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Olympia ohne Kenias Läufer-Stars?

| Text: Jörg Wenig | Bilder: Imago
Kenias Läufer-Stars müssen um Olympia in Rio bangen. Die Doping-Bekämpfung soll in Kenia nicht regelkonform sei.

Kenias Läufer-Stars müssen um ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio im August bangen. Wie die World Anti-Doping-Agency (WADA) bekannt gab, wurde Kenias neue Anti-Doping-Gesetzgebung als „nicht konform gehend“ mit den Richtlinien der WADA eingestuft.

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Mit Eliud Kipchoge wäre auch der beste Marathonläufer der Welt betroffen

Von einer Sperre Kenias wäre mit Eliud Kipchoge auch der zurzeit beste Marathonläufer der Welt betroffen. Obwohl der Kenianer, der zuletzt die Marathonläufe in London und Berlin gewonnen hat, über den Testpool der World Marathon Majors sicher öfter getestet wird als viele seiner potenziellen Konkurrenten in Rio, droht auch ihm das Olympia-Aus.

Diese Einschätzung der WADA von Donnerstag kommt überraschend, nachdem die Kenianer quasi in letzter Minute vor kurzem ein knallhartes Anti-Doping-Gesetz im Parlament verabschiedet hatten. Demnach drohen zukünftig gedopten Athleten aber auch Beteiligten aus dem Umfeld sogar Gefängnisstrafen. Es wird aber vermutet, dass es bei der neu aufgestellten nationalen Anti-Doping-Agentur Kenias Bereiche gibt, die nicht mit dem WADA-Code konform gehen. Details sind bisher nicht bekannt.

Nach der Empfehlung vom Donnerstag müssen die Kenianer ähnlich wie Russlands Leichtathleten den Ausschluss von den Sommerspielen in Rio befürchten. Über einen Start der Russen entscheidet der Welt-Leichtathletik-Verband IAAF Mitte Juni. Kenia steht seit Jahren unter dem Verdacht, weder ausreichend Doping-Kontrollen durchzuführen noch funktionsfähige Anti-Doping-Labore zu unterhalten. 2015 war Kenia bei der Leichathletik-WM das erfolgreichste Land.

Seit 2012 sind mehr als 40 kenianische Leichtathleten wegen Dopings gesperrt worden. Dazu wurde in diesem Jahr nahezu die komplette Spitze des Verbandes Athletics Kenya vom Weltverband IAAF suspendiert.

Die Entscheidung ob Kenias Leichtathleten bei den Olympischen Spielen an den Start gehen dürfen, liegt nun einerseits beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und andererseits beim Internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF). Beide Verbände können auch unabhängig voneinander Sperren aussprechen. Kommt es zu einer Sperre durch die IAAF droht den Kenianern auch das Aus bei den großen Straßenläufen im Herbst. Nachdem die Frühjahrs-Straßenlaufsaison praktisch vorbei ist, könnten Kenias Läufer aber auch bei den Leichtathletik-Meetings im Sommer nicht starten.

Wie die internationale Nachrichtenagentur AFP berichtet, gibt es aber noch etwas Hoffnung für die Kenianer. Demnach antwortete WADA-Präsident Craig Reedie auf die Frage, ob Kenia noch rechtzeitig vor Olympia entsprechende Veränderungen umsetzen könnte, um dem WADA-Code zu entsprechen: „Ja, es ist die Frage, wie schnell sie reagieren … sie sind jetzt am Zug.“

Der frühere Olympiasieger Kipchoge Keino, heute Vorsitzender des Nationalen Olympischen Komitees von Kenia, machte die Regierung für die Situation verantwortlich. Gegenüber der Zeitung  „Daily Nation“ erklärte er, er sei nicht überrascht von der WADA-Einstufung. „Das Sportministerium hat nicht gehandelt - ich habe schon vor langer Zeit gesagt, dass wir uns in Gefahr befinden“, erklärte Keino.

Auch der 3000-Meter-Hindernis-Olympiasieger Ezekiel Kemboi beschuldigte in der Zeitung den Sportminister. „Ich gebe dem Minister die Schuld für all das. Das Anti-Doping-Gesetz hätte schon lange vorher verabschiedet werden müssen. Warum wurde das verzögert? … Der Minister hat versagt in seiner Verantwortung. Wenn dein Haus anfängt zu brennen, dann sitzt du doch auch nicht da und schaust zu - du löschst das Feuer! Aber was haben wir gemacht? Wir haben uns zurückgelehnt und zugeschaut.“