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EM in Birmingham
Florian Bremm stürmt sensationell zur Silbermedaille über 5000 Meter

| von Norbert Hensen (Text) | Fotos: imago

Der 25-Jährige von Franconia Athletics stürmt in 13:15,60 Minuten nach einer taktischen Meisterleistung zur EM-Silbermedaille hinter Norwegens Olympiasieger Jakob Ingebritsen.

„Das war das stressigste Rennen meines Lebens, aber ich habe die richtigen Entscheidungen getroffen“, sagt ein sichtlich gerührter Florian Bremm nach dem 5000-Meter-Finale bei der Leichtathletik-EM in Birmingham.

Wie in großen Finals üblich wollte niemand so richtig die Verantwortung fürs Tempo übernehmen. Wenige Runden vor Schluss war noch ein großer Pulk an Läufern zusammen – darunter die großen Favoriten Jimmy Gressier aus Frankreich, Norwegens Superstar Jakob Ingebritsen, der sein erstes Saisonrennen bestritt, der im Sudan geborene und für die Schweiz startende Dominic Lobalu und eben auch Florian Bremm.

Der Polizist aus Unterfranken, der in Colmberg aufwuchs und in Leutershausen als zehnjähriger mit der Leichtathletik begonnen hatte, gehörte spätestens seit seinem Rennen in Turku in diesem Jahr, bei dem er in 12:56,80 Minuten unter der 13-Minuten-Schallmauer geblieben war, zum erweiterten Kreis der Medaillenanwärter.

Aber er hatte es eben auch mit dem 10.000-Meter-Weltmeiter (Gressier), dem aktuellen Europameister über 10.000 Meter (Lobalu) sowie dem Dauer-Europameister (seit 2018) und Olympiasieger über diese Distanz (Ingebritsen) zu tun.

Taktische Meisterleistung in einem typischen Endlauf

Aber Bremm behielt die Nerven und traf im richtigen Moment die perfekte Entscheidung nach außen zu gehen und sich aus dem größten Gerangel auf der Innenbahn rauszuhalten.

Als auf der letzten Runde die Post abging, hatte Florian Bremm eine ideale Position, die er nutzte, um kurz vor der Zielgeraden sogar am führenden Jimmy Gressier vorzugehen.

"Die Zielgerade war verrückt. Außer in der Läuferszene kannte mich wohl vor dieser Saison niemand. Dann war auf den letzten 100 Metern plötzlich vorne. Das war surreal für mich. Meine Beine wollten nicht mehr und ich habe trotzdem weitergemacht“, sagte Bremm den Kollegen des Portals leichtathletik.de.

Tränen des Glücks und Stolz auf seine Entwicklung

Er habe so oft von so einem Moment geträumt. „Dass das jetzt wirklich ist, kann ich noch nicht begreifen.“ Vor Glück kamen ihm nach dem Rennen immer wieder die Tränen. „Das ist alles total emotional für mich. Ich bin sehr stolz auf meine Entwicklung in den vergangenen beiden Jahren. Ich bin mit meinem Team bei mir geblieben, wir haben unseren Ansatz durchgezogen, an der ein oder anderen Stelle angepasst und so viel dazugelernt. Ich habe schon im Trainingslager gemerkt, dass ich einen großen Schritt gemacht habe, dann kam die 12:56 Minuten. Das alles ist ein Ergebnis der vergangenen Jahre und kein Zufall“, so Bremm gegenüber leichtathletik.de.

Am 14. August wird der Polizist 26 Jahre alt. Nun gibt es noch einen Grund mehr zu feiern. Es war der perfekte Auftakt für die deutschen Läufer am ersten Tag der Leichtathletik-EM.

Ingebritsen feiert beim ersten Saisonrennen das vierte 5000-Meter-EM-Gold

Mitfavorit Jimmy Gressier ging leer aus. Sein Landsmann Etienne Daguinos war im Spurt stärker und gewann Bronze.

Für Norwegens Superstar Jakob Ingebritsen war das EM-Finale der erste Saisonwettkampf in diesem Jahr. Er habe nach seiner Fußsehnen-Operation im Februar gut trainieren können. Aber Florian Bremm hatte ihn auf dem Schirm. „Wir waren in St. Moritz gemeinsam auf der Bahn – ich wusste, dass er etwas drauf.“

Jakob Ingebritsen gewann zum vierten Mal in Folge EM-Gold über die 5000 Meter, nachdem sein Stern bei den Europameisterschaften 2018 in Berlin aufgegangen war.

Der deutsche Rekordläufer Mohamed Abdilaahi aus Mönchengladbach hatte seine Teilnahme über 5000 und 10.000 Meter verletzungsbedingt absagen müssen.

Eine Fußverletzung, an der der 27-Jährige schon vor den Deutschen Meisterschaften in Wattenscheid laborierte, ließen einen Start nicht zu.