#gemeinsammehrbewegen-Preis 2026
Aus unermesslicher Trauer wird eine bewegende Geschichte voller Menschlichkeit und Hoffnung

| von Leon Weidner (Text) | Fotos: privat

Lauf-Initiativen, die Gutes tun: Die Luis-Paulo-Stiftung erinnert an einen 25 Jahre alten Schulbegleiter, der zusammen mit einem Grundschulkind bei einem verheerenden Autounfall in Hürth starb.

Der #gemeinsammehrbewegen-Preis geht in die nächste Runde. Wir suchen zum fünften Mal in Kooperation mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) und DATEV Initiativen, die zeigen, wie Laufen das eigene Leben und das von anderen verbessert. Ein Kandidat für den mit 1000 Euro dotierten Preis: Die Luis-Paulo-Stiftung aus Hürth bei Köln.

Als Luis Paulo Jochim mit nur 25 Jahren bei einem schrecklichen Verkehrsunfall ums Leben kam, verlor seine Familie ihren geliebten Sohn und Bruder. Doch statt mit Hass und Wut begegnet sie dem Schicksalsschlag mit Liebe – und gründete eine Stiftung, die Luis’ Werte weiterleben lässt. Welche besondere Rolle das Laufen dabei spielt, warum auch Konstanze Klosterhalfen die Familie unterstützt und wie aus einem tragischen Verlust etwas Gutes für Tausende Kinder entstehen kann, erzählt diese außergewöhnliche Geschichte.

So wird der #gemeinsammehrbewegen-Preis vergeben

Wir finden: Die Luis-Paulo-Stiftung  ist ein guter Kandidat für den mit 1000 Euro dotierten #gemeinsammehrbewegen-Preis, den der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) und laufen.de unterstützt von DATEV in diesem Jahr vergeben. Und so läuft die Aktion:

  • Initiativen bewerben sich
  • unsere Jury* wählt zehn Initiativen aus
  • ausgewählte Initiativen werden auf laufen.de und den angeschlossenen Social Media-Kanälen groß vorgestellt (Reportage, Bilder, Videos)
  • im November startet die Wahl
  • die laufen.de-Community stimmt ab, welche der zehn Initiativen den mit 1000 Euro dotierten #gemeinsammehrbewegen-Preis erhalten soll
  • die Initiative mit den meisten Stimmen wird zur großen Laufgala nach Leverkusen eingeladen und erhält dort am 27. November den mit 1000 Euro dotierten #gemeinsammehrbewegen-Preis 2026
  • die Gala veranstaltet laufen.de gemeinsam mit German Road Races, der Vereinigung der großen Laufveranstaltungen im deutschsprachigen Raum
  • bei der Veranstaltungen werden auch die deutschen Profiläuferinnen und -läufer des Jahres geehrt

*) Unsere Jury besteht aus folgenden Redaktionsmitgliedern von laufen.de, den beim DLV fürs Hobbylaufen Zuständigen und einem DATEV-Vertreter:

  • Dr. Kristin Behrens (DLV-Vorständin Verbandsentwicklung)
  • Christian Ermert (Chefredakteur laufen.de)
  • Norbert Hensen (Geschäftsführer laufen.de)
  • Petra Pillipp (Head of Brand Communication DATEV)

#gemeinsammehrbewegen: Die ganze Story der Luis-Paulo-Stiftung

Am 4. Juni 2025 war ein Autofahrer in Hürth bei Köln über eine rote Ampel in eine Gruppe von Grundschulkindern gerast. Ein zehn Jahre altes Mädchen kam ums Leben. An diesem Tag zeigte Luis außergewöhnlichen Mut, als er als Schulbegleiter der vierten Klasse vier Kinder vor dem heranrasenden Auto rettete. Während die Kinder eine Fußgängerampel bei Grün überquerten, stellte er sich schützend vor ein Mädchen und wurde dabei selbst schwer verletzt. Am 9. Juni 2025 erlag er im Alter von 25 Jahren seinen Verletzungen. Als Organspender rettete er noch drei Menschen das Leben.

