Der #gemeinsammehrbewegen-Preis geht in die nächste Runde. Wir suchen zum fünften Mal in Kooperation mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) und DATEV Initiativen, die zeigen, wie Laufen das eigene Leben und das von anderen verbessert. Ein Kandidat für den mit 1000 Euro dotierten Preis: Udo Mainz mit LaufKlang.
Ein Sonntag, ein langer Lauf, Kilometer 25. Udo Mainz bereitet sich auf den Köln-Marathon vor und muss plötzlich über sich selbst lachen. Seit fast drei Stunden ist er unterwegs, am Streckenrand applaudiert niemand, es spielt kein Orchester. Früher, das weiß er noch genau, hätte er so einen Sonntag gemütlich auf dem Sofa verbracht. Trotzdem fühlt er sich an diesem Tag einfach gut. „Der Körper ist irgendwann total warm, und es war einfach ein richtig schönes Gefühl“, erinnert er sich.
Zu Hause, frisch geduscht, gehen ihm ein paar Zeilen nicht mehr aus dem Kopf: kein Orchester am Rand, niemand, der klatscht, und man läuft trotzdem, bei Wind und Regen. Daraus wird „Immer Weiter“, der erste Song von LaufKlang. Inzwischen läuft seine Musik in kleinen Radiosendern von Neuseeland bis Peru.
So wird der #gemeinsammehrbewegen-Preis vergeben
Wir finden: LaufKlang ist ein guter Kandidat für den mit 1000 Euro dotierten #gemeinsammehrbewegen-Preis, den der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) und laufen.de unterstützt von DATEV in diesem Jahr vergeben. Und so läuft die Aktion:
- Initiativen bewerben sich
- unsere Jury* wählt zehn Initiativen aus
- ausgewählte Initiativen werden auf laufen.de und den angeschlossenen Social Media-Kanälen groß vorgestellt (Reportage, Bilder, Videos)
- im November startet die Wahl
- die laufen.de-Community stimmt ab, welche der zehn Initiativen den mit 1000 Euro dotierten #gemeinsammehrbewegen-Preis erhalten soll
- die Initiative mit den meisten Stimmen wird zur großen Laufgala nach Leverkusen eingeladen und erhält dort am 27. November den mit 1000 Euro dotierten #gemeinsammehrbewegen-Preis 2026
- die Gala veranstaltet laufen.de gemeinsam mit German Road Races, der Vereinigung der großen Laufveranstaltungen im deutschsprachigen Raum
- bei der Veranstaltung werden auch die deutschen Profiläuferinnen und -läufer des Jahres geehrt
*) Unsere Jury besteht aus folgenden Redaktionsmitgliedern von laufen.de, den beim DLV fürs Hobbylaufen Zuständigen und einem DATEV-Vertreter:
- Dr. Kristin Behrens (DLV-Vorständin Verbandsentwicklung)
- Christian Ermert (Chefredakteur laufen.de)
- Norbert Hensen (Geschäftsführer laufen.de)
- Petra Pillipp (Head of Brand Communication DATEV)
#gemeinsammehrbewegen: Die ganze Story von LaufKlang aus Düsseldorf
Die Musik war für Udo Mainz eigentlich nichts Neues. Gitarre und Keyboard hat er sich als Jugendlicher selbst beigebracht, mit Anfang 20 spielte er in einer Band irgendwo zwischen Pop, Rock und Wave. Dann wurden Beruf und Karriere wichtiger, die Bandmitglieder gingen getrennte Wege. Es folgten viele Jahre Büroalltag, in denen der Sport keine Rolle mehr spielte. Irgendwann hatte Udo Mainz deutlich Übergewicht. Er nahm 40 Kilogramm ab und entdeckte das Laufen, um das neue Gewicht auch zu halten.
Vom Sofa auf die Laufstrecke
Der Anfang war mühsam. Zwei Kilometer am Stück schaffte er in den ersten Wochen, langsam und mit vielen Kilos zu viel. Ein Erlebnis aus dieser Zeit hat sich ihm besonders eingeprägt: Als er eines Tages durch den Park lief, grüßte ihn ein anderer Läufer. „Das war ein Glücksgefühl. Ich habe gedacht: Jetzt gehöre ich irgendwie dazu“, erzählt er. Heute ist er selbst einer, der beim Laufen gerne grüßt.
Danach ging es schnell voran. Die ersten fünf Kilometer, dann zehn, irgendwann unter einer Stunde, später der erste Halbmarathon. Mit dem Laufen kamen auch neue Menschen in sein Leben. Leute, die gesund leben wollen und für die das Laufen ein Stück Freiheit bedeutet. „Das ist ein ganz anderer Schlag Mensch als in meinem alten Freundeskreis“, sagt Udo Mainz.
Wie ein verstaubtes Buch im Regal
Dass er beim Laufen auch die Musik wiederfinden würde, hatte er nicht erwartet. Er beschreibt es mit einem Bild: Es sei gewesen wie bei einem Buch, das jahrelang verstaubt im Regal stand. Man holt es heraus, pustet den Staub weg und liest die Geschichte plötzlich ganz neu. „Durch das Laufen ist die Kreativität zurückgekehrt“, sagt er. Im Büroalltag habe sie lange brachgelegen. Heute habe er manchmal mehr Ideen, als er unterbringen kann.
