Der #gemeinsammehrbewegen-Preis geht in die nächste Runde. Wir suchen zum fünften Mal in Kooperation mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) und DATEV Initiativen, die zeigen, wie Laufen das eigene Leben und das von anderen verbessert. Ein Kandidat für den mit 1000 Euro dotierten Preis: Grenzenlos in Bewegung aus Köln.
Entstanden ist der Verein Ende 2014 in einem Diversity-Seminar an der Deutschen Sporthochschule Köln. Damals kamen viele geflüchtete Menschen nach Köln, und überall in der Stadt gründeten sich Initiativen, die bei Behördengängen und im Alltag halfen. Studierende der Sporthochschule wollten dem ein Sportangebot an die Seite stellen. 2015 wurde daraus ein eingetragener Verein. Heute hat Grenzenlos in Bewegung über 250 Mitglieder und bietet alle möglichen Sportarten an, verteilt über die ganze Stadt von Porz bis Ehrenfeld.
So wird der #gemeinsammehrbewegen-Preis vergeben
Wir finden: Grenzenlos in Bewegung ist ein guter Kandidat für den mit 1000 Euro dotierten #gemeinsammehrbewegen-Preis, den der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) und laufen.de unterstützt von DATEV in diesem Jahr vergeben. Und so läuft die Aktion:
- Initiativen bewerben sich
- unsere Jury* wählt zehn Initiativen aus
- ausgewählte Initiativen werden auf laufen.de und den angeschlossenen Social Media-Kanälen groß vorgestellt (Reportage, Bilder, Videos)
- im November startet die Wahl
- die laufen.de-Community stimmt ab, welche der zehn Initiativen den mit 1000 Euro dotierten #gemeinsammehrbewegen-Preis erhalten soll
- die Initiative mit den meisten Stimmen wird zur großen Laufgala nach Leverkusen eingeladen und erhält dort am 27. November den mit 1000 Euro dotierten #gemeinsammehrbewegen-Preis 2026
- die Gala veranstaltet laufen.de gemeinsam mit German Road Races, der Vereinigung der großen Laufveranstaltungen im deutschsprachigen Raum
- bei der Veranstaltungen werden auch die deutschen Profiläuferinnen und -läufer des Jahres geehrt
*) Unsere Jury besteht aus folgenden Redaktionsmitgliedern von laufen.de, den beim DLV fürs Hobbylaufen Zuständigen und einem DATEV-Vertreter:
- Dr. Kristin Behrens (DLV-Vorständin Verbandsentwicklung)
- Christian Ermert (Chefredakteur laufen.de)
- Norbert Hensen (Geschäftsführer laufen.de)
- Petra Pillipp (Head of Brand Communication DATEV)
#gemeinsammehrbewegen: Die ganze Geschichte von Grenzenlos in Bewegung
Wie der Verein funktioniert, zeigte sich zuletzt beim Generali Köln Marathon. Grenzenlos in Bewegung hatte dort zwei Staffeln mit acht Läuferinnen und Läufern an der Startlinie. „Am Ende sind wir alle zusammen ins Ziel gekommen“, erzählt Elian Tapken aus dem Vorstand. Dazu gab es eine besondere Medaille: Bei den Staffeln wird das Wort KÖLN auf die vier Läufer aufgeteilt, und jeder bekommt einen Buchstaben. Erst zusammen ergibt es ein Ganzes. Das passt erstaunlich gut zu Grenzenlos in Bewegung, denn hier funktioniert auch alles durch das Miteinander.
Beim Generali Köln Marathon mitgelaufen und große Spende erhalten
Auch Laufgruppen hat es im Verein schon mehrere gegeben. Ob sie stattfinden, hängt davon ab, ob jemand die Organisation übernimmt, wie auch bei den anderen Kursen. Viel braucht es dafür nicht: „Man kann einfach sagen: Hey, wir gehen laufen. Man macht eine WhatsApp-Gruppe und läuft zusammen los. Da gibt es im Verein keine großen Hürden.“ Rückenwind kam im vergangenen Jahr ohnehin vom Laufsport: Im Rahmen des Generali Köln Marathons erhielt der Verein eine große Spende, die „noch mal einiges ins Rollen gebracht“ hat.
Warum Sport so gut verbindet, liegt für Tapken auf der Hand: „Der Sport hat feststehende Regeln.“ So könne man auch ohne gemeinsame Sprache zusammen Sport treiben „und ist direkt auf demselben Spielfeld“. Wer in Deutschland ankommt, erlebt anfangs vor allem Bürokratie und Behördengänge. „Der Sport schafft es sehr schnell und sehr niedrigschwellig, dass soziale Beziehungen entstehen.“ Für die offenen Angebote braucht es deshalb keine Mitgliedschaft. Wer mitmachen will, kommt einfach vorbei, manche Angebote finden direkt in einer Flüchtlingsunterkunft statt. Und wenn es mit der Sprache doch mal hakt, gibt es immer jemanden, der übersetzen kann.
