Starke deutsche Zeiten in Barcelona und Verona

| Text: Jörg Wenig | Fotos: imago images

Beim Halbmarathon in Barcelona hat Amanal Petros (Foto) in 62:18 Minuten den Leistungsnachweis für einen Marathonstart bei Olympia in Tokio erbracht. Mit Simon Boch (62:31), Samuel Fitwi Sibhatu (62:34) und Philipp Pflieger (62:50) blieben drei weitere Deutsche unter 63 Minuten. In Verona erzielte Arne Gabius parallel 63:25 Minuten. In Barcelona glänzten auch die deutschen Frauen: Mit Alina Reh (70:08 Minuten), Debora Schöneborn (71:37), Rabea Schöneborn (71:40), Miriam Dattke (71:40) und Laura Hottenrott (71:56) blieben gleich fünf Läuferinnen unter 72 Minuten. Das gab es noch nie.

Amanal Petros hat beim Barcelona-Halbmarathon auch das letzte Kriterium für eine Nominierung für den olympischen Marathon erfüllt: Mit einer persönlichen Bestzeit von 62:18 Minuten belegte der 24-Jährige bei dem Rennen über genau 21,0975 km Platz elf und war der beste deutsche Läufer im Männerfeld. Damit steigerte er sich um 14 Sekunden und erfüllte locker den vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) geforderten Leistungsnachweis für eine Nominierung. Hier war eine Zeit von mindestens 65:00 Minuten gefragt. Mit seiner neuen Bestzeit verbesserte sich Amanal Petros in der Liste der schnellsten deutschen Halbmarathonläufer aller Zeiten um einen Platz auf Rang elf. Das Rennen in Barcelona gewann der Kenianer Victor Chumo mit 59:58 Minuten vor Stephen Kissa (Uganda), der nach 60:00 zeitgleich mit dem drittplatzierten Moses Koech (Kenia) im Ziel war.
 
Die deutschen Läufer erreichten in Barcelona ein einmaliges Ergebnis, denn zum ersten Mal liefen vier Deutsche in einem Rennen Zeiten von unter 63 Minuten. Alle erzielten persönliche Bestzeiten. Eine sehr gute Steigerung von gut zwei Minuten gelang Simon Boch (LG Telis Finanz Regensburg), der auf Rang 13 eine Zeit von 62:31 erreichte. Seine bisherige Bestzeit stand bei 64:36. Ebenfalls um gute zwei Minuten verbesserte sich Samuel Fitwi Sibhatu (LG Vulkaneifel), der als 16. nach 62:34 im Ziel war. Sein persönlicher Rekord stand vorher bei 64:44. In der Vorbereitung auf seinen Start beim Hamburg-Marathon am 19. April lief auch Philipp Pflieger (LT Haspa Marathon Hamburg) erstmals unter 63 Minuten: Er belegte Rang 19 mit 62:50 und verbesserte sich um 24 Sekunden. Um gut eine Minute steigerte sich Tobias Blum auf Rang 25 mit 63:19. Konstantin Wedel (LG Telis Finanz Regensburg/27. Platz in 63:28) und Simon Stützel (LG Region Karlsruhe/28. In 63:29) waren die nächstplatzierten Deutschen. Sie alle erfüllten damit die Norm für die Europameisterschaften in Paris, die bei 64:00 Minuten steht. Knapp darüber blieb Tom Gröschel (TC Fiko Rostock) als 41. mit 64:09.
 
Unterdessen lief der deutsche Marathonrekordler Arne Gabius im italienischen Verona seine schnellsten Halbmarathon seit 2017. Als Siebter kam er nach 63:25 Minuten ins Ziel. Vor drei Jahren war der 38-Jährige in Kopenhagen auf einer allerdings deutlich schnelleren Strecke 62:31 Minuten gelaufen. Das Rennen in Verona gewann der Kenianer Joel Mwangi in 60:40 Minuten vor seinen beiden Landsleuten Solomon Koech und Kalale Chelanga, die nach 60:56 beziehungsweise 61:26 im Ziel waren. Der Norweger Sondre Moen folgte als Vierter mit 61:28.
 