Mit dem ersten Song ging er zuerst zu den strengsten Kritikern, die er kennt: seiner Frau, seiner 14-jährigen Tochter und seinem 18-jährigen Sohn. „Wenn die abgewunken hätten, wäre es das gewesen“, sagt er und lacht. Doch die Familie fand den Song gut. Über das Internet stieß Udo Mainz dann auf Erik, einen Produzenten mit eigenem Tonstudio. Der hatte eigentlich keine Termine mehr frei, läuft aber selbst, wenn auch eher fünf als 25 Kilometer. Die Idee begeisterte ihn so, dass er einstieg. So wurde aus Laufen und Klängen LaufKlang. Und aus der Zusammenarbeit mit Erik eine Freundschaft, die bis heute hält.
Leidenschaft schafft auch Leiden
„Immer Weiter“ klingt auf den ersten Blick wie eine Durchhalteparole. So ist der Song aber nicht gemeint, betont Udo Mainz. Es gehe nicht darum, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen. Der Song handle von dem Moment, in dem es schwer wird, wenn der berühmte Mann mit dem Hammer kommt. Und von der Ausdauer, die man auch dann braucht, wenn man gar nicht laufen kann.
Das hat er selbst erlebt. Nach den ersten Jahren, in denen es läuferisch nur bergauf ging, kamen die Verletzungen. Den Köln-Marathon, für den er bei jenem langen Sonntagslauf trainiert hatte, musste er absagen. Später konnte er auch in Düsseldorf nicht starten, und in Berlin war nach 15 Kilometern Schluss, weil die Wade wieder Probleme machte. „Da sind Tränen geflossen, da ging es mir dreckig“, sagt er ganz offen. Die Zeit danach habe ihn auch einsam gemacht: keine Läufe mit den Laufbuddies, stattdessen Geduld, ein langsamer Wiedereinstieg und das Gefühl, dass die alte Form unendlich weit weg ist.
Genau diese Erfahrungen fließen in seine Musik ein. Mit dem Hochglanzbild, das in den sozialen Medien oft vom Laufen gezeigt wird, kann er wenig anfangen. „Da ist jeder Lauf eine persönliche Bestzeit. Ich möchte aber ein ehrliches Bild vom Laufen vermitteln. Da gehören positive genauso wie negative Momente dazu.“ Er findet es wichtig, dass man gerade als Mann auch mal Gefühle zeigen darf.
Spuren des Unterwegsseins
Inzwischen geht es bei LaufKlang nicht mehr nur ums Laufen im engeren Sinn. Udo Mainz nennt seine Songs „Spuren des Unterwegsseins“. Gemeint sind die Gedanken, die einem bei einem ruhigen Lauf durch den Kopf gehen, besonders wenn man allein unterwegs ist. Mal sind sie witzig, mal tiefgründig, mal geht es nur darum, die Natur bewusst wahrzunehmen. Das Laufen bleibt der Boden, auf dem die Songs stehen. Aber eher als Bild für das Leben: weitergehen, nach vorne schauen, auch über Umwege. Und sich auf das freuen, was hinter der nächsten Kreuzung oder dem nächsten Hügel kommt, statt sich davor zu fürchten.
Manche Songs entstehen aus ganz anderen Geschichten. Für eine Ballade ließ er sich von einer Nachricht in einer Lauf-WhatsApp-Gruppe mit rund 800 Mitgliedern inspirieren. Eine Läuferin suchte darin nach einem Mann, mit dem sie sich bei einem Lauf nett unterhalten hatte. Dass sich jemand das vor so vielen Mitlesenden traut, hat Udo Mainz beeindruckt. Aus der Geschichte wurde später ein Song über eine unerfüllte Liebe.
Von Düsseldorf bis nach Peru
Der Song kam weiter, als er selbst gedacht hätte. Unabhängige Radiosender in den USA, Großbritannien, Brasilien, Mexiko, Peru, Polen und Neuseeland spielen ihn, inzwischen auch ein erster Sender in Deutschland. Schon 2025 nannte Runner’s World seine Musik eine Liebeserklärung an den langen Lauf. Große Hörerzahlen sind das nicht, und das muss es auch nicht sein. „In dieser kleinen Nische fühle ich mich sauwohl.“
Am meisten bedeuten ihm die persönlichen Rückmeldungen. Ein Läufer aus Peru schrieb ihm, dass er gespürt habe, dass hier ein Läufer singt. „Dass jemand den Song verstanden hat, das ist für jemanden, der Musik macht, ein mega schönes Gefühl.“ Und bei einem Community-Run in Düsseldorf kam ein junger Läufer aus Japan auf ihn zu, zeigte auf ihn und sagte nur: „Immer Weiter“. Der Song war auf seiner Playlist. „Da habe ich mich total gefreut.“
Eine Zeile für alle, die gerade anfangen
Für alle, die gerade mit dem Laufen beginnen, hat Udo Mainz eine Zeile aus „Into The Sun“ parat: „This may be the best part of my life.“ Denn darum geht es bei LaufKlang: nicht um den perfekten Lauf, sondern um die Kilometer dazwischen, die guten genauso wie die schlechten. Massen will er damit nicht erreichen, dafür sind die Musikgeschmäcker in der Laufszene viel zu unterschiedlich, sagt Udo Mainz selbst. Umso mehr freut er sich über jeden Menschen, den seine Songs berühren. „Ich nehme jede einzelne Rückmeldung total ernst und freue mich darüber. Die darf auch kritisch sein“, sagt er. Zuerst müsse ihm selbst ein Song gefallen. „Aber wenn sich dann noch jemand findet, der sagt: Das finde ich schön, dann freut mich das riesig.“ Ob ein Läufer aus Peru, ein junger Läufer aus Japan oder jemand, der gerade die ersten zwei Kilometer am Stück schafft: Wenn ein Song von LaufKlang sie auf ihren eigenen Kilometern begleitet, hat Udo Mainz erreicht, was er wollte.