Von Sackhüpfen übers Bouldern bis zur Bunten Liga
In den ersten Jahren gab es nur einzelne Spielaktionen für Kinder. Heute hat der Verein feste Wochenangebote, die seit Jahren laufen. Die größte Abteilung ist der Fußball: Die Mannschaft spielt in der Bunten Liga mit und ist damit „wirklich im Kölner Sportwesen angekommen“, sagt Tapken. In den vergangenen zwei, drei Jahren ist vor allem das Bouldern gewachsen. Seit gut einem Jahr gibt es außerdem eine Volleyballgruppe, in der viele Spielerinnen und Spieler ukrainischer Herkunft sind.
Dass aus einer Gruppe eine Vereinsfamilie wird, passiert allerdings nicht von heute auf morgen. Bei der Feier zum zehnjährigen Jubiläum im vergangenen Jahr waren zum ersten Mal einige aus der Volleyballgruppe dabei. „Die meisten merken irgendwann, dass wir als Organisation dafür gesorgt haben, dass sie eine Hallenzeit haben“, sagt Tapken. „Dann werden sie langsam Mitglied und sehen danach vielleicht, was der Verein sonst noch tut.“
Viel Bedarf, wenig Hallenzeiten
An Interesse an den Sportangeboten mangelt es jedenfalls nicht. Die Menschen finden den Verein über Instagram, über das Netzwerk Willkommenskultur Köln oder die Kölner Freiwilligenagentur, eng ist die Zusammenarbeit mit der Flüchtlingshilfe des DRK. „Die Frage ist eher, ob wir genug Übungsleiter haben. An Bedarf mangelt es nicht.“
Schwierig ist es, alles zusammenzubringen: die Menschen, einen Ort und jemanden, der das Training leitet. Eigene Sportstätten hat der Verein nicht und ist auf Partner wie die Sporthochschule angewiesen. Hinzu kommt, dass der Alltag in einer Unterkunft oft von außen bestimmt wird, und wer dort lebt, hat oft andere Sorgen als einen festen Trainingstermin. Die meisten Angebote richten sich deshalb an Erwachsene, für Kinder gibt es vor allem Ferienaktionen, etwa eine Woche mit kostenlosem Schwimmkurs zusammen mit der Sharky Schwimmschule.
„Die Laufgruppe ist aktuell ein Problemkind" verrät Elian Tapken. „Jahrelang gab es einen regelmäßigen Lauf mit einem Übungsleiter. Mittlerweile ist das leider ein bisschen eingeschlafen. Wir würden uns total freuen, wenn das jemand aus der Laufcommunity übernehmen würde", sagt er lächelnd.
Herzliche und offene Atmosphäre für alle
Den Einwand, ein eigener Verein für Geflüchtete sei keine echte Integration, kennt Elian Tapken. „Die Position hat da natürlich ein Argument“, sagt er. Zur Wahrheit gehöre aber auch, dass der Zulauf ungebrochen ist, weil der Verein eine herzliche, offene Atmosphäre biete, in der es ums gemeinsame Abschalten gehe und nicht ums Gewinnen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Hemmschwelle. Diese zu überschreiten ist für Neuankömmlinge oft nicht leicht, genau da kommt Grenzenlos in Bewegung ins Spiel.
Anderen Vereinen und Lauftreffs rät er, ihre Angebote so weit wie möglich zu öffnen und Hürden wie Kosten, Zeit oder Sprache abzubauen: „Es lohnt sich, zu reflektieren, ob sich wirklich alle die ganze Zeit wohlfühlen können. Wir wollen einfach, dass jede und jeder Spaß am Sport hat und das ganz ohne Hürden.“
Weil die Gruppen über ganz Köln verteilt sind und es kein gemeinsames Vereinsgelände gibt, bleibt ein Ziel für die Zukunft: Die Teilnehmenden sollen stärker über ihre eigene Gruppe hinaus zusammenfinden. „Es wäre toll, wenn noch mehr Personen aus den einzelnen Gruppen den Verein richtig kennenlernen“, sagt Elian Tapken. Bei der Marathonstaffel liefen zwar vor allem Vorstand und Vereinsmitglieder mit, doch gemeinsame Momente wie dieser könnten künftig Brücken zwischen den Gruppen schlagen. Denn am Ende versteht sich der Verein als Ganzes: „Wir sind ein Kölner Verein, der Sport für Menschen mit Fluchtgeschichte anbietet, und ein aktiver Teil der Kölner Willkommenskultur.“