Interview: So will Jan Frodeno Triathlon-Geschichte schreiben

| Interview: Norbert Hensen | Fotos: fx_makesapicture

Er ist Olympiasieger, Inhaber der Weltbestzeit auf der Triathlon-Langdistanz, zweimaliger Sieger des legendären Ironmans auf Hawaii. Und er ist ein Läufer par excellence. Wir haben Jan Frodeno in London zum Exklusiv-Interview getroffen.

Jan, du bist seit vielen Jahren als Triathlet erfolgreich, 2016 war aber ein ganz besonderes Jahr. Erst die Weltbestzeit mit 7:35:39 Stunden in Roth, dann die Titelverteidigung auf Hawaii und am Ende des Jahres wieder viele Ehrungen. Wann ist wieder Normalität in dein Leben eingekehrt?
Die Normalität kehrt bei mir am nächsten Tag nach dem Wettkampf wieder ein. Das muss auch so sein. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich in den vergangenen beiden Jahren außerhalb der Wettkämpfe einen trainingsfreien Tag hatte. Klar, gibt es nach Erfolgen besonders viele Termine, aber das Training darf darunter nicht leiden.

Du bist als Sportler erfolgreich, aber längst auch als Geschäftsmann. Warum?
Gemeinsam mit meinem Manager Felix, der zugleich mein bester Kumpel ist, habe ich 2009 eine Agentur gegründet. Wir haben unsere Eigenmarke Frodissimo aufgebaut und an einigen kleinen Firmen beteiligt. Ich möchte die Chancen nutzen, die sich mir gerade bieten. Das bringt einige Termine mit sich, die einfach sehr gut koordiniert werden müssen, ist aber auch unglaublich spannend.

Das hört sich nach einer sehr intensiven Zeit an. Wie schaffst du das?
Ich habe gerade große Lust, richtig Gas zu geben. Momentan habe ich die Energie dazu, das alles unter einen Hut zu bekommen. Ich muss die Gelegenheit nutzen. Als Profi-Fußballer kannst du auf dem Niveau mal eben einen Vertrag für ein paar Millionen unterschreiben und dich nur auf den Sport konzentrieren – das ist im Triathlon anders. Deshalb denke ich schon an die Zukunft. Das alles geht aber nur, wenn du sehr fokussiert bist und dir andere den Rücken freihalten. Ich bin sehr dankbar, dass meine Familie mich bei allem so unterstützt. Ohne ein großes Team um mich herum wäre das nicht zu schaffen – das Privileg weiß ich zu schätzen. Meine Geschäfte sind aber vor allem auch gut für den Kopf und helfen mir, mich ein bisschen vom Sport abzulenken.

Hast du auch mal ein Motivationsloch?
Ich habe auch einen inneren Schweinehund, den ich manchmal besiegen muss. Und ich weiß zu gut, wie es sich anfühlt, in einem ganz tiefen Motivationsloch fest zu stecken – und zwar über Wochen und Monate. Daraus habe ich viel gelernt. Seit einigen Jahren geht es mir richtig gut. Vielleicht ist Demut in dem Zusammenhang der falsche Ausdruck, aber ich bin dankbar, wie es gerade läuft.

Im Porträt: Jan Frodeno
Im Porträt: Jan Frodeno

Jan Frodeno wurde am 18. August 1981 in Köln geboren. Jetzt pendelt er zwischen Saabrücken, Girona und der australischen Stadt Noosa hin und her. Verheiratet ist er mit der australischen Olympiasiegerin und dreifachen Triathlon- Weltmeisterin Emma Snowsill, mit der er im Februar 2016 den ersten gemeinsamen Sohn bekam. 2008 war er Olympiasieger, in den beiden vergangenen Jahren triumphierte er beim Ironman auf Hawaii.

