Mein erstes Wüstenrennen: 250 KM durch Namibia

| Andrea Löw I Fotos: Veranstalter, privat

250 Kilometer durch die Wüste rennen. In sechs Etappen. Verrückt? Verrückt! laufen.de-Autorin Andrea Löw ist dabei, wenn am Sonntag in Namibia der Startschuss zum Sahara Race fällt. Warum tut man sich das an? Wie bereitet man sich auf so ein Wüstenrennen vor? Andrea erzählt es uns.

"Land der Extreme"

In einem Reiseheft lese ich: „2000 Kilometer lang grenzt die Namib an den Ozean. Ihre Dünen sind die höchsten der Welt, ihr Klima ist das trockenste auf Erden.“ Der Merian nennt diese Region weiter ein „Land der Extreme, dessen Name alles sagt: ‚der Ort, an dem nichts ist‘“.
 
Da werde ich also ab Sonntag laufen. Drei Tage lang jeweils ein Marathon, dann eine 80-Kilometer-Etappe, für die wir zwei Tage Zeit haben, dann wieder ein Marathon. Die letzte Etappe ist dann so etwas wie ein Zielsprint: sieben Kilometer. Auf dem Rücken trage ich während dieses langen Laufes durch die Wüste alles, was ich in dieser Woche brauche: Schlafsack, Isomatte, Essen für eine Woche, eine recht umfangreiche Pflichtausrüstung. Zelte und Wasser bekommen wir gestellt. Das Wasser ist nur zum Trinken und Zubereiten von Mahlzeiten gedacht. Nicht zum Waschen. Das dürfen wir damit nicht, dazu ist es zu kostbar. Ich habe für jeden Tag einen feuchten Einmal-Waschlappen im Rucksack. Das muss reichen.
 
Klingt verrückt? Ist es bestimmt auch. Und wisst ihr was? Ich freue mich wie verrückt auf dieses Wüstenabenteuer. Ja, es wird hart, es wird anstrengend. Ich werde an meine Grenzen kommen, physisch und psychisch. Ich habe allergrößten Respekt, ich erwarte große Emotionen – positive wie negative. Ich bin aufgeregt und zähle die Tage, bis es endlich losgeht. Jetzt ist es soweit.
 
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Es ist wunderbar mit all den Verrückten

Am Samstag, 29. April, werden wir, nachdem unsere Pflichtausrüstung kontrolliert und die mitzuführenden Kalorien gezählt wurden, mit Bussen von Swakopmund zur Skeleton Coast gebracht, einige Hundert Kilometer Richtung Norden. Skelettküste … da laufen beziehungsweise laufen und marschieren wir. Wir – das sind momentan 104 gemeldete Läufer aus aller Welt. Wir – das sind aber auch die Verrückten aus dem „Little Desert Runners Club“, den der erfahrene Wüstenläufer Rafael Fuchsgruber ins Leben gerufen hat. Seit zehn Jahren nimmt er an solchen Rennen teil. Anlässlich seines Wüstenlauf-Jubiläums hat er Läufer, die von der Wüste fasziniert sind, motiviert, an diesem Lauf teilzunehmen. Ein Dutzend Rookies sind wir nun – einer nervöser als der andere.
 
Und ich mittendrin, voller Nervosität. Und voller Glück darüber, dass ich das erleben darf, dass ich wirklich zu einem solchen Abenteuer in die älteste Wüste der Welt aufbrechen darf. Wüsten haben mich schon immer fasziniert. Die karge Landschaft. Die Stille. Seit ich Ultra-Distanzen laufe, habe ich immer wieder daran gedacht, dass ich mir irgendwann im Leben den Traum erfüllen werde, durch die Wüste zu laufen. Nun mache ich es früher als erwartet, weil die Gelegenheit so gut war. Und Rafaels Tipps sind Gold wert, jeder einzelne. Trainings-, Ausrüstungs-, Ernährungstipps. Ich wäre aufgeschmissen ohne seine Ratschläge und seine Geduld. Und die Gruppe Gleichgesinnter, in der wir jede noch so nebensächlich erscheinende Frage in der Planung unseres Abenteuers mit einer großen Ernsthaftigkeit diskutieren, ist auch Gold wert. Es ist wunderbar mit all den Verrückten.

Lange, langsame Trainingsläufe

Schon die Vorbereitung war ein Abenteuer. Die umfangreiche Pflichtausrüstung hat dazu geführt, dass gefühlt jeden zweiten Tag der Paketbote neues Equipment geliefert hat. Ich könnte einen Outdoor-Laden aufmachen und habe keinen blassen Schimmer, wie das alles in meinen Wüsten-Laufrucksack passen soll. Allein der Beutel mit den Tapes und Pflastern, die ich zum Verarzten potenzieller Blasen dabei haben muss, ist gar nicht so klein. Verpflegung: Plötzlich bin ich in der wahnwitzigen Situation, dass ich Nahrung suche, die möglichst viele Kalorien hat, um bei geringem Gewicht die vorgeschriebene Kalorienzahl zu erreichen.
 
Im Training laufe ich seit Wochen, nein Monaten langsam und lang, so oft es geht. Das Gewicht des Rucksacks habe ich dabei von 4,5 auf knapp 9 Kilogramm gesteigert. Das hat meinem Rücken und meinem Nacken nicht immer gefallen, aber auch das kann man trainieren, wie ich jetzt weiß. Zwei Marathons und drei 6-Stundenläufe habe ich absolviert, einmal sogar im Doppelpack: samstags der 6-Stundenlauf in Nürnberg, sonntags der in Fürth – beide Male zusammen mit anderen Läufern aus dem „Little Desert Runners Club“ und dem Rucksack auf dem Rücken. Letzterer hat immerhin zu vielen netten Gesprächen auf der Strecke geführt, weil natürlich alle wissen sollten, warum wir auf einer 1,5 Kilometer-Runde mit riesigem Rucksack laufen. Zu diesen Wettkämpfen kommen zahlreiche lange Läufe an der Isar hinzu – mal mit Freunden, mal allein.

Eine Woche lang "back to the roots"

Ich habe ordentlich trainiert, da muss ich mir keinen Vorwurf machen. Ob am Ende alles gutgeht, weiß man nie, zu viel kann passieren. Aber ich bin, bei allem Respekt vor dieser großen Aufgabe, verhalten optimistisch. Ich werde mir Zeit lassen, gehe auf keinen Fall die ersten Etappen zu schnell an. Die Zeitlimits sind großzügig, man könnte zügig durchmarschieren. Wie ich mit der Hitze und der Bodenbeschaffenheit klarkomme, weiß ich nicht. Kappe auf dem Kopf, Gamaschen an den Schuhen – soweit ist vorgesorgt. Eine Menge Elektrolyte sind ebenfalls dabei. Der Rest wird sich zeigen. Ansonsten heißt es „back to the roots“: Eine Woche nicht duschen, eine Woche dieselben Klamotten, nach anstrengenden Etappen auf der harten Isomatte in einem Zelt mit sieben anderen Läufern schlafen, kein Internet. Ich nehme mein Smartphone nicht einmal mit. Ich, die sonst nie offline ist ...
 
Auf den langen Etappen wird es ruhig sein und ich werde sehr viel Zeit mit mir allein haben. Ich habe gehört, dass die Wüste dich verändert, dass du als ein anderer Mensch wieder aus ihr zurückkommst. Ich bin gespannt. Wahnsinnig gespannt. Und starte in das bisher größte Abenteuer meines Läuferlebens!
 

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