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#gemeinsammehrbewegen-Preis 2025
Preiswürdig: Die Musketiere von Dorsten holen das Geld von den Reichen und geben es den Kranken

| von Maria Hauser

Wir stellen Aktionen vor, die zeigen, wie Laufen das Leben verbessert. Der Dorstener Spendenlauf gegen Brustkrebs hat 2025 den #gemeinsammehrbewegen-Preis gewonnen.

Ein ganz besonderes Sportevent bringt eine Stadt im äußersten Norden des Ruhrgebietes zusammen. 2000 Läuferinnen und Läufer kamen 2025 beim Brustkrebslauf in Dorsten zusammen. Dieses Jahr wurden insgesamt 58.000 Euro Spenden für eine krebskranke Mutter und die Brustkrebszentren in Dorsten und in Gelsenkirchen erlaufen. Organisiert wird der größte Spendenlauf der Region von einem Dreier-Team bestehend aus Khadijeh Mohri, Ali Abdali und Andreas Schilasky. Eine Professorin, ein Doktor und ein Personal Trainer, liebevoll nennen sie sich die drei Musketiere. Warum das? „Wir holen das Geld von den Reichen und geben es den Kranken“, sagt Andreas Schilasky und lacht, „außerdem sind wir zu dritt, das passt perfekt!“

#gemeinsammehrbewegen: Die ganze Story des Brustkrebslaufs in Dorsten

Gestartet ist die Idee, einen Benefizlauf zu veranstalten, ganz klein. „Damals habe ich Khadijehs Kinder trainiert“, erzählt Andreas Schilasky, „irgendwann hat sie mich angesprochen, weil sie selbst auch gerne trainieren wollte, da habe ich mich natürlich gefreut.“ Danach hört der Trainer aber erstmal monatelang nichts mehr von Khadijeh. „Schließlich haben wir uns dann bei einer Veranstaltung wiedergetroffen“, erinnert sich Andreas Schilasky „und als ich fragte, wo sie denn gewesen sei, antwortete sie ,in Chemotherapie‘. Sie hatte Brustkrebs.“

Im ersten Moment ist der ehemalige Ironman-Teilnehmer von dieser Information wie erschlagen: „Damals dachte ich wirklich, boah, hätte ich mal lieber nicht gefragt.“ Aber dann spricht Khadijeh ihn darauf an, ob es denn einen Benefizlauf oder etwas ähnliches in der Nähe gebe. „Das war etwas, was ich aktiv in Angriff nehmen konnte“, erklärt Andreas Schilasky „Krebs wird immer noch totgeschwiegen, obwohl jeder jemanden kennt, der betroffen ist. Das Thema lähmt die Menschen.“

„Wann fragt man denn mal einen Krebskranken wie es ihm geht? Das passiert einfach nicht …“

Andreas Schilasky, Mitbegründer des Brustkrebslauf Dorsten

Gegen genau diese Lähmung will Andreas Schilasky kämpfen, als er sich 2022 etwas blauäugig aufmacht, einen Spendenlauf in Dorsten zu organisieren. Der erste Dorstener Brustkrebslauf ist noch rudimentär. „Ich hatte keine Ahnung, wie man einen Spendenlauf organisiert“, erinnert sich Andreas Schilasky „Ich bin einfach losgezogen und habe Freunden, Firmen und Organisationen wie dem THW oder der städtischen Feuerwehr Bescheid gesagt.“ Auch die logistische Organisation stellt den Personal Trainer vor Herausforderungen, denn die Zulassung für eine solche Großveranstaltung erzeugt im Vorfeld erst einmal einiges an Anmeldegebühren. „Und wir hatten kein Geld - wir wollten ja welches sammeln.“

Schon 124.000 Euro gesammelt

Doch dann setzt sich der Bürgermeister von Dorsten, Tobias Stockhoff, für die Idee ein und erlässt die Gebühren. Nach Geld zu fragen, musste Andreas Schilasky üben. „Spenden sammeln ist unglaublich schwierig. Am Anfang war mir das noch sehr unangenehm.“ Heute, drei Jahre später, haben die drei Musketiere schon eine Gesamt-Spendensumme von 124.000 Euro gesammelt. Doch zu dritt wäre das nie möglich gewesen: „Der Brustkrebslauf ist durch und durch ein Gemeinschaftsprojekt. So viele Menschen helfen, indem sie die Strecke sichern, Grillen, Backen, Spenden und natürlich Laufen.“

Dieses Jahr ging der Brustkrebslauf bereits in die dritte Runde, die Zahl der Teilnehmenden hat sich vom ersten Lauf auf über 2000 Läuferinnen und Läufer verdoppelt. „Wir nehmen einfach alle mit“, sagt Andreas Schilasky „Gesunde, Kranke, Kinder, Hunde. Alle können mitlaufen.“ Die Teilnehmenden können dabei zwischen fünf verschiedenen Wettkämpfen wählen. Für den Lauf-Nachwuchs gibt es einen Lauf über 800 Meter. Die 2,5- und Fünf-Kilometer-Strecken können entweder gelaufen oder gewalkt werden. Der Leistungsgedanke soll dabei keine Rolle spielen. Die Teilnehmenden laufen ohne offizielle Zeitmessung, es gibt keine Siegerehrung, nur gute Laune, gutes Essen und das Gefühl Teil etwas Größeren zu sein.

Mit Ministerpräsident Hendrik Wüst im Gespräch über das Brustkrebszentrum

Mittlerweile organisiert das Team hinter dem Brustkrebslauf auch den Barmer-Lauftreff. Jeden Sonntag treffen sich Laufbegeisterte aus Dorsten, um zusammen zu trainieren. Dabei sind alle willkommen, egal ob jung oder alt, krank oder gesund. „Mir ist wichtig, niemanden mit Samthandschuhen anzufassen“, erklärt der Personal Trainer „natürlich bieten wir die Möglichkeit angepasst zu laufen oder zu walken, aber alle sollen sich im Training ernstgenommen fühlen.“

Die Community hinter dem Brustkrebslauf wächst mittlerweile über den Sport hinaus. Mit einer Petition gegen die Schließung des Dorstener Brustkrebszentrums erreichen sie im Mai sogar Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst und initiieren erneute Gespräche über die Zukunft des Zentrums am St. Elisabeth-Krankenhaus. Auch der Gelsenkirchener Graffiti-Künstler Beni Veltum versteigert seine Kunst, um den Brustkrebslauf zu unterstützen. Die Initiative bringt mittlerweile die ganze Gemeinde zusammen. Mit den diesjährigen Spenden wurden einer krebskranken Frau und ihren Kindern ein gemeinsamer Urlaub ermöglicht.