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BMW Berlin-Marathon 2026
Anna Langerwisch: Vom Corona-Joggen in die deutsche Elite

| von der Redaktion

Vom Corona-Joggen zur schnellsten Deutschen beim BMW Berlin-Marathon: Anna Langerwisch lief in 2:27:31 Stunden ins Ziel. So hat sie sich innerhalb eines Jahres um fast 15 Minuten verbessert.

Kilometer 15. Anna Langerwisch läuft durch Berlin, ihre Heimatstadt. In Kreuzberg ist das Tempo etwas höher als geplant, doch bislang fühlt sich alles gut an. Dann taucht plötzlich ein Auto vor der 25-Jährigen auf. „Erste deutsche Frau.“

Langerwisch ist überrascht. Eigentlich kann das nicht stimmen, denkt sie. Sie hält die Information für einen Fehler – schließlich war noch nicht einmal die Hälfte des Rennens absolviert. Und die stärker eingeschätzte Esther Pfeiffer von Düsseldorf Athletics läuft doch in einer der Gruppen vor ihr ein viel höheres Tempo. Was Anna Langerwisch da noch nicht weiß: Esther Pfeiffer hat ihre Jagd auf den deutschen Rekord von 2:19:19 Stunden vorzeitig beendet. Sie ist schon nach 14 Kilometern ausgestiegen. Erst nach und nach wird Anna Langerwisch klar, dass sie tatsächlich an der Spitze der deutschen Läuferinnen beim BMW Berlin-Marathon. Und plötzlich ist da dieser Gedanke: „Das könnte heute tatsächlich mein Rennen werden.“

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„Mein erstes großes Rennen. In meiner Heimatstadt. Ein ganz besonderer Moment.“

Anna Langerwisch über ihre Gefühle nach dem Finish als schnellste Deutsche beim BMW Berlin-Marathon 2026

Keine zwei Stunden später läuft sie dann aufs Brandenburger Tor zu. Als erste Deutsche. In ihrer Heimatstadt. Bei ihrem Heimrennen. Sie finisht ihren ersten richtig großen Marathon in 2:27:31 Stunden. Und wird als schnellste Deutsche gefeiert. Was für ein Moment.

Zuvor hatte sie auf den letzten Kilometern noch einmal die Stimmung an der Strecke aufgesogen. Immer wieder hatten Zuschauer ihren Namen gerufen und sie angefeuert. Gerade hinten heraus sei das „unglaublich viel wert“ gewesen. Denn was an diesem Sonntag in Berlin passiert war, lässt sich nur verstehen, wenn man ein paar Jahre zurückblickt. Damals hatte Langerwisch mit Leistungssport noch überhaupt nichts am Hut. Sie war Fußballerin, arbeitete später bei der Polizei – und begann erst 2020, während der Corona-Pandemie, mit dem Joggen.

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„Ich bin nach Gefühl gelaufen und habe es rollen lassen. Am Ende stand eine Zeit von knapp 2:42 Stunden auf der Uhr. Im Rückblick war das wahrscheinlich ein bisschen ein Glücksgriff.“

Anna Langerwisch über ihren ersten Marathon im Herbst 2025 in Kassel

Vom Fußball zum Laufen

Anna Langerwisch war als Kind und Jugendliche Fußballerin. Mit dem Laufen begann sie erst 2020, zunächst ohne große sportliche Ambitionen. Weil während der Corona-Zeit Fußball ausfiel und es nur wenige Möglichkeiten gab, Sport zu treiben, ging sie einfach joggen. Dass daraus einmal eine Karriere im Laufsport werden könnte, war für sie damals nicht abzusehen.

Ein Grund, dranzubleiben, war auch ihr Polizeistudium. Dort spielte Laufen ohnehin eine Rolle, also wollte sie einfach weitermachen. Mit der Zeit wurde aus dem anfänglichen Joggen mehr: Das Laufen machte ihr Spaß und wurde zu einem wichtigen Ausgleich zu ihrem Berufsalltag. Nach dem Studium arbeitete sie knapp drei Jahre im Polizeidienst, zuletzt beim Kriminaldauerdienst.

