Silvesterlauf: Elena Burkard triumphiert in Trier

| Text: Christian Ermert | Foto: Holger Teusch

Hindernisspezialistin Elena Burkard hat beim 29. Bitburger 0,0% Silvesterlauf in Trier für einen deutschen Sieg gesorgt. Die 26-Jährige von der LG Farbtex Nordschwarzwald setzte sich gegen Anna Gehring vom ASV Köln durch. Europameisterin Gesa Krause vom ausrichtenden Silvesterlauf-Verein kam als Zwölfte ins Ziel, während bei den Männern 10.000-Meter-Europacup-Sieger Richard Ringer in seinem letzten Rennen für den VfB LC Friedrichshafen Vierter wurde.

Einen perfekten Jahresabschluss gab es für Elena Burkard in Trier: Die 26 Jahre alte 3000-Meter-Hindernis-Spezialistin gewann den Bitburger 0,0% Silvesterlauf über fünf Kilometer in 15:59 Minuten und rannte damit zum bisher größten Straßenlauf-Sieg ihrer Karriere.

Ganz überraschend kam der Sieg von Elena Burkard jedoch nicht, denn die Läuferin hatte erst vor wenigen Wochen sehr starke Form bewiesen: Bei den Crosslauf-Europameisterschaften hatte sie Rang sechs erreicht. Diesen Platz hatte Elena Burkard auch schon bei den Leichtathletik-Europameisterschaften im August in Berlin im Hindernisfinale belegt.

Allerdings hatte sie selbst nicht damit gerechnet zu gewinnen. Nach der Cross-EM war sie krank und konnte nicht so viel trainieren wie sie wollte. Demensprechend froh war sie nach ihrem Sieg vor Anna Gehring (ASV Köln; 16:03 min) und Beatha Nishimwe (Ruanda; 16:06 min): „Es hat super viel Spaß gemacht, überall waren Leute, und ich hatte das Gefühl, ich muss mich zurückhalten, um nicht zu überpacen“, meinte sie.

An den Sieg dachte sie aber erst im Ziel. „Es ist mir schon ein paar Mal passiert, dass ich noch kurz vor dem Ziel überspurtet worden bin, deswegen wollte ich auch nicht nach hinten gucken. Ich wusste, dass mir Anna auf den Fersen ist“, meinte die EM-Sechste über 3000 Meter Hindernis, die nach fünf Jahren Chemie-Studium in San Francisco jetzt in Tübingen ihren Master macht.

Im Schatten von Gesa Krause, die in Trier Zwölfte wurde

In Trier erlebte sie nicht nur ihre Silvesterlauf-Premiere, sondern auch die erste Pressekonferenz mit ihr als eine der Hauptakteurinnen. Trotz ihres sechsten EM-Platzes steht sie eben noch im Schatten der anderen deutschen Top-Läuferinnen wie Europameisterin Gesa Krause. Die zeigte sich allerdings beim bedeutendsten deutschen Silvesterlauf, der von ihrem Verein veranstaltet wird, noch nicht in Top-Form. Sie kam auf Platz zwölf in 16:41 Minuten ins Ziel.

Dennoch war Deutschlands „Läuferin des Jahres“ nicht unzufrieden mit ihrem ersten Rennen seit dem EM-Sieg von Berlin. Direkt danach war sie krank, dann folgte ein langer Urlaub, um ausgeruht in zwei harte Jahre auf dem Weg zu Olympia 2020 in Tokio zu starten. „Für mich war es heute eine gute Standortbestimmung, es ging mir nicht schlecht. Bis zur vierten Runde war es auch verhältnismäßig flüssig. Aber mir fehlt einfach die Tempohärte und das Über-den-Schmerz-hinausgehen-Können“, meinte sie nach dem Rennen.

Auf eine optimal vorbereitete Gesa Krause müssen die Trierer wohl bis nach den Olympischen Spielen 2020 warten. „Irgendwann würde ich natürlich auch gerne mal beim Rennen meines Vereins ganz vorne um den Sieg mitlaufen, aber da muss man abwägen, wann das sein kann. Wenn Olympische Spiele anstehen, kann ich nicht sagen, dass der Silvesterlauf mein Höhepunkt ist.“

Ihr nächster Höhepunkt soll die Hallensaison sein. „Ich plane eine Hallensaison mit allem Drum und Dran. Ich würde auch gerne bei den Hallen-Europameisterschaften in Glasgow starten, weiß aber noch nicht ob über 1500 oder 3000 Meter“, sagte sie in Trier.

Richard Ringer als Vierter begeistert von der Atmosphäre in Trier

Im Trainingslager in der Höhe von Kenia hatte sie aber zuletzt vor allem an den Ausdauer-Grundlagen gefeilt. Zusammen mit Richard Ringer, der in Trier das Männerrennen auf Rang vier beendete. Der 10.000-Meter-Europacup-Sieger, der ab 2019 für den LC Rehlingen starten wird und auch den Ausrüster wechseln wird (von Adidas zu Asics), hatte in 23:08 Minuten nur sieben Sekunden Rückstand auf den aus Kenia stammenden Belgier Isaac Kimeli, der bei der Cross-EM die Silbermedaille gewonnen hatte.

Richard Ringer, der in den vergangenen Jahren mehrmals den Silvesterlauf im österreichischen Peuerbach gewonnen hatte, war begeistert von der Atmosphäre auf der Ein-Kilometer-Runde in der mittelalterlichen Altstadt von Trier: „Die Stimmung war fast auf dem ganzen Kilometer grandios. Man muss allerdings ziemlich konzentriert laufen wegen der Pflastersteine, den Absperrungen, den Zuschauerhänden und vor allem wegen des Konfettis. In der zweiten Runde habe ich einen Schwall Konfetti in den Mund bekommen. Aber das gehört an Silvester dazu“, schwärmte der 29-Jährige, der noch am Neujahrstag ins Trainingslager ins portugiesische Monte Gordo aufbrechen wird, um die Vorbereitung auf einen Halbmarathon zu starten, den er für Februar plant.

Trauer um Organisationschef Egbert Ries

Die Veranstalter des 29. Silvesterlaufes hatten wenige Tage vor dem Rennen einen Trauerfall zu verkraften. Der langjährige Organisationschef des Laufes, Egbert Ries, war im Alter von 67 Jahren nach einer längeren Krankheit verstorben. Seit 2005 hatte er den Silvesterlauf federführend organisiert.

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