Der 21 Jahre alte Unfallfahrer wurde ein Jahr später vom Kölner Landgericht zu vier Jahren und sechs Monaten Jugendstrafe verurteilt. Außerdem muss er den Hinterbliebenen mehr als 190.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. In dem Prozess zollte der Richter den Eltern des Verstorbenen größten Respekt. Nachdem eine Erklärung der Mutter verlesen worden war, fand er, von den Angehörigen keine Verbitterung wahrgenommen zu haben. „Das Schlimmste für eine Mutter ist, ein Kind zu verlieren - aber ich kann mir vorstellen, dass es auch sehr schmerzlich ist für eine Mutter, ein Kind als Angeklagten bei einem solchen Strafprozess zu haben“, hatte die Mutter des Verstorbenen erklärt.

Stiftung erinnert an Luis Paulo

Der Schicksalsschlag hat die Familie veranlasst, eine Stiftung zu gründen, die unterschiedliche Projekte für Kinder unterstützt. „In Luis steckten unglaubliche Werte an Menschlichkeit, an Zivilcourage und an sozialem Engagement“, sagt sein Vater Marcus Jochim, „uns war klar: Das darf nicht einfach so verhallen.“

Die Luis-Paulo-Stiftung wird von Mutter Lilian und den Geschwistern Gustavo, Leonardo und Sofia geführt, Marcus kümmert sich um das Netzwerk und die Partner. Die Haltung dahinter beschreibt er so: „Wir wollen Luis in seiner Wertewelt weiterleben lassen und daraus Gutes entstehen lassen. Wir begegnen dem Ganzen nicht mit Hass und Wut, sondern mit Liebe. Das ist es, was Luis ausgemacht hat.“

Benefizlauf in Königswinter

Zu den Aktivitäten der Stiftung gehörte von Beginn an auch das Laufen. Einer der ersten Hashtags, die Luis’ jüngerer Bruder Gustavo setzte, lautete #LaufLuis. Luis wollte 2026 eigentlich zum ersten Mal den Halbmarathon beim Deutsche Post Marathon in Bonn laufen. Nach seinem Tod gingen seine Eltern und viele weitere an seiner Stelle an den Start - obwohl beide dafür nicht die besten Voraussetzungen mitbringen. „Meine Frau ist quasi Nichtläuferin, und ich hatte drei Kreuzbandrisse und bin aktuell ohne Kreuzband unterwegs“, erzählt Marcus Jochim und lächelt dabei. Aus dieser Idee entstand schnell der nächste Plan: ein eigener Lauf für Luis in Königswinter.

Der Benefiz-Lauf fand dann am 20. September 2026 tatsächlich statt. 650 Menschen machten beim ersten „Königswinterer Lauf für Luis“ mit, etwa 1.000 Menschen besuchten das Familienfest auf dem Marktplatz. Mit den Einnahmen finanziert die Stiftung Projekte für Kinder und Jugendliche– unter anderem in den Bereichen Verkehrssicherheit, Persönlichkeitsentwicklung und Sport. „Allein 120 Helfer musst du erst mal zusammenbekommen“, sagt Marcus Jochim stolz zu dem mehr als geglückten ersten Lauf. Besonders freut er sich über die Unterstützung der Stadt und der örtlichen Polizei. Zwei Beamte begleiteten den Lauf sogar auf ihren Fahrrädern, ganz freiwillig.

Rekordläuferin Konstanze Klosterhalfen als Unterstützerin

Mit dabei war auch Konstanze Klosterhalfen. Die ehemalige Europameisterin über 5000 Meter und deutsche Rekordlerin auf allen Strecken zwischen 3000 Meter auf der Bahn und zehn Kilometer auf der Straße ist Botschafterin der Stiftung, und die Verbindung ist eng: Sie kommt aus der Region, und ihr Bruder hat mit Luis Handball gespielt. Über den früheren Trainer von Luis kam der Kontakt zustande, und Klosterhalfen sagte sofort zu. „Als Stiftung brauchst du Menschen mit Strahlkraft. Konstanze ist so eine Person“, sagt Marcus Jochim. „Für die Kinder war es toll, ein Leichtathletik-Vorbild direkt live vor sich zu haben.“

Denn auch Luis war Sportler durch und durch. Er studierte an der Deutschen Sporthochschule Köln, spielte leidenschaftlich Handball und arbeitete nebenbei als Schulbegleiter an der Grundschule in Hürth, die im Juni 2025 zusammen mit der ganzen Stadt Hürth von dem Unfall in Schockstarre versetzt wurde.