Der erste Marathon als spontane Idee

Den entscheidenden Schritt machte Anna Langerwisch im vergangenen Jahr. Nur drei Wochen vor dem Kassel-Marathon entschied sie sich spontan, ihren ersten Marathon zu laufen. Eine klassische Vorbereitung hatte sie nicht. Zwar war sie bereits regelmäßig unterwegs und hatte auch Läufe über 15, 16, 17 oder 21 Kilometer absolviert, lange Läufe waren aber eher die Ausnahme.

Kurz vor dem Rennen schob sie noch zwei längere Einheiten ein und lief in Kassel schließlich 2:41:48 Stunden. „Ich bin nach Gefühl gelaufen und habe es rollen lassen. Im Rückblick war das wahrscheinlich ein bisschen ein Glücksgriff", sagt sie im Rückblick. Das Ergebnis war für sie selbst überraschend. Gleichzeitig entstand ein neuer Gedanke: Vielleicht steckt im Laufen doch deutlich mehr Potenzial.

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„In der Spitze kamen dort rund 180 Wochenkilometer zusammen. Das ist kein Dauerzustand, aber wir wollten herausfinden, was mein Körper schon leisten kann"

Anna Langerwisch über ihre Vorbereitung auf den BMW Berlin-Marathon

Nach dem Marathon in Kassel ging die Entwicklung schnell. Über Kontakte bei der Polizei kam Anna Langerwisch mit Mark Milde, dem Renndirektor des BMW Berlin-Marathon und dem SCC Berlin in Verbindung. Heute ist sie fester Bestandteil des Marathon Teams Berlin und trainiert sie in einer Gruppe um ihren Coach Timo Göhler. Eine klassische reine Profimannschaft ist das nicht. Viele aus der Trainingsgruppe sind ebenfalls berufstätig – genau diese Mischung gefällt ihr.

Seit Anfang 2026 profitiert sie zudem von der Spitzensportförderung der Berliner Polizei. Dadurch ist sie zu 100 Prozent vom Dienst freigestellt und kann sich auf Training und Regeneration konzentrieren. Nach fast drei Jahren im Polizeidienst war das eine große Umstellung. Gleichzeitig eröffnet ihr die Förderung Möglichkeiten, die sie zuvor nicht hatte.

180 Kilometer pro Woche für den großen Tag

Für den Berlin-Marathon trainierte Anna Langerwisch erstmals gezielt auf ein großes Rennen hin. Den gesamten August verbrachte sie im Trainingslager in St. Moritz. „In der Spitze kamen dort rund 180 Wochenkilometer zusammen. Das ist kein Dauerzustand, aber wir wollten herausfinden, was mein Körper schon leisten kann" verrät die Berliner Läuferin über ihr Wochenvolumen in der Marathonvorbereitung.

Ganz problemlos verlief die Vorbereitung allerdings nicht. In St. Moritz hatte Anna Langerwisch eine Woche lang mit Knieproblemen zu kämpfen. Danach ging es wieder bergauf, sodass sie ihr Training wie geplant fortsetzen konnte. Die Tempo- und marathonspezifischen Einheiten absolviert sie am liebsten gemeinsam mit ihrer Trainingsgruppe, lockere Läufe macht sie dagegen teilweise auch allein.

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„Den berühmten Mann mit dem Hammer habe ich nicht getroffen. Natürlich kam irgendwann die muskuläre Ermüdung. aber das gehört bei einem Marathon einfach dazu.“

Anna Langerwisch über die entscheidenden Momente beim BMW Berlin-Marathon 2026

In Berlin plötzlich auf Kurs zur Bestzeit

Dass in Berlin eine Zeit unter 2:30 Stunden möglich sein würde, hatte sich bereits im Training angedeutet. Genau diese Marke nahm sich Anna Langerwisch deshalb auch vor. Dass am Ende sogar 2:27:31 Stunden auf der Uhr stehen würden, war für sie allerdings das absolute Optimum.

Die Stimmung an der Strecke half ihr dabei, das hohe Tempo bis ins Ziel zu halten. Immer wieder hörte sie Zuschauer ihren Namen rufen. Gleichzeitig lief sie zu Beginn etwas schneller als geplant.

