News
© Cameron Moon/Red Bull Content Pool

Der Wochen(end)-Rückblick
Blanka Dörfel in Halbmarathon-Spitze, Esther Pfeiffer gewinnt Wings for Life, aber Arda Saatçi stellt alles in den Schatten

| von Christian Ermert

Arda Saatçi hat mit seinem 600 Kilometer langen Gewalt-Trip vom Death Valley nach L.A. die Laufschlagzeilen des Wochenendes beherrscht. Zu Recht? Oder war die „Cyborg Season“ gar kein richtiger Lauf?

Was war jetzt eigentlich der Laufhöhepunkt des vergangenen Wochenendes für die deutsche Szene? Dass Blanka Dörfel von Berlin Athletics fast den Gutenberg Halbmarathon in Mainz gewonnen hätte und sich dabei auf 68:06 Minuten gesteigert hat? In der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt wurde sie Zweite. Nur vier Sekunden hinter der Kenianerin Beatrice Cheserek. Und in der ewigen deutschen Bestenliste über 21,0975 Kilometer ist die 24-Jährige jetzt sechste.

Oder vielleicht doch eins der beiden Red Bull-Events, die medial und vor allem in den sozialen Medien alles andere überstrahlten? Arda Saatçi ist in den USA 604,6 Kilometer vom Death Valley an den Santa Monica Pier in Los Angeles gelaufen und hat dafür 123 Stunden gebraucht. Eigentlich wollte der Fitness-Influencer aus Berlin die Strecke mit 6000 Höhenmetern bei Temperaturen bis 40 Grad in 96 Stunden schaffen. Am Ende hat er mehr als einen Tag länger gebraucht für die „Red Bull Cyborg Season 2026“, wie der Sponsor den Lauf genannt hat.

© Flo Hagena/Wings for Life World Run

Esther und Hendrik Pfeiffer gewinnen Wings for Life Run in München

Beim Wings for Life World Run sammelten weltweit 346.527 Teilnehmende aus 192 Nationen 9,2 Millionen Euro für die Rückenmarksforschung. 59.100 davon waren in Deutschland am Start. 14.000 beim „Flagship Run“ in München, der Rest hatte das Rennen gegen das Catcher Car mit der App angetreten. Entweder solo oder bei 85 App Run Events in ganz Deutschland. Bei den Frauen lief in München mit Esther Pfeiffer (Düsseldorf Athletics) auch eine der besten deutschen Langstrecklerinnen mit. Sie wurde erst nach 60,33 Kilometern vom immer schneller fahrenden Catcher Car eingeholt, das von Ski-Olympiamedaillengewinnerin Emma Aicher und Rekord-Freiwasserschwimmerin Nathalie Pohl gesteuert wurde.

Es war ihr zweiter Sieg nach 2025. Esther Pfeiffer wurde von ihrem Ehemann Hendrik begleitet, der so das Männerrennen in München gewann. Deutschlandweit schaffte Tim Schwippel (MTV Soltau) mit 63,75 Kilometer die längste Strecke. Im globalen Maßstab landete Esther Pfeiffer auf Rang zwei hinter Mikky Keetels aus den Niederlanden bei den Frauen (62,24 km). Bei den Männern kam Jo Fukuda aus Japan 78,95 Kilometer weit, bevor ihn das Catcher Car einholte.

© Cameron Moon/Red Bull Content Pool

Schlafmangel größte Herausforderung für Arda Saatçi

Die größte Aufmerksamkeit hatte am Wochenende Arda Saatçi. Wo man auch hinhörte, gefühlt alle hingen mindestens ein paar Minuten in dem Livestream und sahen zu, wie sich der 28-Jährige laufend und gehend durch Kalifornien bewegte. Oder schlief. Oder aß. Oder sich ausruhte. Dass er damit so große Aufmerksamkeit generierte, hat nicht allen in der Szene gefallen. Ex-10.000-Meter-Europameister Jan Fitschen beispielsweise fragt, nachdem er ausgerechnet hat, dass 604 Kilometer in 123:21 Stunden fünf Kilometer pro Stunde sind: „Wäre auch so viel darüber berichtet worden, wenn es ums Wandern und nicht ums Laufen gegangen wäre?