Hat diese Einstellung zum Sport und zum Leben auch damit zu tun, dass du vor einem Jahr Vater geworden bist?
Diese neue Rolle hat meine Einstellung zum Sport nicht verändert, aber es verändert deinen Blick auf andere Dinge des Lebens. An fünf von sieben Abenden in der Woche bin ich beim Training, wenn der Kleine ins Bett geht. Momentan geht es nicht anders, aber ich versuche, so viel Zeit wie möglich, mit meiner Familie zu verbringen – und da stehen dann PR-Termine, Social Media Aktionen und andere Dinge, die natürlich auch für mich wichtig sind, hinten an.

Was treibt dich an?
Der ständige Drang, noch besser zu werden.

Und da bleibt wenig Platz für Kompromisse?
Der Fokus muss stimmen. Ein Beispiel: Ich habe einen super Trainingspartner, den interessieren Termine wie heute hier nur wenig. Der war mit mir heute Morgen um 6 Uhr auf der Rolle, um 9 Uhr haben wir Tempoläufe gemacht. Um 12 Uhr waren wir dann gemeinsam im Wasser. Ich bin dann nach London geflogen. Morgen früh holt er mich mit dem Rad am Flughafen ab, dann geht’s weiter. Und ich weiß, dass er mir die Zeiten richtig um die Ohren hauen wird. Dem ist egal, dass ich hier heute Abend sitze, Interviews gebe und erst spät ins Bett komme.

Er scheint ein wichtiger Fixpunkt in deinem Sportlerleben zu sein …
... absolut. Das erdet einen – einerseits. Er ist aber auch ein ständiger Gradmesser für meine Leistungsfähigkeit. Und das ist extrem wichtig für mich. Ich möchte schließlich besser werden. Und das geht nur, wenn du auf höchstem Niveau trainierst und gefordert wirst.

Was sind die wichtigsten Saisonziele 2017?
Im vergangenen Jahr habe ich drei Langdistanz-Rennen gemacht und insgesamt dadurch nur vier Wettkämpfe. Das waren mir zu wenige Rennen. Ich will 2017 öfter starten, auch in Deutschland häufiger antreten. Von daher freue ich mich auf mehr Wettkämpfe, aber der Fokus liegt auf dem zweiten Oktober-Wochenende.

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>>Ich hab das Gefühl, ich bin im Besten Alter.<<

Du sprichst von der Weltmeisterschaft auf Hawaii. Du willst den dritten Sieg in Folge?
Ich will gewinnen, klar, sonst müsste ich nicht antreten. Mein Ziel ist es, auf Hawaii eine Streckenbestzeit aufzustellen. Wenn es dieses Jahr nicht klappt, komme ich halt wieder.

Die Bestzeit auf dem schwierigen Kurs liegt bei 8:03:56 Stunden. Kann man auf Hawaii die 8 Stunden unterbieten?
Ich denke, dass es möglich ist. Aber auf Hawaii ist man sehr von den Bedingungen abhängig. Mein Ziel ist es auf jeden Fall.

Ist es für dich ein Traum, dort Geschichte zu schreiben? Oder bist du gar kein Träumer?
Doch, ich bin durchaus ein Träumer. Ich habe einen Wissenschaftler als Trainer an meiner Seite – vielleicht ergänzt sich das deshalb auch so gut. Ich sage es mal so: Meine Träume sind sehr konkret mit einem Plan verbunden. Dadurch sind meine Träume sehr zielgerichtet. So bekommt alles eine klare Marschroute. Meine Träume leben momentan auf Hawaii.

Machst du dir Gedanken, wann es mit den sportlichen Träumen vorbei sein könnte?
Mir ist schon klar, dass ich mit 35 im Leistungssport kein Jungspund mehr bin. Aber mir macht das gerade alles so viel Spaß, dass ich mich mit dem Karriereende nicht beschäftige. Ich habe wirklich das Gefühl, dass ich jetzt gerade im besten Alter für Höchstleistungen bin. Und dann wird irgendwann der Tag kommen, an dem mir mein Körper und auch mein Kopf signalisieren, dass es an der Zeit ist aufzuhören. Aber das wird hoffentlich noch eine ganze Weile dauern.

