10 Kilometer-DM: Alina Reh siegt im Alleingang

| Text: Artur Schmidt | Fotos: Imago

In Europa ist kaum jemand schneller als Alina Reh. Wer sollte die EM-Vierte von Berlin bei den Deutschen Meisterschaften im 10-Kilometer-Straßenlauf schon schlagen? Niemand konnte. Und so lief Alina Reh in Bremen in einem einsamen Rennen zum Titel. Mit 32:22 Minuten zeigte sie eine starke Leistung. Ihre gute Form will sie in diesem Jahr noch für mindestens zwei schnelle Rennen nutzen.

Die letzten Deutschen Einzelmeisterschaften der Saison wurden am vergangenen Sonntag in Bremen ausgetragen. Vor den Toren des Weserstadions präsentierte der Bremer Leichtathletikverband einen schnellen Rundkurs über 10 Kilometer. Das Aushängeschild dieser Meisterschaften war zweifelsfrei die EM-Vierte über 10.000 m  - Alina Reh (SSV Ulm 1846), die sich kurzfristig für einen Start an der Weser entschieden hatte. Da Fate Tola Galeto (Athletics Hannover) und Miriam Dattke ( LG Telis Finanz Regensburg) ihren Start verletzungsbedingt kurzfristig absagen mussten, war die 21-Jährige Schwäbin von Beginn an allein auf weiter Flur.

Das Rennen wurde zusammen mit den männlichen Altersklassen M50 bis M80 gestartet. Gleich nach dem Start ging Reh in Führung und gab diese bis ins Ziel nicht mehr ab. Nach fünf Kilometern zeigte die Uhr eine Durchgangszeit von 16:03 Minuten. Die Verfolgergruppe um die Berlinerinnen Deborah Schöneborn und Luisa Boschan (LG Nord Berlin) hatte nach der Hälfte der Strecke schon einen Rückstand von über 30 Sekunden.

Angriff auf U23-Rekord in Köln geplant

Obgleich die Laufbedingungen nahezu optimal waren, fehlte Alina Reh „der Druck von hinten“. Dennoch siegte sie in einer Klassezeit von 32:22 Minuten. „Es wäre schön gewesen, wenn einer der Altersklassenläufer hätte mitgehen können. Alleine vorneweg zu laufen, teilweise gegen den Wind, verhinderte eine bessere Endzeit. Vielleicht sollte man im nächsten Jahr in Siegburg einmal darüber nachdenken, die M40 und M45 mit in den Frauenlauf zu integrieren“, meine Alina Reh im Siegerinterview.

 

Sie lobte die Organisation und deutete an, demnächst ihre gute Form noch einmal nutzen zu wollen, um im Rahmen des RheinEnergie Marathon Köln einen Angriff auf ihre eigene nationale U23-Bestleistung im Halbmarathon machen zu wollen. Zuvor wird sie beim Heimrennen in Ulm, im Rahmen des Einsteinmarathons die 10 Kilometer laufen. Ein Start in Berlin über 10 Kilometer steht ebenfalls noch in ihrem diesjährigen Terminplan.

 

Durch den Ausfall von Tola und Dattke schoben sich die Berlinerinnen um Deborah Schöneborn und Luisa Boschan in den Vordergrund. Die Ränge Zwei und Drei in 33:55 und 34:58 Min. reichten für die Medaillen Silber und Bronze im Einzel und Gold im Team.

Arbogast mit starkem Finish zum ersten DM-Gold

Bei den Männern präsentierte sich LG Telis Finanz Regensburg gewohnt stark. Die „Blauen“ um Coach Kurt Ring hatten die weite Anreise aus der Oberpfalz nicht gescheut, um sich auch bei diesen Meisterschaften zu präsentieren. Obwohl mit Philipp Pflieger, Jonas Koller und Dominik Notz noch drei aussichtsreiche Kandidaten nicht teilnehmen konnten, zeigte sich der Rest des Teams um den EM-Teilnehmer Florian Orth, dem Vorjahresweiten Simon Boch und Tim Ramdane Cherif während des gesamten Rennverlaufes in der Spitzengruppe des Feldes.

Hier machte sich der Rehlinger Tobias Blum lange Zeit für das Tempo verdient. Mit dabei Samuel Fitwi Sibhatu, der gebürtige Eriträer von der LG Vulkaneifel. Hoch motiviert an der Startlinie Torben Dietz im Trikot der LG Filder.

Mäßiges Tempo auf der ersten Hälfte

Kein Läufer aus der kompakten Spitzengruppe wollte auf den ersten fünf Kilometern zu viel riskieren. Nach mäßigen 15:07 Minuten wurde die Halbzeit-Marke passiert. Langsam wurde das Tempo gesteigert, ohne dass die Spitzengruppe gesprengt wurde. Es lief alles auf eine Spurtentscheidung hinaus. Florian Orth war der Erste, der den Spurt anzog. Ihm folgten Fitwi Sibahatu Samuel und Jannik Arbogast (LG Regio Karlsruhe), den eigentlich keiner so richtig auf der Rechnung hatte. Mit einem starken Finish zog er an seinen Konkurrenten vorbei und holte sich überraschend seinen ersten Deutschen Meistertitel.

 

Nach guten 29:24 Minuten überlief er die Ziellinie mit hoch erhobenen Händen vor dem U23-Sieger Fitwi Sibhatu Samuel, der ihm im Abstand von drei Sekunden als Gesamtzweiter folgte. Bronze ging an Florian Orth, der zusammen mit seinen Teamkameraden Simon Boch (5.) und Tim Ramdane Cherif (7.) überlegen Team Gold gewann. Undankbarer Vierter wurde Tobias Blum, der einen maßgeblichen Anteil daran hatte, dass die zweite Rennhälfte in starken 14:17 Minuten zurückgelegt wurde. Glücklich über eine neue Bestleistung über 10 Kilometer war der EM-Teilnehmer im 50-Kilometer-Gehen, Karl Junghannß (LC Erfurt), der mit 30:10 Minuten Silber in der U23 erlief.

 

Weniger Teilnehmer als erhofft

Zu den 169 Finishern im Lauf der Männer Hauptklasse und U23 gesellten sich 57 Akteure der M 35 bis M 45. In 19 weiteren Wertungsklassen der Altersklassen männlich und weiblich wurde um die begehrten Medaillen und DM Wimpel gekämpft. Durch die am Samstag im Harz stattfindenden DM Berglaufmeisterschaften fehlten einige Deutsche Meister aus den Vorjahren.

 

Herwig Renkwitz vom Bremer Leichtathletik-Verband und Dr. Matthias Riek (DLV-Vizepräsident) sorgten mit ihrem Team für einen reibungslosen Verlauf dieser Meisterschaften. Besonders erfreulich, dass nach einer stimmungsvollen Siegerehrung von nur einer Stunde, die Teilnehmer gegen 14.00 Uhr ihre Heimreise antreten konnten.

 

Der Deutsche Leichtathletik-Verband hat die 19. Deutschen Meisterschaften über 10 Kilometer an Siegburg vergeben. Thomas Eickmann wird mit seinem Team einen interessanten Stadtkurs anbieten und hofft auf eine größere Beteiligung als in diesem Jahr.

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