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EM in Birmingham
Gesa Krause schreibt EM-Geschichte: Drittes Gold über 3000 Meter Hindernis

| von Joël Kruse

Zehn Jahre nach ihrem ersten EM-Titel siegt die 34-Jahre alte Läuferin in einem dramatischen Rennen in 9:12,69 Minuten. Lea Meyer rückt Interview-Aussagen grade. Bronze für Olivia Gürth.

Dieses Finale über 3000 Meter Hindernis der Frauen war an Dramatik während und Emotionalität nach dem Rennen kaum zu überbieten. Vor dem letzten Wassergraben sah es so aus, als würden die in Front liegende Gesa Krause, Titelverteidigerin Alice Finot aus Frankreich und Mit-Favoritin Lea Meyer, EM-Zweite von 2022, im Schlussspurt auf der Zielgeraden die Medaillen unter sich ausmachen. Doch weit gefehlt: Lea Meyer, die über fast das gesamte Rennen die Führungsarbeit – mit Gesa Krause im Windschatten – übernommen hatte, blieb wie bereits vor vier Jahren bei der WM in Eugene am Hindernis hängen und stürzte in den Wassergraben.

Somit war der Weg frei für Gesa Krause. Die Sportsoldatin, die 2023 Mutter einer Tochter geworden war, setzte sich in einem starken Finish in 9:12,69 Minuten gegen Alice Finot (9:14,24 Minuten) durch und holte damit nach zweimal Gold (2016, 2018), einmal Silber (2024) und einmal Bronze (2012) ihre insgesamt fünfte EM-Medaille über 3.000 Meter Hindernis. Drei EM-Titel über diese Disziplin zu gewinnen war bisher noch keiner Läuferin gelungen.

Gesa Krauses Vereinskollegin Olivia Gürth stürmte in 9:15,33 Minuten hinter Finot zu Bronze. Für Lea Meyer, die sich nach ihrem Sturz bravourös wieder aufgerappelt hatte, blieb nach 9:17,07 Minuten nur der undankbare vierte Platz. Dementsprechend enttäuscht und frustriert verließ die 28-Jährige vom VfL Löningen schnurstracks den Stadion-Innenraum. Glücklich und ausgelassen feierten dagegen Gesa Krause und Olivia Gürth Deutschland-Fahne schwenkend und in die Kameras lächelnd den Medaillen-Doppelpack für das deutsche Leichtathletik-Team.

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Krause: „Mein sportliches Lebenswerk geschaffen“

„Ich habe mir mein sportliches Lebenswerk geschaffen.“ Mit diesem Satz fasste Gesa Krause gegenüber dem Portal leichtathletik.de das EM-Finale von Birmingham zusammen. „Ich bin sehr, sehr stolz auf den heutigen Tag und darauf, nach zehn Jahren wieder ganz oben auf dem Podium stehen zu dürfen. Das ist schon sehr, sehr besonders.“ Sie sei sehr stolz auf diesen EM-Titel, „weil ich weiß, dass diese Momente nicht mehr so häufig wiederkommen werden.“

Sie wolle diesen goldenen Tag gebührend feiern, genießen und alles aufsaugen. Es sei ein ganz besonderer Moment gewesen, ihren Lebensgefährten und ihre Tochter auf der Ehrenrunde in die Arme schließen zu können. Darüber hinaus fand sie auch noch tröstende Worte für Rivalin Lea Meyer: „Es tut mir unfassbar leid, dass Lea gestürzt ist. Ich war auch schon in der Situation und das wünscht man niemandem.“

Trainer Wolfgang Heinig, der das Rennen aufgrund seiner Nervosität nicht im Stadion, sondern auf einer Leinwand auf dem Aufwärmplatz verfolgt hatte, kommentierte den Gold- und Bronze-Triumph seiner Athletinnen am ZDF-Mikrofon mit feuchten Augen: „Lea hat viel Mut bewiesen, aber da das Rennen nicht zu schnell war, wusste ich das Gesa hinten raus die Beste ist. Dass Olivia als Dritte hier ihr Meisterstück abliefert, ist Klasse. Besser geht es nicht.“

Auf die Frage, was sich bei Gesa Krause in den vergangenen Jahren geändert habe und was gleichgeblieben sei, antwortete er: „Gesa ist in den vergangenen Jahren zu einer richtigen Persönlichkeit auf Weltmaßstab gereift. Das Training, was sie macht, ist genial.“ Ihre Konsequenz, ihre Trainingshärte und ihre Bereitschaft, immer an ihre Grenzen zu gehen, wenn es sein muss, sei geblieben. „Ich hoffe natürlich, dass Olivia sich viel von Gesa abschauen kann.“

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Olivia Gürth feiert „Meisterstück“ zusammen mit Teamkollegin Krause

Dass dem offensichtlich schon so ist, bewies Olivia Gürth bereits in Birmingham. Nach Titeln bei U20- und U23-Europameisterschaften ist die 24-Jährige nun endgültig in Europas absoluter Spitze angekommen und schnappte sich nach einer Energieleistung Bronze in Saisonbestzeit. „Mein Plan heute war, so viele wie möglich hinter mir zu lassen, und wie viele es am Ende sind, sehe ich im Ziel. Ich war auf ein schnelles Rennen eingestellt und habe, ähnlich wie Gesa erwartet, dass die Britin und Lea das Rennen zusammen schnell machen. Insgeheim habe ich ein bisschen auf eine Medaille spekuliert. Ich wusste, beim richtigen Rennverlauf kann es passieren“, sagte die gebürtige Diezerin gegenüber leichtathletik.de.

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Lea Meyer lässt Sturz-Frust am ZDF-Mikrofon freien Lauf

„Wahnsinnig enttäuscht“ war natürlich Lea Meyer, die kurz nach dem Rennen am ZDF-Mikrofon ihrem Frust freien Lauf ließ: „Ich hätte eine Medaille verdient gehabt. Nichtsdestotrotz darf so ein Sturz nicht passieren. Das ist natürlich dämlich.“ Gesa Krause habe „keinen Meter etwas machen wollen und es einfach ausgesessen“. Und weiter: „Heute haben die besten Wettkämpferinnen gewonnen, aber ich bin weiterhin mit die beste Hindernisläuferin in Europa.“

Aufgrund der heftigen Reaktionen auf ihre emotionalen Aussagen postete Lea Meyer auf ihrem Instagram-Kanal in der Nacht nach dem Rennen eine Stellungnahme, in der sie einiges wieder geraderücken wollte: „Gesa ist verdient Europameisterin geworden!!! Sie hat die beste Taktik gewählt und ihre Stärken ausgespielt. Und auch Alice und Olivia haben sich gestern ihre Medaillen verdient! Ich war im entscheidenden Moment nicht gut genug, habe Fehler gemacht und meine Taktik ist nicht aufgegangen. Und das ist (wie ich es auch zu jedem Zeitpunkt klargemacht habe) mein alleiniger Fehler.“

Zeitpunkt und Rahmen sowie vor allem die Wortwahl seien „nicht passend, unprofessionell und unsportlich“ gewesen. „Für die Zukunft weiß ich, dass ich als sehr emotionaler Mensch die Interview-Zone nach einem solchen Rennen meiden werde“, so Meyer. So oder so dürfen sich die Leichtathletik-Fans in den kommenden Jahren bei den Weltmeisterschaften in Peking (2027) und Olympischen Spielen in Los Angeles (2028) auf spannende Lauf-Duelle über 3.000 Hindernis bei den Frauen freuen.