„Ich bin absolut zufrieden. Es war ein gutes Rennen für mich aus dem Training heraus“, sagte Arne Gabius (Therapie Reha Bottwartal), der auf den ersten Kilometern noch mit Sondre Moen Schritt hielt, den Norweger dann aber ziehen lassen musste. Am Ende lief Arne Gabius allerdings humpelnd ins Ziel lief. „Ich bekam ungefähr vier Kilometer vor dem Ziel Probleme mit der Muskulatur an der Oberschenkel-Rückseite. Wahrscheinlich hing das mit der Strecke zusammen. Es ist zwar ein flacher, schöner Kurs, aber es gibt einige engere Kurven und auch etwas Kopfsteinpflaster.“
 
Der Verona-Halbmarathon war für Arne Gabius, der bereits ein Höhentrainingslager in Kenia absolviert hat, ein Test im Hinblick auf einen Frühjahrs-Marathon. Über die 42,195 km will er die internationale Olympia-Norm von 2:11:30 Stunden unterbieten. „Ich bin auf dem richtigen Weg. Meine Form ist jetzt besser als vor dem New York-Marathon“, sagte Arne Gabius, der in New York im vergangenen November in 2:12:57 als Elfter überzeugt hatte.
 
Weniger zufrieden war in Barcelona trotz der persönlichen Bestzeit Amanal Petros, der für TV Wattenscheid startet. Nachdem er die 10-km-Marke in sehr schnellen 28:19 Minuten passiert hatte, konnte er dem Tempo der Gruppe nicht mehr folgen und lief fortan weite Strecken alleine. Er wolle im Frühjahr noch einen Halbmarathon laufen und dann eine deutlich schnellere Zeit rennen, sagte Amanal Petros.
 
Der aus Eritrea stammende Läufer hatte die internationale Marathon-Norm von 2:11:30 Stunden im vergangenen Dezember mit 2:10:29 unterboten, so dass für die Nominierung ein erfolgreicher Formtest über die halbe Strecke ausreicht. Da Amanal Petros die internationale Marathon-Norm zudem deutlich unterboten hat, sollte er mit großer Sicherheit auch unter jenen 80 Läufern sein, auf die das Marathon-Starterfeld bei Olympia limitiert ist. Die olympischen Marathonläufe finden im Sommer in Sapporo statt.

Alina Reh und vier weitere deutsche Läuferinnen bleiben unter 72 Minuten

Für die hochklassigste Leistung des Tages sorgte die Frauen-Siegerin von Barcelona: Die Äthiopierin Ashete Bekele lief flotte 66:37 Minuten und gewann damit klar vor ihrer Landsfrau Asnakech Awoke, die nach 67:04 im Ziel war. Dritte wurde die Kenianerin Dorcas Kimeli mit 67:10, als Vierte folgte Roza Dereje (Äthiopien/68:38).
 
Hinter der Britin Charlotte Arter (70:01) folgte Alina Reh (SSV Ulm) als Sechste mit 70:08 Minuten. Damit verpasste die 10.000-m-EM-Vierte von 2018 zwar ihre Bestzeit aus dem Jahr 2018 (69:31), konnte aber trotzdem zufrieden sein. „Ich habe das Rennen aus dem vollen Training heraus bestritten. Darum bin ich mit der Zeit zufrieden. Ich hätte vielleicht zwischen Kilometer fünf und zehn mehr riskieren sollen. Da hatten wir Rückenwind. Auf den letzten vier Kilometern hatten wir dann Gegenwind, da habe ich entsprechend Zeit verloren“, sagte Alina Reh.
 
Auch die deutschen Frauen erzielten in Barcelona ein in der Breite der Spitze sicherlich einmaliges Ergebnis: Fünf Läuferinnen erreichten Ergebnisse von unter 72 Minuten. Und abgesehen von Alina Reh erreichten alle persönliche Bestzeiten. In der Vorbereitung auf einen Frühjahrs-Marathon zeigten Debora Schöneborn und ihre Zwillingsschwester Rabea (beide LG Nord Berlin) viel versprechende Form. Debora lief als Achte 71:37 und verbesserte sich um über eine Minute (bisherige Bestzeit: 73:00), Rabea steigerte sich noch deutlicher: Sie war mit einer Bestzeit von 74:15 ins Rennen gegangen und wurde mit 71:40 Neunte. Zeitgleich belegte Miriam Dattke (LG Telis Finanz Regensburg) Platz zehn. Sie konnte sich um 16 Sekunden steigern.
 
Ihre zuletzt gute Form bestätigte zudem Laura Hottenrott (TV Wattenscheid). Mit 71:56 belegte sie Platz 14 und verbesserte sich um über eine Minute. Ihr bisheriger persönlicher Rekord stand bei 73:15. Domenika Mayer (LG Telis Finanz Regensburg) blieb als 21. mit einer Steigerung von über vier Minuten - von 77:36 auf 73:10 - in Barcelona ebenso unter der Norm für die Europameisterschaften in Paris (74:00) wie Thea Heim (LG Telis Finanz Regensburg/26. in 73:26).

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