonzept entwickelt. In dem 150 Seiten starken Papier ist dezidiert beschrieben, wie die Teilnehmer*innen ihren negativen PCR-Test erhalten sollen, der die Teilnahme am Berlin-Marathon ohne Impfung ermöglichen wird.

Die Marathonmesse Expo soll – wie vor der Pandemie üblich – auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof stattfinden. Wer dahin will, muss einen negativen Coronaschnelltest vorweisen oder am Eingang ablegen. Auf dem Messegelände soll es für bis zu 20.000 Menschen die Möglichkeit geben, einen PCR-Test zu machen. Dessen negatives Ergebnis ist dann für 72 Stunden gültig und ermöglicht so den Start beim 47. BMW Berlin-Marathon. Der Nachweis erfolgt an kontrollierten Zugängen zum Veranstaltungsbereich mit einem individuellen Armband auf dem ein QR-Code angebracht sein wird, der den negativen Teststatus nachweist. Positiv getestete Menschen werden natürlich umgehend informiert und begeben sich in Quarantäne.

Die Kosten für den PCR-Test muss der oder die Teilnehmer*in zusätzlich zum Startgeld selbst tragen. Sie werden laut SCC-Geschäftsführer Jürgen Lock bei circa 50 Euro liegen. „Wir gehen davon aus, dass bis Ende September mindestens 50 Prozent mit dem vollen Impfschutz an den Start gehen werden und haben uns daran bei der Zahl der benötigten PCR-Tests orientiert“, erklärt Jürgen Lock und fügt an, dies sei eine „sehr konservative“ Schätzung. Die Wahrscheinlichkeit sei hoch, dass am 26. September deutlich mehr Läuferinnen und Läufer über den vollen Impfschutz verfügten.

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Der Halbmarathon ist für August mit bis zu 25.000 Aktiven geplant

Ähnliche Konzepte sollen bereits bei der Adidas Runners City Night am 31. Juli über zehn Kilometer auf dem Kurfürstendamm und beim Generali Berliner Halbmarathon am 22. August umgesetzt werden. So sollen bei der City Night zwischen 3000 und 3500 Läuferinnen starten können, beim vom Frühjahr in den August verlegten Halbmarathon erwarten die Veranstalter 20.000 bis 25.000 Läuferinnen und Läufer.

Die Konzepte dafür wurden als Pilotprojekt mit Unterstützung der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport erarbeitet. „Wir wollen diese Pilotprojekte starten und bereiten sie vor. Denn wir wollen eine schrittweise Öffnung der Normalität. Das aber muss man rechtzeitig testen. Wir müssen uns auf den Weg machen, um Zukunft möglich zu machen“, sagt der Berliner Innensenator Andreas Geisel, der in der Stadt auch für Sport zuständig ist.

Der Senator warnt aber auch angesichts der weiteren Entwicklung der Pandemie: „Es gibt keine Sicherheit, dass der Berlin-Marathon stattfinden kann, aber die Wahrscheinlichkeit ist da. Wenn die Inzidenzwerte weiter sinken, ist eine Zulassung des Pilotprojektes denkbar.“ Die vom Veranstalter vorgestellten Hygiene-Konzepte bewertet Andreas Geisel als „für die Läufer sehr sicher“.

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Sichere Bereiche für Zuschauer, aber Geschehen an der Strecke kaum kontrollierbar

Für Zuschauer soll es an einzelnen Punkten wie dem Ziel sichere Bereiche geben, die nicht frei zugänglich sein werden. Hier sind ähnliche Zugangsvoraussetzungen geplant wie für die Teilnehmer. In Berlin, wo sich zurzeit Veranstaltungen mit maximal 500 Personen im Freien erlaubt sind, gab es in den vergangenen Wochen bereits verschiedene Pilotprojekte mit Zuschauern im Spitzensport. Unter anderem beim Basketball mit Alba und im Volleyball habe dies, so Andreas Geisel, mit 1.500 Zuschauern funktioniert – bei einem Fußball-Bundesligaspiel mit Union dagegen nicht, da die Zuschauer sich dort nicht an die Vorgaben hielten.

Für den Marathon müsse man bezüglich der Zuschauer „geschützte Bereiche errichten“, so der Senator, der aber auch sagt: „In einer 3,7-Millionen-Stadt kann man nicht ausschließen, dass irgendwo Zuschauer dabei sein.“ Der Senator scheint der Veranstaltung zugetan und erklärt: „Der Berlin-Marathon ist auch ein Wirtschaftsfaktor. Die Stadt braucht solche Veranstaltungen und in schwierigen Zeiten muss man zueinanderstehen und Perspektiven bieten.“ Die volkswirtschaftliche Wertschöpfung für die Hauptstadt durch den Berlin-Marathon bezifferte er mit 380 Millionen Euro.

Der der Pressekonferenz online zugeschaltete Physiker und Aerosol-Wissenschaftler Dr. Gerhard Scheuch erklärt den Marathon aus infektiologischer Sicht für deutlich ungefährlicher als Indoor-Veranstaltungen: „Wenn 1.500 Zuschauer zu Alba gehen können, verwundert es mich, dass nicht 5.000 Läufer draußen laufen können. Sich draußen zu bewegen, ist relativ ungefährlich. Wir registrieren da Ansteckungen von vielleicht 0,1 Prozent.“

Und am Ende gab es dann auch noch einen Ausblick auf das große Jubiläum des BMW Berlin-Marathon, das 2024 zur 50. Auflage steigen soll. „Mit hoffentlich 50.000 Teilnehmern“, sagt Jürgen Lock, der schließlich noch verkündete, dass der BMW Berlin-Marathon weiter live im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen sein wird. Der entsprechende Vertrag mit der ARD und dem RBB wurde jetzt verlängert.