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Der Wochen(end)-Rückblick
10.000-Meter-DM: Blanka Dörfel kommt an deutscher Spitze an – Halbmarathon: Der Fast-Gewinner-Hase von Berlin läuft in Mainz

| von Christian Ermert

Blanka Dörfel wird Deutsche Meisterin. Sie galt mal als größtes Lauftalent. In Mainz rennt sie am Sonntag Halbmarathon. Genau wie jener „Hase“, der fast den Berliner Halbmarathon gewonnen hätte.

Es ist jetzt fast sieben Jahre her, da galt Blanka Dörfel als eins der größten deutschen Lauftalente überhaupt. 2019 gewann die Cottbuserin Gold bei Europas Olympischem Jugendfestival (EYOF) über 2000 Meter Hindernis bei den unter 18-Jährigen. Schneller als ihre 6:29,66 Minuten lief in diesem Jahr keine Gleichaltrige weltweit. 2021 lief sie dann mit erst 19 Jahren 33:00 Minuten über zehn Kilometer und schien sich schon in der nationalen Frauenspitze zu etablieren.

Wirklich gelungen ist ihr das aber erst seit dem vergangenen Jahr. Und auf ihren ersten nationalen Titel bei den Frauen musste sie bis zum letzten Samstag warten. Nach einigen Jahren ohne große Verbesserungen steigerte sich die mittlerweile 24-Jährige 205 in Berlin auf 69:45 Minuten im Halbmarathon, womit sie viertbeste Deutsche des Jahres 2025 war.

Vertrauen ins Training von Uta Pippig-Coach Dieter Hogen

Ihr Trainer ist seit ihrem Wechsel von LC Cottbus zum SCC Berlin 2021 Dieter Hogen. Der heute 72-Jährige hat in den 90er-Jahren Uta Pippig zum deutschen Marathonrekord und zu Siegen bei den großen Rennen in Berlin, Boston und New York geführt. 1994 gewann sie mit 2:21:45 Stunden den Boston-Marathon und lief damit ihre persönliche Bestzeit. Es war die bis dahin schnellste je von einer Deutschen gelaufene Zeit und wurde erst von Irina Mikitenko 2008 in Berlin mit 2:19:19 unterboten.

Von solchen Erfolgen ist Blanka Dörfel, die mittlerweile für Berlin Athletics startet, noch weit entfernt. Aber der Triumph von Celle dürfte ihr weiter Auftrieb geben, auch wenn in dem Meisterschaftsrennen mit Konstanze Klosterhalfen (TSV Bayer 04 Leverkusen), Esther Pfeiffer (Düsseldorf Athletics) und Gesa Krause (Silvesterlauf Trier e.V.) die ganz großen Namen mit den schnellsten Zehn-Kilometer-Zeiten fehlten. Immerhin waren mit Elena Burkard (LG Farbtex Nordschwarzwald), Eva Dieterich und Lisa Merkel (beide LAV Stadtwerke Tübingen) die drei schnellsten Deutschen des Vorjahres über 10.000 Meter auf der Bahn am Start. Hinzu kam die Marathon-Spezialistin Fabienne Königstein (Hannover 96).

Alle konnten den Sieg von Blanka Dörfel nicht verhindern. Mit 31:53,60 Minuten steigerte Blanka Dörfel ihre Bahn-Bestzeit um zwei Minuten - auf der Straße ist sie allerdings schon 2025 mit 31:51 Minuten schneller gewesen. Mit erfüllter Norm als Deutsche Meisterin darf sie jetzt mit einem Start bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham (10. bis 16. August) planen. Es wird ihr erster Start im Nationalteam der Erwachsenen auf der Bahn. „Ich war mit gar keinem Ziel ins Rennen gegangen. Ich wollte einfach ein rundes Rennen laufen, auch wenn es hart wird. Und die zweite Rennhälfte war richtig hart“, sagte Blanka Dörfel nach ihrem Triumph. Silber sicherte sich Deutschlands Jahresschnellste Lisa Merkel mit 32:36,03 Minuten. Bronze holte Fabienne Königstein in 33:03,27. Eva Dieterich und Elena Burkard gaben das Rennen auf.

Den kompletten Bericht zu den Deutschen Meisterschaften über 10.000 Meter auf der Bahn in Celle liest du hier auf leichtathletik.de

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Nick Jäger wird Deutscher Meister über 10.000 Meter

Für die Deutsche Meisterin Blanka Dörfel war der Wettkampf in Celle der erste des Jahres. Das zweite folgt kommenden Sonntag beim Halbmarathon in Mainz, wo sie auf die schnellen Kenianerinnen Beatrice Cheserek (PB: 66:48 min) und Orba Chemurgor (PB: 67:56 min) treffen wird, die den Streckenrekord attackieren können, den ihre Landsfrau Esther Chemtai 2025 mit 68:52 Minuten aufgestellt hatte.

Ein Bereich, der auch für Blanka Dörfel erreichbar ist, nachdem sie im Dezember ihr Marathon-Debüt in den USA kurzfristig aufgrund eines grippalen Infektes hatte absagen müssen. „Weiter als bis Mainz haben wir die Saison noch nicht geplant“, sagte die Berlinerin in Celle, „vielleicht probiere ich in den kommenden Wochen, auch die EM-Norm über 5.000 Meter zu unterbieten.“ Und damit hätte sie dann endgültig unterstrichen, in der Elite der deutschen Langstrecklerinnen angekommen zu sein.

Bei den Männern fehlte in Celle der Großteil der ganz schnellen Läufer auf den langen Distanzen, sodass sich am Ende der Hindernisspezialist Nick Jäger (Franconia Athletics) in 29:17,45 Minuten gegen Jonathan Dahlke (29:20,20 min) und Jona Bodirsky (29:24,87/beide TSV Bayer 04 Leverkusen) durchsetzte.

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Petros' starker Tempomacher Dennis Kipkemoi in Mainz auf Bestzeitenjagd

Im Männerrennen des Mainzer Halbmarathons will am kommenden Sonntag der Deutsche Marathonmeister Tom Thurley starten. Nach seiner Steigerung auf 2:11:02 Stunden beim ADAC Marathon Hannover hat er seine Bestzeit von 63:56 Minuten über 21,0975 Kilometer im Visier.

Damit dürfte er aber mit dem Ausgang des Rennens an der Spitze nichts zu tun haben, denn hier startet ein Kenianer mit einer ganz besonderen Geschichte: Dennis Kipkemoi lief beim Generali Berliner Halbmarathon Ende März als Tempomacher des deutschen Rekordhalters Amanal Petros erstmals außerhalb Kenias. Auf den letzten Kilometern des Rennens ließ er seinen Auftraggeber stehen, holte den Rückstand zur Spitze auf und hätte fast sogar gewonnen hätte. Nach 59:11 Minuten war Dennis Kipkemoi zeitgleich mit dem Sieger im Ziel. Mit seinem Landsmann Jamal Kiprono ist ein zweiter Athlet am Start, der mit 59:55 eine Bestzeit von unter einer Stunde aufweist.