Und Felix Hentschel sagt auf Instagram. „Das hat so gar nichts mit dem zu tun, was ich unter Ausdauersport verstehe.“ Der 38-Jährige gehörte mal zu den besten 3000-Meter-Hindernisläufern in Deutschland, bevor er zum Triathlon wechselte. 2021 war er Dritter in Roth, wobei er den abschließenden Marathon in 2:35 Stunden gelaufen war. Er fragte sich schon am Freitag: „Da schauen gleichzeitig 93.000 zu, wie jemand spazieren geht. Und Red Bull sponsert das Ganze. Warum?“

Die Antwort ist einfach: Weil uns solche Extremleistungen faszinieren, egal ob das jetzt mit Wettkampfsport wie Marathonlaufen oder Triathlon etwas zu tun hat oder nicht. Man denke nur mal an Joey Kellys Extremläufe, die 2010 in einem Wettlauf zum Südpol gipfelten. Red Bull hat das jetzt zusammen mit Arda Saatçi perfekt für die junge Generation inszeniert. Und keine Frage: 600 Kilometer in fünf Tagen zurückzulegen, ist eine große Leistung, der Respekt und Anerkennung gebührt. Mit Spazierengehen hat das gar nichts zu tun. Aber mit dem Laufen, wie es von so vielem auf hohem Leistungsniveau oder einfach für den Spaß oder die Gesundheit geliebt wird, eben auch nicht.

So war auch die größte Herausforderung für Arda Saatçi nicht das Laufen an sich, sondern der Schlafentzug. So eine lange Strecke schafft man in möglichst kurzer Zeit nur, wenn man möglichst wenig schläft – was alles andere als gesund ist. Nach 61 Stunden und rund 320 Kilometern an Tag drei zwangen Halluzinationen ihn zu einer längeren Pause. Nach einem medizinischen Check durch einen Sportmediziner folgte eine 90-minütige Schlafeinheit. Und so ziehen wir den Hut vor Arda Saatçi, feiern dann aber doch lieber Blanka Dörfel und Esther Pfeiffer groß.

© imago images/Beautiful Sports

Nur Beatrice Cheserek ist in Mainz schneller als Blanka Dörfel

Blanka Dörfel überzeugte eine Woche nach ihrem Sieg bei den Deutschen Meisterschaften über 10.000 Meter auf der Bahn auch auf der gut doppelt so langen Distanz auf der Straße. Mit 68:06 Minuten steigerte sich die 24-Jährige um fast zwei Minuten über 21,0975 Kilometer. Bester Deutscher beim Gutenberg Halbmarathon Mainz war Tom Thurley (Munich Athletics) mit 64:07 Minuten als Elfter. In Mainz waren insgesamt 12.960 Läuferinnen und Läufer am Start.

„So gut habe ich mich noch nie bei einem Rennen gefühlt“, sagte Blanka Dörfel, die im Sommer einen 10.000-Meter-Start bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham anpeilt. Danach würde sie gern bei der Halbmarathon-WM starten, die im September in Kopenhagen stattfindet. „Und im Herbst möchte ich dann mein Marathon-Debüt laufen“, kündigte sie in Mainz an.

Den kompletten Bericht aus Mainz auch mit dem Männer-Streckenrekord, den Dennis Kipkemoi auf 59:14 Minuten verbesserte, liest du hier auf leichtathletik.de.

Kann gut sein, dass Blanka Dörfel dann im Herbst auf Esther Pfeiffer trifft, denn die hat ja bereits ihren ersten Marathon unter professionellen Bedingungen angekündigt. Und wer nach einem Halbmarathon im Frühjahr in 67:05 Minuten beim Wings for Life World Run 60,33 Kilometer vor dem Rest des Feldes und dem Catcher Car läuft, kann im Marathon Großes leisten. Der Wings for Life Run in München, bei dem Esther und Hendrik Pfeiffer starteten, war mit 14.000 Teilnehmenden ausverkauft.

© Norbert Wilhelmi

Die größte Laufparty beim Rennsteiglauf in Thüringen

Das größte Lauffest des Wochenendes in Deutschland stieg unterdessen im Thüringer Wald: Bei der 53. Auflage des legendären Rennsteiglaufs starteten 18.800 Läuferinnen und Läufer auf den Strecken zwischen Halbmarathon und 73,9 Kilometern. Nachdem sie frühmorgens in Eisenach (Supermarathon), Neuhaus (Marathon) oder Oberhof (Halbmarathon) aufgebrochen waren, trafen sich am Ende alle Finisher in Schmiedefeld beim Zieleinlauf mit anschließender Party.

Über 400 Bilder vom Rennsteiglauf findest du hier.

Und dann war da auch noch das erste Rennen nach der Babypause, das Katharina Steinruck (Eintracht Frankfurt) am Freitagabend beim Citylauf in Aschaffenburg absolvierte hat. Sie lief etwa 8.000 Meter in 24:22 Minuten. Nur Marathonspezialistin Fabienne Königstein (Hannover 96) war mit 23:41 Minuten schneller. Und nur wenige Kilometer entfernt in Würzburg feierte am Sonntag der WVV Marathon Würzburg mit 6100 Läuferinnen und Läufern auch einen Rekord.

Die Bilder aus Würzburg gibt's hier.