Die erste Hälfte des Marathons absolvierte Langerwisch in 72:35 Minuten. Ob sie damit zu schnell angegangen war, darüber lässt sich im Nachhinein diskutieren. Wirklich eingebrochen ist die Berlinerin jedenfalls nicht: „Den berühmten Mann mit dem Hammer habe ich nicht getroffen. Natürlich kam irgendwann die muskuläre Ermüdung. aber das gehört bei einem Marathon einfach dazu.“

Auch am Tag danach fühlte sie sich besser als erwartet. Ein wenig Muskelkater war da, insgesamt waren die Beine aber erstaunlich gut. „Vielleicht hat auch geholfen, dass ich am Abend nach dem Rennen noch auf der After-Race-Party war", scherzt Langerwisch.

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Fester Bestandteil des Marathon Team Berlin

Noch beeindruckender als ihre Zeit in Berlin ist der Weg dorthin. 2024 lief Langerwisch die zehn Kilometer in 37:54 Minuten. Ein Jahr später waren es bereits 32:17 Minuten. Auch beim Marathon ging die Entwicklung innerhalb eines Jahres rasant voran: von knapp 2:42 Stunden in Kassel auf 2:27:31 Stunden in Berlin.

Anna Langerwisch selbst kann diese Entwicklung manchmal kaum erklären. Einen Grund hat sie jedoch klar erkannt: „Sicherlich liegt sehr viel am strukturierten Training, das ich seit Anfang des Jahres machen kann. Aber auch für mich ist diese Entwicklung überraschend." Entscheidend ist auch die Förderung im Marathon Team Berlin, das von den Organisatoren des BMW Berlin-Marathon gegründet wurde, um talentierte Marathonläufer zu unterstützen. Neben Anna Langerwisch gehören dem Team Kristina Hendel, Deborah Schöneborn, Katja Fischer und Rabea Schöneborn (Foto von links) an.

Locker bleiben und schauen, was möglich ist

„Ich glaube, eine meiner Stärken ist, dass ich mir nicht so viel Druck mache. Mir reißt niemand den Kopf ab, wenn es einmal nicht läuft." Wenn ein Rennen einmal nicht funktioniert, sei das für sie kein Weltuntergang. Laufen sei stark von der Tagesform abhängig. Im Training habe sie gewusst, dass eine solche Leistung möglich sein könnte. Ob sie dann tatsächlich abgerufen werden kann, entscheide sich am jeweiligen Tag.

Genau diese Lockerheit möchte sie sich auch für die nächsten Schritte bewahren. Ihr Potenzial sieht Langerwisch noch lange nicht ausgeschöpft. „Es gibt einige Stellschrauben, an denen wir drehen können. Einen konkreten Plan für die kommende Saison gibt es noch nicht. Wir wollen mit etwas Abstand zum Marathon entscheiden, wie es weitergeht", sagt Langerwisch.

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„Ich mache mir nicht so viel Druck. Mir reißt niemand den Kopf ab, wenn es einmal nicht läuft.“

Anna Langerwisch über eine ihrer großen Stärken

Anna Langerwisch blickt trotzdem bereits ins Jahr 2028, wenn die Olympischen Spiele in Los Angeles stattfinden. „Natürlich ist auch Olympia ein kleiner Traum. Wenn man plötzlich merkt, dass noch Potenzial da ist und die großen Ziele vielleicht nicht mehr völlig unrealistisch wirken, beginnt man schon einmal darüber nachzudenken." Gleichzeitig möchte sie nichts überstürzen. Zunächst soll analysiert werden, was im Training noch möglich ist und an welchen Bereichen sie arbeiten kann.

Was daraus entstehen kann, weiß Langerwisch selbst noch nicht. Sicher ist nur: Der Weg, der 2020 mit ein paar lockeren Läufen während der Corona-Pandemie begann, hat sie inzwischen an einen völlig anderen Punkt geführt. „Damals war Laufen einfach das, was während Corona noch möglich war. Heute ist es mein Beruf, meine große Leidenschaft und vielleicht der Anfang von etwas, von dem ich selbst noch gar nicht weiß, wie weit es gehen kann."