Du kennst ja Phasen, in denen der Körper nicht mitgespielt hat…
… ja, ich habe es ja eben schon angedeutet. Es gab Zeiten, in denen aufgrund von Verletzungen und anderen Problemen nicht klar war, ob ich nochmal auf höchstem Level Rennen bestreiten kann. Das sind die schwierigen Phasen im Leben eines Sportlers. Aber das gehört fast bei jedem in einer langen Karriere dazu. Auch deshalb weiß ich es gerade zu schätzen, gesund zu sein.

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>>Meine größte Stärke ist das Mentale<<

Was ist deine größte Stärke?
Die mentale. Und im Triathlon keine wirkliche Schwäche zu haben.

Keine Schwächen?
Temporär habe ich die natürlich schon. Momentan bin ich im Laufen noch nicht so weit, wie ich gern wäre. Aber insgesamt sind meine Leistungen im Schwimmen, Radfahren und Laufen schon sehr ausgeglichen.

Du hast eben von deinem Team gesprochen. Wie wichtig sind die Personen hinter dem Individualsportler Jan Frodeno?
Ohne ein starkes Team kannst du solche Leistungen nicht abliefern. Ich habe mittlerweile einen fest angestellten Physiotherapeuten, der mit mir um die Welt reist. Die Gesundheit meines Körpers ist mein höchstes Gut – darin muss ich auch investieren. Aber auch meine Frau, meine Eltern, mein Manager und Freund Felix, mein Trainingspartner – alle gehören dazu. Und ohne sie wäre ich niemals so erfolgreich geworden.

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>>Sponsoren und Partner sind existenziell<<

Welchen Stellenwert haben deine Sponsoren und Partner in diesem Konstrukt?
Sie sind existenziell. Ohne die Unterstützung kannst du nicht als Profi trainieren. Dabei geht es nicht nur um finanzielle Zuwendungen. Das beste Equipment zu haben, ist für mich enorm wichtig. Mit Asics zum Beispiel verbindet mich eine Partnerschaft seit 2004 – länger als mit jedem anderen meiner Partner. Das ist mehr als irgendein Sponsor! Sie entwickeln Produkte, die mich besser machen und ich kann mich andererseits mit meiner Erfahrung in die Entwicklung einbringen. Diese Verbindung ist wunderbar. Ich bin da wirklich anspruchsvoll, komme nicht mit jedem Schuh zurecht. Bei Asics ist das mittlerweile schon ein Running-Gag – weil ich immer so viele Modelle testen will. Für diese Saison haben nochmal extrem viel gemacht. Zwei Tage in Kobe/Japan im Asics Institute of Science, die ganze Palette....

Wie läuft es denn mit dem neuen Asics Noosa FF?
Ein Laufschuh, der perfekt passt, super leicht und dynamisch. Damit macht das Training Spaß und er ist auch eine Option für den Marathon. Und ein bisschen Frodeno steckt auf jeden Fall drin und das nicht nur, weil ich in Noosa/Australien überwintere. Ich mag aber auch den Asics Fuze X Rush im Training.

Welchen Schuh läufst du im Wettkampf?
Ich werde in diesem Jahr den Asics GEL-Hyper Tri 3 im Rennen laufen, der nochmal etwas leichter geworden ist als sein Vorgänger. Dazu habe ich von den Entwicklern aus Japan noch eine Maß-Einlegesohle im Schuh. Ich bin sehr gespannt auf den ersten Wettkampf in diesem Modell.

Letzte Frage: Warum sollte jeder Läufer einen Triathlon bestreiten?
Ganz einfach: zur Abwechslung. Ich bin aber auch davon überzeugt, dass Läufer mit Hilfe des Triathlon-Trainings Leistungssprünge erzielen werden. Und durch das abwechslungsreiche Training wird man weniger Verletzungsanfällig. Meine Empfehlung: unbedingt ausprobieren.

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