Ein Lauf für Warnwesten, autofreie Schulstraßen und einen Jugendcoach

Auf den ersten Blick wirken die Projekte der Stiftung bunt gemischt. Für Marcus Jochim haben sie aber einen gemeinsamen Ursprung: „Alle Projekte sind von Luis abgeleitet.“ So verteilt die Stiftung Warnwesten an Grundschulen und Kitas, setzt sich für autofreie Schulstraßen ein und arbeitet mit einem Jugendcoach zusammen. Denn die Kinder hatten damals nichts falsch gemacht: „Sie waren aufgeklärt und trugen Warnwesten“, sagt Marcus Jochim. Prävention müsse deshalb auch bei Jugendlichen ansetzen, die ihre Aggressionen nicht im Straßenverkehr ausleben sollten.

Ein weiteres Projekt führt nach Brasilien, in die Heimat von Luis’ Mutter. Dort lernte Luis als 15-jähriger Austauschschüler das soziale Handballprojekt Hand 7 kennen, das gerade erst gegründet worden war. Seitdem unterstützt die Familie das Projekt. Heute spielen nach ihren Angaben mehr als 4.000 Kinder an 32 Standorten Handball. „Viele kommen aus armen Verhältnissen, manche ohne Schuhe“, sagt Marcus Jochim. „Der Sport gibt ihnen Struktur.“

Für ihre Arbeit bekommt die Familie viel Zuspruch. Vor Kurzem ehrte der Rhein-Erft-Kreis Luis posthum mit einem Preis für Zivilcourage. „In dieser Gesellschaft steckt doch genug Menschlichkeit und genug Empathie“, sagt Marcus Jochim, über das was sie seit der Gründung der Stiftung erlebt haben. „Diese Menschlichkeit muss man multiplizieren, damit wieder mehr gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht und keine weitere Spaltung. Das ist ein echter Antrieb für uns.“

Für die Zukunft hat die Familie klare Ziele. Der Königswinterer Lauf soll zur festen Tradition werden. Die zweite Auflage ist schon für den 5. September 2027 geplant. Außerdem möchte die Stiftung mit einer eigenen Laufgruppe bei Marathons starten. Alles neben dem Beruf zu stemmen, ist allerdings viel Arbeit: „Wir sind die Familie und noch ein, zwei Helfer“, sagt Marcus Jochim.

Wie Läuferinnen und Läufer die Stiftung unterstützen können, beschreibt er ganz konkret. Neben Spenden hilft es, mit dem Stiftungsshirt zu laufen, und davon gibt es noch einige. Wenn die Aufmerksamkeit wächst, wächst auch die Hilfe. Am wichtigsten ist ihm aber eine Einladung: „Kommt gerne nach Königswinter zum zweiten Lauf für Luis. Darüber würde ich mich am meisten freuen.“ Dass sich die Familie dabei immer wieder ihrer Geschichte stellt, ist für sie selbstverständlich. „Wir reden immer gerne über Luis“, sagt Marcus Jochim.

Wie sehr die Stiftung im Sinne von Luis handelt, zeigt eine kleine Geschichte. Als sein Vater nach Luis’ Tod dessen Unterlagen durchging, fand er eine monatliche Spende von 20 Euro, die Luis kurz zuvor eingerichtet hatte, als Student mit kaum Geld. „Seine Freundin hatte noch gesagt: So viel hast du doch gar nicht. Er hat geantwortet: Das bleibt jetzt so“, erzählt Marcus Jochim. „Das war typisch Luis.“