UTMB 2026
Mission Titelverteidigung: Ruth Croft zurück in Chamonix
Jetzt ist es soweit: Chamonix wird wieder zum Zentrum der Trailrunning-Welt: Die UTMB-Woche steht an - mit großen Namen, spannenden Rennen und der Frage: Wer triumphiert am Mont Blanc?
Als Ruth Croft im vergangenen Jahr in 22:56:23 Stunden über die Ziellinie in Chamonix lief, schrieb sie Geschichte: Als erste Frau überhaupt gewann sie alle drei großen Finals der UTMB World Series – den OCC (50km-Kategorie), den CCC (100km-Kategorie) und den UTMB (100 Meilen-Kategorie).
Am 28. August tritt die Neuseeländerin nun wieder an, um ihren Titel beim prestigeträchtigsten Ultratrail der Welt zu verteidigen – 176 Kilometer rund um das Mont-Blanc-Massiv mit knapp 10.000 Höhenmetern. Wir haben vorab mit ihr gesprochen.
Mein Ziel ist es, ein vollständigeres Rennen laufen.
Ruth Croft über ihre Ziele für den UTMB 2026
Was treibt dich zurück nach Chamonix, nachdem du eigentlich schon alles gewonnen hast, was es dort zu gewinnen gibt?
"Ich war super zufrieden mit meiner Leistung im letzten Jahr. Aber ehrlich gesagt gab es auch noch eine Menge Dinge, die ich nicht gut gemacht habe – vor allem im Umgang mit den Bedingungen und dem Wetter. Wenn ich auf 2024 zurückblicke, hatte ich eine wirklich starke zweite Hälfte. Letztes Jahr, 2025, war es umgekehrt: eine starke erste Hälfte, aber im zweiten Teil bin ich ziemlich eingebrochen. Meine Motivation ist es also, zurückzukommen und ein vollständigeres Rennen zu laufen."
Woran genau habt ihr im Training gearbeitet, um das zu verbessern?
"Worauf wir uns fokussiert haben, ist eigentlich, dass ich im Rennen nicht wieder so einbreche wie letztes Jahr. Ich hatte das Gefühl, im zweiten Teil einfach wirklich stark abgebaut zu haben. Darauf haben wir im Training gezielt hingearbeitet – vor allem daran, die Intensität über die komplette Distanz zu halten.
Aber auch das Ausrüstungs- und Hitzemanagement ist für mich ein großes Thema: In Neuseeland lebe ich ja quasi im permanenten Sommer, da hat man logischerweise nicht so viel Erfahrung im Umgang mit nassem oder kaltem Wetter. Letztes Jahr beim UTMB hat mir das schon sehr zu schaffen gemacht und ich habe viel Zeit dadurch verloren. Deswegen haben wir im Training genau daran gearbeitet, um da einfach effizienter zu werden."
Ausrüstung als Schlüssel zum perfekten Rennen
Dabei soll auch ein neuer Superschuh für die Trails helfen: Mit dem Agravic Speed Ultra Evo bringt adidas pünktlich zum UTMB-Start das Trail-Pendant zum rekordträchtigen Adizero Adios Pro Evo auf den Markt – entwickelt unter anderem mit Feedback von Athletinnen wie Croft selbst.
Was hältst du bisher vom neuen Superschuh für die Trails – ist das ein Schuh, dem du über eine so lange Distanz wie den UTMB vertraust?
"Ja, auf jeden Fall. In der Vergangenheit war bei Schuhen mit Energy Rods die Stabilität immer der Kompromiss. Aber beim Evo haben wir die Stabilität und trotzdem eine super Energierückgabe. Für mich ist das ein kompletter Schuh für den UTMB – er funktioniert auf den technischen Geröllpassagen der Pyramides Calcaires genauso wie auf dem Downhill vom Grand Col Ferret oder in den technischen Sektionen im letzten Streckendrittel. Für mich ist er einfach ein Allrounder."
Wie sich der Schuh im Detail schlägt, lest ihr hier: https://www.laufen.de/d/adidasagravicspeedultraevotest
Der UTMB der Frauen: Croft in der Rolle der Gejagten
Mit ihrem ersten UTMB-Sieg im vergangenen Jahr hat sich Crofts Ausgangslage verändert: In Chamonix ist sie diesmal nicht die Jägerin, sondern die Gejagte.
Die größte Herausforderin dürfte erneut Courtney Dauwalter sein. Die dreifache UTMB-Siegerin erlebte im vergangenen Jahr einen Einbruch im zweiten Streckenabschnitt und kam schließlich auf Rang zehn ins Ziel. In diesem Jahr geht sie mit dem Rückenwind ihres Sieges beim Hardrock 100 im Juli an den Start.
Croft gegen Dauwalter – es ist die Neuauflage eines Duells, das die Spitze des Frauen-Ultratrails seit Jahren prägt.
Dahinter lauern aber weitere starke Namen: Blandine L'Hirondel stand 2023 bereits auf dem UTMB-Podium, Riley Brady wurde zuletzt Zweite beim Western States. Und auch Anna Carlsson und Lucy Bartholomew, im Vorjahr Vierte und Siebte, dürften vorne mitmischen.
Für Croft wird dabei vor allem eine Frage entscheidend sein: Kann sie diesmal ihre Stärke über die gesamte Distanz ausspielen?
Der UTMB der Männer: Neue Favoriten nach prominenten Absagen
Das Teilnehmerfeld bei den Männern hat sich wenige Tage vor dem Start noch einmal grundlegend verändert. Die wohl bekanntesten Gesichter der Trailszene, Kilian Jornet und Jim Walmsley, mussten ihre Starts verletzungsbedingt absagen. Auch der Titelverteidiger Tom Evans wird in Chamonix fehlen.
Damit rücken andere Namen in den Fokus. Ben Dhiman, im vergangenen Jahr Zweiter hinter Evans, gehört ebenso zum engsten Favoritenkreis wie Vincent Bouillard. Der Franzose gewann den UTMB 2024 und kommt nach seinem Streckenrekord beim Western States im Juni mit viel Selbstvertrauen nach Chamonix.
Auch Caleb Olson, der im vergangenen Jahr den Western States gewann, und Baptiste Chassagne, Sieger der Diagonale des Fous 2025, zählen zu den Athleten, die im Kampf um die Spitzenplätze eine Rolle spielen dürften. Aus deutscher Sicht richtet sich der Blick auf Hannes Namberger, viermaliger Sieger des Lavaredo Ultra Trails und einer der stärksten deutschen Ultraläufer im internationalen Feld.
Wer läuft das vollständigste Rennen?
Gute Stimmung ist in Chamonix in der UTMB-Woche ohnehin garantiert. Und trotz – oder gerade wegen – der zahlreichen Absagen versprechen sowohl das Frauen- als auch das Männer-Rennen große Spannung.
Am Freitag, 28. August, fällt in Chamonix um 17:45 Uhr der Startschuss.
Für Ruth Croft geht es dann um mehr als die bloße Titelverteidigung. Sie hat selbst formuliert, worauf es ankommt: nicht unbedingt schneller zu starten oder spektakulärer zu laufen – sondern über 176 Kilometer das vollständigere Rennen zu zeigen. Genau das könnte am Ende den Unterschied machen.