Kampf gegen Corona
Ein starkes Immunsystem dank Sport

| Text: Redaktion | Fotos: Adobe Stock/Zlikovec, Derrick Thomson, Artzt

Neben Abstand, Alltagsmasken, Hygiene und dem Einhalten der Corona-Regeln, hilft es im Kampf gegen Covid-19 auch, wenn möglichst viele Menschen ihr Immunsystem stärken. So geht's.

Unser Experte Gerrit Keferstein erklärt hier, wie Laufen und Kraft-Ausdauertraining den Körper widerstandsfähiger gegen Viren und Bakterien machen.

Gerrit, ein starkes Immunsystem ist in der Covid-19-Pandemie wichtiger denn je. Welchen Einfluss haben Bewegung und Sport auf das Immunsystem?
Das Immunsystem kann von Muskelaktivität profitieren. Hier sind zum Beispiel die Myokine zu nennen. Wie sich schon von dem Namen ableiten lässt (myo=Muskel, kine(tik)=Bewegung), handelt es sich bei den Myokinen um hormonähnliche Botenstoffe, die von der Muskulatur bei Bewegung produziert und freigegeben werden. Für die Immunabwehr nimmt hierbei das Myokin Interleukin-6 (IL-6) eine Schlüsselposition ein. Das Paradoxe ist dabei, dass IL-6 eigentlich eine Alarmsubstanz für Entzündungen ist.

Unser Experte: Gerrit Keferstein

Gerrit Keferstein ist Medizinischer Direktor des Mojo-Instituts für Regenerationsmedizin in Hennef. Als Arzt und Coach mit mehrjähriger nationaler und internationaler Erfahrung im Profi- und Leistungssport bedient er die Schnittstelle zwischen Krankheit, Rehabilitation und maximaler Leistungsfähigkeit. Nach seinem Sportstudium an der University of Wisconsin in den USA hat er Medizin in Budapest, in Göttingen, im Saarland und in Bonn studiert. Im Anschluss hat er als Coach unter anderen die Bundesligateams der Kölner Haie (Eishokey) und der Telekom Baskets Bonn (Basketball) sowie die deutsche Eishockeynationalmannschaft und den Deutschen Olympischen Sportbund unterstützt. Hier findest du mehr Informationen zu ihm und seinem Institut.

Wie wirken diese körpereigenen Substanzen?
Wichtig zu verstehen ist, dass Myokine im Blut eigentlich Entzündungsmarker sind. Der Körper startet Entzündungsprozesse immer dann, wenn es gilt, Krankheitserreger zu bekämpfen, beschädigtes Gewebe abzustoßen oder Heilungsprozesse einzuleiten. Der aktive Muskel kann aber IL-6 und andere immunologische Myokine ausschütten. Da die Skelettmuskulatur eines der größten Organe des Menschen ist, haben diese vermutlich eine einflussreiche Wirkung. Es gibt Hinweise darauf, dass die freigesetzten Myokine hormonähnlich wirken und so chronischen, sogenannten „niedriggradigen“ Entzündungen (hierunter fallen zum Beispiel Übergewicht und Typ 2 Diabetes) entgegenwirken, indem sie Abwehrzellen zum Wachstum anregen, mobilisieren und umverteilen. So ist vermutlich gerade der durch den Sport kurzfristig ausgelöste IL-6-Impuls ausschlaggebend für die positive Wirkung. Nach dem Sport können bis zu 100-fach erhöhte IL-6 Blutwerte auftreten, die dann aber rasch wieder abfallen. Diese kurzfristige „Überflutung“ löst sofortige Gegenmaßnahmen des Körpers aus, etwa vergleichbar mit einem Impfeffekt. Man könnte sagen, dass der kurzfristige Reiz der Bewegung eine Art Entzündungsprophylaxe auslöst. Bei körperlich inaktiven oder von einer Stoffwechselerkrankung betroffenen Personen zeigen sich hingegen dauerhaft chronisch hohe IL-6 Werte im Blutserum, welche die Entstehung von Zivilisationskrankheiten fördern.

Werden bei jeder Bewegung Myokine ausgeschüttet?
Extreme Ausdauerbelastung (z.B. ein Marathon) lässt den Anteil von IL-6 im Blutserum um bis auf das 100-fache ansteigen. Trotzdem muss man kein Extremsportler werden, um von dieser Unterstützung des Immunsystems zu profitieren. Schon mit 90 bis 120 Minuten Ausdauerbelastung pro Woche können die Werte um bis auf das 10-fache angehoben werden. Dabei ist es am effektivsten, wenn möglichst viele große Muskelgruppen eingesetzt werden. Hierfür eignet sich neben dem Laufen auch ein individuell angepasstes Kraft-Ausdauertraining.

Zirkeltraining: Gut für die Fitness und fürs Immunsystem

Du möchtest wissen, welche Übungen gut für dein Immunsystem sind? Hier stellen wird dir ein Zirkeltraining vor, das perfekt zum Laufen passt und dir auch dabei hilft, dein Immunsystem zu stärken.

Welche Übungen, welchen Sport kannst du hier konkret empfehlen?
Wer sein Immunsystem stärken will, sollte sich viel in der Natur bewegen. Laufen, schwimmen, Rad fahren, Training mit dem eigenen Körpergewicht oder auch Kraftsport in der Natur. Beim Krafttraining sind Ganzkörper-Übungen wie Kreuzheben, Kniebeugen, und Klimmzüge empfehlenswert. Bester Einstieg : Man schliesst einen Vertrag mit sich selber, dass man sich jeden Tag 30 Minuten bewegen wird. Manchmal ist es nur ein Spaziergang, manchmal ist es Stretching, manchmal geht man Laufen, manchmal ist es Kraftsport. Die 30 Minuten werden jeden Tag durchgeführt. Keine Ausnahmen. Nur der Inhalt variiert.

Gilt das nur für Gesunde?
Nein, Bewegung ist nicht nur für Gesunde sinnvoll, sondern in Hinblick auf die Stärkung des Immunsystems nach Absprache mit dem Arzt vor allem auch für Personen mit Zivilisationskrankheiten oder solchen, die mit erhöhten Entzündungswerten einhergehen wie zum Beispiel Rheuma und Arthrose.